Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Rest der Welt Darjeeling-Ernten fallen Streik zum Opfer
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Darjeeling-Ernten fallen Streik zum Opfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:42 16.09.2017
Eine Tee-Spezialistin gießt bei der Tee-Probe eines Händlers Wasser in die Probentassen. Quelle: Christian Charisius
Anzeige
Darjeeling/Hamburg

Liebhaber von Darjeeling-Tee werden womöglich eine Zeitlang auf das erlesene Getränk verzichten müssen. Die Plantagen in der nordostindischen Region Darjeeling überwuchern, weil die Pflücker streiken.

Es geht nicht etwa um ihre Arbeitsbedingungen, sondern um Autonomie für ihr Volk. Davon sind auch Teetrinker in Deutschland betroffen.

In dem Bezirk des Bundesstaates Westbengalen herrscht seit Mitte Juni ein Generalstreik. Angehörige der nepalesischstämmigen Minderheit der Gorkha wollen damit ihrer Jahrzehnte alten Forderung nach einem eigenen Bundesstaat namens Gorkhaland Nachdruck verleihen.

Die Pflücker aller 87 Teegärten, aus deren Pflanzen der „Champagner unter den Tees“ gewonnen wird, beteiligen sich an dem Streik. „Darjeeling“ ist eine geschützte geografische Angabe - nur Tee aus der Region darf den Namen tragen.

Von den rund 8500 Tonnen Darjeeling, die normalerweise pro Jahr geerntet werden, importierte Deutschland nach Angaben des Deutschen Teeverbands in Hamburg im vergangenen Jahr knapp 700 Tonnen. Davon sei rund die Hälfte weiter exportiert worden. Eine Aussage zur Preisentwicklung durch den derzeitigen Ausfall sei nicht möglich, hieß es, da es schlichtweg keine neue Ware gebe.

Nur etwa 30 Prozent der üblichen Jahresmenge wurden bislang geerntet, wie der Generalsekretär des Teeproduzenten-Verbands „Darjeeling Tea Association“, Kaushik Basu, der Deutschen Presse-Agentur erzählte. In diesem Jahr werde wohl keine weitere Ernte möglich sein, zumal es bald kälter werde. Noch gebe es Vorräte. „Aber in den ersten paar Monaten 2018 könnte uns ein Engpass treffen.“

Auslöser der jüngsten Proteste der Gorkha waren Pläne der Regierung des Bundesstaates, Bengalisch-Unterricht in allen Schulen zum Pflichtfach zu machen. Im Juni kam es zu Todesfällen bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. Seitdem blieben die Geschäfte geschlossen, und der sonst rege Tourismus bleibt in der pittoresken Himalaya-Region aus.

Der Umsatz der Teeindustrie in Darjeeling, der normalerweise fünf Milliarden Rupien (etwa 65 Millionen Euro) pro Jahr betrage, werde um 70 Prozent einbrechen, sagte Basu.

Die drei Haupt-Ernteperioden des Jahres zwischen März und Oktober bringen jeweils unterschiedlich schmeckende „Flush“-Varianten hervor. Die Vorräte an „Second-Flush“-Darjeeling gingen den deutschen Teehändlern je nach Kaufverhalten der Konsumenten voraussichtlich zwischen Dezember und April kommenden Jahres aus, teilte der Teeverband auf Nachfrage mit. Danach werde die Sorte erst wieder im Herbst 2018 in Geschäften verfügbar sein.

Das setzt voraus, dass bald alles wieder beim Alten ist. Allerdings kamen laut Basru durch den Streik auch die Pflege der Pflanzen in den Teegärten sowie Neupflanzungen zu kurz.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Während Betriebsräte und IG Metall massiven Widerstand gegen die Thyssenkrupp-Pläne einer Stahlfusion mit Tata angekündigt haben, fordern Aktionärsvertreter nun mehr Mitsprache bei dieser wichtigen Entscheidung. Die Hintergründe seien derzeit noch „völlig unklar“.

16.09.2017

Wer gerne Darjeeling-Tee trinkt sollte sich schnell noch einmal eindecken. Wegen eines Streiks in Indien könnten die Vorräte an Darjeeling knapp werden.

16.09.2017

Für die Ratingagentur S&P ist das einstige Krisenland Portugal wieder ein verlässlicher Kreditnehmer. Standard & Poor's hob das Rating des Landes um eine Stufe von BB+ auf BBB- an.

16.09.2017
Anzeige