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Bärenstarke Lufthansa macht sich bereit für Air Berlin

Rekordgewinne Bärenstarke Lufthansa macht sich bereit für Air Berlin

Mehr als 80 neue Flugzeuge sind auch für den Lufthansa-Konzern kein Kleinkram. Aber das Unternehmen fliegt zum richtigen Zeitpunkt Rekordgewinne ein.

Eine Boeing 737 der Lufthansa fliegt den Flughafen Düsseldorf an.

Quelle: Oliver Berg

Frankfurt/Main. Mit einem erneuten Rekordgewinn im Rücken kann die Lufthansa im kommenden Jahr die Integration großer Teile der insolventen Air Berlin angehen.

Vor allem höhere Ticketpreise und ein erholtes Frachtgeschäft haben dem Dax-Konzern in den ersten neun Monaten dieses Jahres Rekorde bei Umsatz und Gewinn beschert, wie in Frankfurt berichtet wurde.

Für das abschließende Quartal rechnet Lufthansa-Chef Carsten Spohr mit weiter steigenden Ticketpreisen. Sinken sollen hingegen die Durchschnittskosten abseits von Währungsschwankungen und Treibstoff.

Allein im dritten Quartal hat der Konzern operativ 1,5 Milliarden Euro (bereinigtes Ebit) verdient. Seine Gewinnprognose für 2017 hob Spohr trotz des glänzenden Geschäftsverlaufs nicht an.

Für den operativen Gewinn stellt der Vorstand weiterhin nur allgemein eine Steigerung in Aussicht. Allerdings liegt das bereinigte Ebit schon nach den ersten drei Quartalen mit 2,6 Milliarden Euro bereits anderthalb Mal so hoch wie im Vorjahr - ein weiterer Rekord. Den Umsatz konnte der Konzern unter anderem wegen der vollständigen Übernahme der belgischen Brussels Airlines um 12,1 Prozent aus 26,8 Milliarden Euro steigern.

Zudem winkt dem Kranich zum Jahresende ein dicker Sondergewinn, so dass der Überschuss im Gesamtjahr weit über die 1,8 Milliarden Euro von 2016 hinausheben dürfte. Hintergrund ist die Neuregelung der Betriebsrenten für die Piloten, die laut Finanzchef Ulrik Svensson zu einem Einmaleffekt von rund 600 Millionen Euro führen wird, sofern diese dem ausgehandelten Tarifkompromiss zustimmen. 2016 hatte eine Einigung mit den Flugbegleitern einen ähnlichen Effekt gebracht. Dennoch verdiente Lufthansa in den ersten neun Monaten unter dem Strich mit 1,85 Milliarden Euro bereits genauso viel wie im Vorjahreszeitraum.

Die noch unter Kartellvorbehalt stehende Integration der Air Berlin in die Eurowings werde im kommenden Jahr Sonderkosten von rund 50 Millionen Euro verursachen, berichtete Finanzvorstand Ulrik Svensson. Darin sind unter anderem Schulungen für das Personal wie auch Umlackierungen der Flugzeuge enthalten. Positive Ergebnisbeiträge erwarte man 2019. Lufthansa will die Eurowings-Flotte um 81 Maschinen aus den Beständen der Air Berlin erweitern.

Für die Billigmarke Eurowings sind bereits 30 Air-Berlin-Jets unterwegs, die der Konzern samt Personal von der Rivalin gemietet hatte. Spätestens im Januar 2018, so hofft Spohr, kann sich die Lufthansa den Großteil der Air-Berlin-Flotte einverleiben.

Er rechnet zuvor mit wettbewerbsrechtlichen Auflagen durch die EU-Kommission, die das Geschäft überprüft. Man wäre im „vernünftigen Maße“ dazu bereit, bestimmte Start- und Landerechte abzugeben. Er rechne damit, dass der Lufthansa-Marktanteil an Flügen von und nach Deutschland um rund 7 Punkte auf 41 Prozent steigen werde. Das sei ein Wert, den andere nationale Fluggesellschaften in ihren Heimatmärkten längst innehätten.

Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Die Lufthansa soll die Air-Berlin-Töchter Niki und LGW sowie weitere 20 Jets übernehmen. Die meisten Flugzeuge - die allesamt Leasinggesellschaften gehören - will die Lufthansa von den Eigentümern kaufen und insgesamt 1,5 Milliarden Euro investieren. Der Kaufpreis von 210 Millionen Euro für die Air-Berlin-Teile ist in dieser Summe enthalten.

Die schnell wachsende Billigtochter Eurowings steuert derweil bereits auf schwarze Zahlen zu. Die Gesellschaft soll schon im laufenden Jahr einen operativen Gewinn erwirtschaften. Dieser war eigentlich erst für 2018 geplant, hatte sich aber schon im Sommer abgezeichnet. Im kommenden Jahr soll die Eurowings mit rund 210 Flugzeugen und 10 000 Mitarbeitern rund 40 Millionen Passagiere transportieren. Sie würde damit hinter Ryanair und Easyjet zur drittgrößten Billig-Airline in Europa.

dpa

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