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Wirtschaft im Rest der Welt Chef der Arbeitsagentur für mehr öffentlich geförderte Jobs
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13:52 09.04.2017
Detlef Scheele ist seit 1. April Chef der Bundesagentur für Arbeit. Quelle: Nicolas Armer
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Nürnberg

Der neue Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, will bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit künftig verstärkt auf öffentlich geförderte Jobs setzen. Dabei werde es sich nicht um eine „Beschäftigungstherapie“ handeln, sondern um ganz normale Arbeitsplätze.

Die Betroffenen seien sozialversichert, sagte Scheele in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Dann darf man auch am Markt tätig sein“, was bei Ein-Euro-Jobs nicht zulässig sei. Der frühere Hamburger Arbeits- und Sozialsenator, der bereits seit Spätsommer 2015 im Vorstand der Bundesagentur für Arbeit sitzt, hatte zum 1. April die Nachfolge von Frank-Jürgen Weise angetreten.

Es gehe um die „Not am unteren Rand des Arbeitsmarktes“, keineswegs um einen flächendeckenden Einsatz von Arbeitslosen, stellte Scheele klar. „Wenn man es ernst meint und sich auch um Bevölkerungskreise kümmern will, die objektiv keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, ohne Ausbildung sind, Ältere, möglicherweise mit gesundheitlichen und anderen Einschränkungen, da muss man etwas tun. Da gibt es nur ein einziges Mittel“, machte er deutlich.

Im Blick habe er dabei auch Familien, in denen beide Eltern arbeitslos seien. „Man muss durchbrechen, dass die sozialen Folgen von Arbeitslosigkeit vererbt werden“, sagte Scheele. „Dazu haben wir - gemeinsam mit der Jugendhilfe und anderen kommunalen Stellen - auch einen Beitrag zu leisten.“ Grundsätzlich werde die Vermittlung solcher öffentlich geförderter Jobs an enge Voraussetzungen geknüpft sein: Betroffene müssten mindestens vier Jahre arbeitslos sein und mindestens drei sogenannte Vermittlungshemmnisse aufweisen - etwa geringe Deutschkenntnisse oder gesundheitliche Probleme.

Scheele geht davon aus, dass etwa 100.000 bis 200.000 Arbeitslose für eine solche öffentlich geförderte Beschäftigung in Frage kommen. Er warnte aber zugleich vor der Illusion, man könne damit Langzeitarbeitslosen zu einer dauerhaften Stelle verhelfen. Vorrangig gehe es darum, einer kleinen Gruppe von Arbeitslosen zeitweise die Teilhabe am normalen Arbeitsleben zu ermöglichen. Schließlich wirke Arbeit stabilisierend, mache stolz auf das Geleistete.

Um die Zahl der Langzeitarbeitslosen zu senken, setzt Scheele ferner auf eine intensivere Betreuung von Betroffenen in den Jobcentern. Nach seinen Vorstellung sollen Männer und Frauen, die schon lange keine Arbeit mehr hatten, häufiger zu Beratungs- und Vermittlungsgesprächen in die Jobcenter gebeten werden. „Wir machen das in einigen Städten - in Duisburg, im Rhein-Neckar-Kreis und Frankfurt am Main - da verdoppeln sich die Integrationsquoten nahezu“, berichtet der Bundesagentur-Chef. Vor allem bei Menschen, die noch nicht ganz so lang arbeitslos seien, „hilft die Erhöhung der Kontaktdichte überall“.

Er selbst werde sich gerne daran messen lassen, ob er es schaffe, die Zahl der Langzeitarbeitslosen zu senken, sagte Scheele. Zuletzt gab es davon knapp 930.000. „Da wollen wir alles dran setzen.“

Konkrete Zielvorgaben lehnte er aber ab. Insgesamt habe man ja eine „völlig verrückte Situation“: „Wir haben einerseits eine so gute Lage auf dem Arbeitsmarkt, wie ich sie seit der Wiedervereinigung nicht erlebt habe.“ Und trotzdem gebe es Menschen in Deutschland, die sich trotz dieser Entwicklung subjektiv abgehängt fühlten. Ziel müsse es sein, beides zusammenzubringen und niemanden zurückzulassen - schon wegen des Fachkräftebedarfs, aber auch aus sozialpolitischen Erwägungen.

dpa

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