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Brauchen wir Grenzwerte für Salz?

Fulda Brauchen wir Grenzwerte für Salz?

Die meisten Deutschen essen zu viel Salz. Schuld ist aber nicht der Einzelne. Der Verbraucher bekomme zu salzige Lebensmittel von der Nahrungsmittelindustrie aufgetischt, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

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Individuelles Salzen macht nur ein Viertel des Konsums aus. Die größte Menge wird über verarbeitete Lebensmittel aufgenommen - wie Brot, Käse, Fleisch- und Wurstwaren oder Fertiggerichte.

Quelle: Karl-Josef Hildenbrand

Fulda. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnt davor, zu viel Speisesalz zu konsumieren. Zugleich rufen die Experten die Politik und die Lebensmittelindustrie zum Handeln auf.

Die Nahrungsmittelhersteller sollten weniger Salz in ihren Produkten verwenden, appellierte Anja Kroke, Professorin an der Hochschule Fulda und Mitglied des wissenschaftlichen Präsidiums der DGE. Die Gesellschaft veranstaltet bis Freitag einen Kongress in Fulda. Zum Auftakt am Mittwoch sollte eine Stellungnahme zur Speisesalzzufuhr in Deutschland abgegeben werden.

Die DGE empfiehlt nicht mehr als sechs Gramm Speisesalz - etwa einen Teelöffel voll - pro Tag zu sich zu nehmen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht sogar von maximal fünf Gramm täglich. Tatsächlich liege der Konsum bei den meisten Erwachsenen in Deutschland aber deutlich über sechs Gramm, sagte Kroke. Dies sei der Fall bei 70 Prozent der Frauen und 80 Prozent der Männer.

Wer zu viel Salz aufnimmt, läuft Experten zufolge Gefahr, seinen Blutdruck in die Höhe zu treiben und so unter anderem das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu steigern. Aber: Salz ist auch wichtig für den Wasserhaushalt, Knochenaufbau, das Nervensystem und die Verdauung.

Die Verbraucher haben laut Kroke nur begrenzte Möglichkeiten, ihren Salzkonsum zu drosseln. „Das Entscheidende ist nicht das Salz auf dem Frühstücksei“, betonte die Medizinerin und Ernährungsexpertin. Individuelles Salzen mache nur 20 bis 25 Prozent des Konsums aus. Die größte Menge werde über verarbeitete Lebensmittel aufgenommen, zum Beispiel über Brot, Käse, Fleisch- und Wurstwaren sowie Fertiggerichte. „Die Rezepturen müssten umgearbeitet werden. Doch dann laufen Hersteller Gefahr, dass Konkurrenzprodukte womöglich schmackhafter erscheinen“, sagte Kroke.

Kroke kritisierte, dass in der Lebensmittelwirtschaft eine freiwillige Selbstverpflichtung fehle, weniger Salz zu verwenden. „Dafür bedarf es womöglich Druck von der Politik. Grenzwerte könnten festlegt werden, um den Salzgehalt schrittweise zu reduzieren“, sagte Kroke. Doch ernsthafte Diskussionen darüber hätten noch nicht stattgefunden.

Es sei womöglich auch schwierig, eine Salzregulierung rechtlich umzusetzen, sagte Kroke. Es werde in Deutschland als „übergriffig“ wahrgenommen, wenn sich die Politik oder Fachleute zu sehr in das Thema Ernährung einmischen. „Das wird von vielen Menschen als etwas sehr Privates empfunden. Einmischung kommt womöglich nicht gut an.“

In der Forschungswelt sind sich die Fachleute keineswegs einig über die Auswirkungen des Salzkonsums. Eine Studie von US-Forschern, die 269 Veröffentlichungen berücksichtigte, ergab zum Beispiel, dass nur etwa die Hälfte der Analysen die Ansicht stützte, dass ein hoher Salzkonsum das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Probleme oder einen frühen Tod erhöht.


DGE-Kongress in Fulda
Zeitplan DGE-Kongress
Programm DGE-Kongress
Prof. Dr. Anja Kroke

dpa

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