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Autoindustrie kann Diesel-Updates steuerlich absetzen

Betriebsausgaben Autoindustrie kann Diesel-Updates steuerlich absetzen

Die deutsche Autoindustrie kann die Kosten für die Software-Updates bei Millionen Dieselautos steuerlich absetzen.

Ein Kfz-Meister lädt ein Software-Update auf einen Volkswagen Golf mit einem 2,0-Liter-Dieselmotor.

Quelle: Julian Stratenschulte

Berlin. Die deutsche Autoindustrie kann die Kosten für die Software-Updates bei Millionen Dieselautos steuerlich absetzen. Das berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken.

„Die den Herstellern entstehenden Kosten sind bilanzrechtlich Betriebsausgaben der Unternehmen“, schreibt demnach Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake in einem Papier, das der Zeitung vorliegt. Die Hersteller dürfen ihren Gewinn somit um die Kosten für die über fünf Millionen Software-Nachrüstungen mindern.

Allein bei Updatekosten von 100 bis 200 Euro je Fahrzeug ließe sich der Gewinn branchenweit um bis zu eine Milliarde Euro mindern und ein dreistelliger Millionenbetrag an Steuern sparen, schreibt die „Süddeutsche“. Auch die so genannten „Umweltprämien“ der Branche beim Kauf neuer Diesel-Fahrzeuge - und damit Rabatte - gelten nach Angaben aus Regierungskreisen als absetzbar.

Damit dürften die Verursacher die Folgen der Abgas-Affäre steuerlich geltend machen, nicht aber die Betroffenen. Unternehmen oder Privatpersonen können eine mögliche Wertminderung ihrer Fahrzeuge nicht absetzen. Das hatte die Regierung nach Beginn der Affäre im Fall VW klargestellt. Die Opposition kritisiert das Vorgehen heftig. Die Autokäufer blieben auf ihrem Schaden sitzen und mit ihren Steuern werde die Autoindustrie alimentiert, sagte Linken-Verkehrspolitiker Herbert Behrens.

Beim Dieselgipfel von Bund, Ländern und Autobranche Anfang August hatten die deutschen Hersteller neue Abgas-Software für zusätzliche 2,8 Millionen Wagen zugesagt. Bei 2,5 Millionen VW-Diesel ist dies amtlich angeordnet.

Der Karlsruher Motorenbau-Professor Thomas Koch hält eine Hardware-Nachrüstung alter Dieselautos für unsinnig. Bei Nachrüstlösungen „kann man die Uhr danach stellen, bis sich in der Flotte Systemausfälle einstellen würden“, sagte Koch der dpa. Sicherheitsrelevante Teile, das elektrische Bordnetz, Partikelfilter und vieles mehr seien betroffen. Den Stickoxid-Ausstoß durch Nachrüst-SCR-Katalysatoren mit Harnstofftanks zu senken, mache die Autos schlechter und sei keine seriöse Lösung.

Laut ADAC könnten in ein Dutzend Modellreihen mit Euro-5-Dieselmotoren nachträglich Euro-6-SCR-Katalysatoren eingebaut werden, weil der erforderliche Bauraum vorhanden sei. Der Leiter des ADAC-Technikzentrums Landshut, Reinhard Kolke, hatte der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt: „Diese Abgasreinigungssysteme liegen also im Ersatzteilregal, sind zugelassen und können verbaut werden, weil sie auf die Automodelle angepasst wurden.“

Aber auch das „sind Bastellösungen. Da gibt es an 100 Ecken und Enden Fragen“, sagte Koch, der das Institut für Kolbenmaschinen am Karlsruher KIT leitet. Kolkes Aussage spiegle die Komplexität des Themas nicht ansatzweise wider.

dpa

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