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Wirtschaft im Rest der Welt Chinesischer Großaktionär will Grammer übernehmen
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19:23 29.05.2018
Das Logo der Grammer AG an der Konzernzentrale in Amberg. Quelle: Armin Weigel
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Amberg

China setzt seine Einkaufstour in Deutschland fort: Der chinesische Autozulieferer Jifeng will jetzt den bayerischen Autozulieferer Grammer übernehmen - ein Investorenvertrag sei am Dienstag unterschrieben worden, teilte das Unternehmen in Amberg mit.

Sowohl Aufsichtsrat und Börse als auch die Arbeitnehmer reagierten positiv. Jifeng habe schon im Vorfeld freiwillig weitreichende Garantien gegeben, sagte der Amberger IG-Metall-Chef Horst Ott.

Grammer beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon 2000 am Hauptsitz Amberg. Vor genau einem Jahr hatten sich Management und Arbeitnehmer gemeinsam heftig gegen eine Machtübernahme durch die umstrittene bosnische Investorenfamilie Hastor gewehrt - Jifengs Einstieg als neuer Aktionär war damals als Rettung begrüßt worden.

Inzwischen hält Jifeng 26 Prozent und kündigte ein Übernahmeangebot an alle Aktionäre vor - mit einem Aufschlag von 17 Prozent über dem bisherigen Aktienkurs. Das Oberpfälzer Unternehmen wäre Jifeng damit 772 Millionen Euro wert. Als Mindestannahmequote wurden 50 Prozent plus eine Aktie vereinbart.

Der Investorenvertrag regelt die Bedingungen der neuen strategischen Partnerschaft. Grammer bleibe selbstständig und börsennotiert, Management und Struktur blieben unverändert, hieß es aus Industriekreisen. Die Chinesen hätten den Erhalt aller Standorte für fünf Jahre und aller Arbeitplätze für siebeneinhalb Jahre zugesichert, sagte Ott, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef ist. „Jemand der nichts Gutes im Sinn hat, würde das nicht machen.“ Die weitreichende Absicherung mache ihn zuversichtlich, dass Jifeng wirklich eine strategische Partnerschaft wolle.

Grammer hat mit Kopfstützen und Mittelkonsolen für Autos und mit Sitzen für Traktoren, Baumaschinen und Lastwagen im vergangenen Jahr 1,8 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Jifeng produziert Kopfstützen und Armlehnen für chinesische Autobauer, ist aber mit 250 Millionen Euro Umsatz viel kleiner als Grammer. Das Unternehmen gehört zu zwei Dritteln der Familie Wang.

Vorstand Jimin Wang sagte: „Wir haben den Ehrgeiz, in den nächsten fünf Jahren einer der weltweit führenden Automobilzulieferer zu werden. Durch die Zusammenarbeit mit starken Partnern wie der Grammer AG werden wir unsere Position weiter ausbauen und in China, Europa und Nordamerika investieren.“ Durch Grammer bekomme Jifeng Zugang zu internationalen Märkten, gemeinsam könnten sie Kosten sparen und Synergien heben.

Die Grammer-Aktie schoss am Dienstag um rund 20 Prozent nach oben. Analyst Michael Punzet von der DZ Bank sagte, bei einem Übernahmeangebot von Jifeng könnte die Familie Hastor aussteigen. Das wiedrum könnte Grammer Aufträge aus der deutschen Autoindustrie wieder erleichtern. Hastor-Firmen hatten im Streit mit VW Lieferungen gestoppt und so die VW- Bänder in Wolfsburg und Emden stillgelegt. Hastor hält 19 Prozent an Grammer.

Mit Jifeng als „stabilem Anker“ würde die Lage stabiler, sagte Ott. Ob alle Aktionäre ihre Anteile verkaufen, ist offen. Peter Rothenaicher von der Baader Bank hält das Angebot der Chinesen angesichts des Wachstumspotenzials von Grammer etwa in den USA für „ziemlich niedrig“.

China will bis zum 100. Gründungstag der Volksrepublik im Jahr 2049 das Land zu einer industriellen Supermacht machen. Ohne Zukäufe in Deutschland ist das nicht zu machen. Bertelsmann-Expertin Cora Jungbluth hatte in einer Studie kürzlich kritisiert, dass China seine eigene Industrie vor ausländischem Zugriff schütze, aber im Westen immer mehr Schlüsseltechnologien einkaufe. In den vergangenen vier Jahren habe China 175 Unternehmen übernommen oder Beteiligungen erworben, - etwa beim Autobauer Daimler oder dem Roboterhersteller Kuka.

dpa

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