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Das Pokerspiel um den Kaufhof hat begonnen

Arbeitsplätze auf dem Spiel Das Pokerspiel um den Kaufhof hat begonnen

Karstadt-Chef Rene Benko greift nach dem Rivalen Kaufhof. Sein Traum von der „Deutschen Warenhaus AG“ könnte Deutschlands Innenstädte sichtbar verändern.

Offiziell hat der kanadische Kaufhof-Eigentümer HBC bislang stets alle Verkaufsabsichten bestritten.

Quelle: Susann Prautsch

Köln. Der österreichische Karstadt-Eigentümer René Benko hat offiziell ein Angebot für den Rivalen Kaufhof vorgelegt. Hätte er damit Erfolg, würde sich die deutsche Warenhauslandschaft wohl grundlegend verändern. Fragen und Antworten zum Warenhaus-Poker.

Warum will René Benko eigentlich Kaufhof kaufen?

Die Übernahme von Kaufhof durch Karstadt würde den Schlusspunkt in der Konsolidierung der deutschen Warenhauslandschaft setzten. Wo einst Karstadt, Kaufhof, Hertie, Horten und Co um die Kundengunst kämpften, bliebe nur noch ein Platzhirsch übrig. Er hätte vielleicht bessere Chancen, sich gegen die Konkurrenz aus dem Internet, gegen moderne Einkaufscenter, gegen H&M und Primark zu behaupten. „Es ist das beste, was die schwächelnden Kaufhäuser noch machen können“, meint der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein.

Wie sieht Benkos Angebot aus?

Die Signa-Holding von René Benko bietet nach dpa-Informationen rund drei Milliarden Euro für das deutsche Warenhausgeschäft von Kaufhof und andere Immobilien. Der Löwenanteil des Kaufpreises dürfte dabei nicht auf die Warenhauskette, sondern auf die Immobilien in wertvollen Innenstadtlagen entfallen. Der kanadische Kaufhof-Eigentümer HBC hatte 2015 die Warenhauskette der Metro für 2,8 Milliarden Euro abgekauft. Wie belastbar das Angebot ist, ist allerdings umstritten. HBC sprach in einer Börsenmitteilung von einem unvollständigen, nicht bindenden Angebot, dessen Finanzierung nicht belegt sei.

Kann Benko einen solchen Kaufpreis bezahlen?

Darüber kann man nur spekulieren, da Benkos Signa-Holding kaum Zahlen veröffentlicht. Allerdings hat die Immobilien-Tochter Signa Prime erst Anfang Oktober ihr Eigenkapital um eine Milliarde Euro erhöht, um Spielraum für Zukäufe zu gewinnen. Einiges Geld ist also vorhanden.

Will HBC den Kaufhof überhaupt verkaufen?

Offiziell hat der kanadische Kaufhof-Eigentümer HBC bislang stets alle Verkaufsabsichten bestritten. Erst vor knapp zwei Wochen bekräftigte HBC-Chef Richard Baker noch einmal in einem offenen Brief an die Kaufhof-Beschäftigten bekräftigt: „Selbstverständlich stehen wir auch weiterhin zu unserem Engagement und unserer Wachstumsstrategie in Europa.“

Was könnte den HBC-Chef veranlassen, seine Meinung zu ändern?

Die schlechte Lage des Konzerns und der Druck der Aktionäre. Der kanadische Konzern steckt in einer tiefen Krise. Die Geschäfte in Nordamerika laufen schlecht. Und auch das 2015 mit großen Hoffnungen gestartete Europa-Geschäft hat die Erwartungen nicht erfüllt. Im Gegenteil: Der Kaufhof kämpft mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Erste Aktionäre haben deshalb bereits gefordert, das Signa-Angebot ernsthaft zu prüfen. Dass nach dem Bekanntwerden der Offerte der Kurs der HBC-Aktie um 9 Prozent in die Höhe schnellte, könnte dieser Forderung Nachdruck verleihen.

Was würde ein Verkauf für die Beschäftigen bedeuten?

Vor allem erst einmal große Unsicherheit. Würden Kaufhof und Karstadt zusammengelegt, wären wohl eine Konzernzentrale und die damit verbundenen Arbeitsplätze überflüssig. Und auch bei den Kaufhäusern könnte es Schließungen geben - insbesondere dann, wenn in einer Stadt die Karstadt- und Kaufhof-Filialen in Sichtweite voneinander liegen.

Wie viele Warenhäuser sind bedroht?

Viele. Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE geht davon aus, dass etwa jedes dritte der derzeit noch rund 180 deutschen Warenhäuser früher oder später in der derzeitigen Form vor dem Aus steht. Käme ein Zusammenschluss, würde sich diese Entwicklung durch den schnelleren Wegfall von Doppelstandorten beschleunigen. Käme er nicht, wäre die Entwicklung letztlich auch nicht aufzuhalten, meint er. Bedroht seien vor allem Warenhäuser in Klein- und Mittelstädten. Gerrit Heinemann hält sogar rund die Hälfte der Filialen auf die Dauer für nicht überlebensfähig.

Wäre durch einen Zusammenschluss die Zukunft des verbliebenen Konzerns gesichert?

Das ist angesichts des boomenden Online-Handels und sinkender Kundenfrequenzen in den Innenstädten durchaus umstritten. Für Heinemann sind die Warenhäuser „sterbende Dinosaurier“. Ein Zusammenschluss sei zwar aktuell das beste, was die Unternehmen machen könnten, doch werde er letztlich nur das Siechtum verlängern.

dpa

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