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Wirtschaft im Norden Kleingeld: Wohin mit den Münzen?
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Kleingeld: Wohin mit den Münzen?
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19:32 29.10.2018
Wie funktioniert das mit dem Münzautomaten? Kassierer Ayman Koujan hilft Kunden bei der Volksbank Lübeck, wenn sie ihr Kleingeld loswerden wollen. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Wenn Martin Hamm abends nach Hause kommt, hat er immer ein paar Münzen in der Hosentasche. Zwei Cent, ein Euro, ein zerknüllter Schein – was eben so übrig bleibt nach dem schnellen Einkauf an der Kasse. „Das Kleingeld stecke ich dann in eine alte Zigarrenkiste“, sagt der 59-Jährige. Nach einem halben Jahr ist die voll, dann geht er zur Bank, die Geldstücke in den Münzautomat kippen, eine Gutschrift aufs Konto bekommen.

Viele Menschen sammeln das Kleingeld, das beim Einkaufen übrig bleibt. Auch Andrea Prüsmann hat eine Sammelbüchse zu Hause stehen. Viele Ein- und Zwei-Cent-Stücke will sie nicht in der Geldbörse haben. Ihre Vermeidungsstrategie: „Ab 25 Euro zahle ich mit Karte“, sagt die 58-Jährige. Wenn es nach ihr ginge, würde sie in den Supermärkten nur noch gerade Einkaufspreise zulassen. 9,99 Euro, wozu? Till hingegen freut sich über Kleingeld. Der Neunjährige steckt alles in seine Spardose. „Ich habe schon ganz viel Geld gesammelt“, sagt er. Das zahlt er später bei der Bank ein.

Der eine will es sammeln, der andere so schnell wie möglich loswerden: Kleingeld. Lübecker verraten, was sie davon halten.

„Die Deutschen lieben weiterhin Bargeld“, bestätigt Björn Lüth, Sprecher der Sparkasse Holstein. Münzen im Wert von 13,5 Millionen Euro seien bei den Filialen in Holstein im Jahr 2017 von Kunden eingezahlt worden – mit einem Gesamtgewicht von 184,9 Tonnen. Auch Oliver Bandmann von der Volksbank Lübeck sagt: „Wir verzeichnen wirklich viele Einzahlungen von Münzen.“

Einzahlung von Münzen bei der Bank: Selten macht das der Automat

Die großen Geldzählmaschinen wurden allerdings vielerorts mit der Einführung des Euro abgeschafft. Zu anfällig waren die Maschinen. Inzwischen gebe es bei der Sparkasse ein neues Verfahren, sagt Lüth. „Safe Bag“ heißt es und funktioniert ähnlich wie im Duty-Free-Shop am Flughafen. Der Kunde packt seinen Berg an Münzen in eine Kunststofftasche. Die wird fest verschlossen und dann an spezielle Dienstleister, die für die Bank arbeiten, verschickt. Rostige, verdreckte, beschädigte Münzen werden herausgenommen. Der Kunden bekommt eine Gutschrift.

Manche Bankfilialen berechnen für die Münzen eine Gebühr. Bei der Sparkasse Lübeck werden beispielsweise fünf Euro fällig, sechs Kilogramm passen in einen „Safe Bag“, sagt Sprecherin Maren Lange. Bei der Sparkasse Holstein hingegen sei die Einzahlung kostenlos, sagt Lüth.

Bei der Volksbank Lübeck muss der Kunde nichts zahlen, sofern er dort ein Konto hat. Und bei der Volksbank gibt es noch Münzautomaten. Nicht nur Centstücke landen im Gerät. Büroklammern, Schrauben, Briefmarken, sogar einen Brettspielwürfel hätten die Kollegen schon aus dem Automaten gefischt, berichtet Oliver Bandmann von der Kundenbetreuung.

An der Supermarkt-Kasse: Kleine Beträge zahlen Deutsche in bar

Auch im Supermarkt werden Kunden ihre Münzen los. In Deutschland werden vor allem kleine Beträge fast nur bar bezahlt – bei Summen bis fünf Euro zu 96 Prozent, sagt eine Studie der Bundesbank. Tom Nieclaus etwa zahlt nach Möglichkeit gleich passend an der Kasse. „Wieso soll ich die Münzen ansammeln?“, sagt der 26-Jährige. Özcan Neher, Betreiber vom Edeka in der Lübeck Königstraße, freut das: „Wir nehmen alles – ob klein oder groß.“ Rund die Hälfte seiner Kundschaft zahle in bar, der Rest inzwischen mit Karte.

Sparverhalten in Schleswig-Holstein

Zuversichtliche Sparer sind die Schleswig-Holsteiner. Laut einer Umfrage der Volksbanken und Raiffeisenbanken gehen 74 Prozent der Menschen davon aus, in zehn Jahren mehr oder mindestens gleich viel zu sparen wie im Moment. Derzeit legen zwei Drittel der Bewohner des nördlichsten Bundeslandes monatlich Geld beiseite – meistens auf dem Sparbuch (42 Prozent) und auf dem Girokonto (17 Prozent). Fonds nutzt aktuell jeder zehnte Schleswig-Holsteiner.

Anlässlich des Weltspartages lädt die Sparkasse Lübeck am Dienstag von 9 bis 18 Uhr in ihre Filiale in der Breiten Straße 18-28 zu einer „Eismeer-Party“ ein. Es gibt einen Zauberer, einen Ballonkünstler, eine Malecke und ein Kaffee- und Kuchenbuffet.

Einen hohen Bestand an Kartenzahlung vermerkt auch der Topkauf Schaddach in der Pelzerstraße. Doch auch Münzen hätten weiterhin eine hohe Bedeutung. „Gerade die Älteren zahlen noch in bar“, sagt Inhaber Frank Schaddach. Er plädiert dafür, die Ein- und Zwei-Centstücke abzuschaffen. „Die Kunden möchten das ganze Kleingeld nicht in der Tasche haben.“

Saskia Bücker

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