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Deutsche Bank überrascht mit Quartalsgewinn

Frankfurt/Main Deutsche Bank überrascht mit Quartalsgewinn

Ist das schon die Trendwende? Schwarze Zahlen nach dem Rekordverlust 2015 traute kaum jemand der Deutschen Bank zu. Schließlich krempelt der neue Chef Cryan den Konzern kräftig um. Der Brite lässt sich von einer unerwartet guten Zwischenbilanz nicht blenden.

Frankfurt/Main. Nach überraschend guten Zahlen in einem turbulenten Auftaktquartal tritt Deutsche-Bank-Chef John Cryan auf die Euphoriebremse. „Es ist noch unklar, ob wir am Ende einen kleinen Gewinn oder einen Verlust ausweisen“, sagte der Brite mit Blick auf das Gesamtjahr.

Der im Sommer als Sanierer angetretene Manager hatte 2016 zum Übergangsjahr erklärt. „Wir haben uns verdammt viel vorgenommen“, betonte Cryan. Die Aufräumarbeiten bei den Altlasten hätten derzeit Priorität.

In den ersten drei Monaten konnte der Frankfurter Dax-Konzern entgegen der Erwartungen den Absturz in die roten Zahlen vermeiden. Zwar brach der Überschuss im ersten Quartal zum Vorjahreszeitraum mehr als die Hälfte (58 Prozent) auf 236 Millionen Euro ein. Allerdings hatten Analysten 300 Millionen Euro Verlust gerechnet.

„Der Ausblick für das verbleibende Jahr bleibt aufgrund des rechtlichen und regulatorischen Umfeldes, das sich unseres Erachtens weiterhin auf unser Geschäft auswirken wird, verhalten“, heißt es im Zwischenbericht des größten deutschen Geldhauses.

Nach Angaben von Finanzvorstand Marcus Schenck rechnet das Institut wegen zahlreicher Altlasten auch im laufenden Jahr mit hohen Rechtskosten. Cryan bekräftigte seine Entschlossenheit, den Berg von Rechtsstreitigkeiten abzutragen. Im ersten Quartal legte die Bank aber zunächst deutlich weniger für mögliche juristische Niederlagen zurück als vor einem Jahr. Insgesamt hat die Bank derzeit 5,4 Milliarden Euro für Strafen reserviert.

Dass im ersten Quartal keine nennenswerten neuen Rückstellungen für Rechtsrisiken anfielen, erklärt zum Teil die unerwartet guten Zahlen zum Jahresauftakt. Zudem sanken die Kosten, weil die Bank bei den Boni auf der Bremse steht.

So konnte die Deutsche Bank den deutlichen Rückgang bei den Erträgen teils wettmachen. Denn die Erträge - also die gesamten Einnahmen - sackten vor allem wegen des schwachen Investmentbankings und den Folgen des Zinstiefs binnen Jahresfrist um 22 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro ab. Dabei ging es in allen Sparten abwärts außer bei der vor dem Verkauf stehenden Tochter Postbank.

Die gesamte Branche hatte in den ansonsten traditionell starken ersten drei Monaten mit Turbulenzen an den Märkten zu kämpfen. „Die Finanzmärkte waren im ersten Quartal schwierig“, konstatierte Cryan. „Deshalb hielten sich die Kunden an den Kapitalmärkten zurück, unsere Erträge waren im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, vor allem im Wertpapierhandel und bei Unternehmensfinanzierungen.“

Zudem habe sich der Rückzug aus bestimmten Geschäften und Ländern ausgewirkt. Der deutsche Branchenprimus will sich aus zehn Auslandsmärkten ganz zurückziehen. Abgespeckt wird auch in anderen Ländern, so schloss die Bank in Spanien 18 und in Polen 25 Filialen.

„Wir schauen uns an, wo wir die Kosten schneller und stärker senken können“, sagte Finanzchef Schenck. Betroffen von der Verschärfung sollen vor allem Standorte außerhalb Deutschlands sein. Eine Beschleunigung ist nach Schencks Angaben etwa bei der Modernisierung der IT möglich. Auch die Zahl externer Berater soll gesenkt werden.

Nach dem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr will das neue Management die Bank unter anderem mit einem harten Sparprogramm wieder auf Kurs bringen. Im eigenen Haus werden unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze gestrichen, 4000 davon in Deutschland. Bis Ende 2017 will die Deutsche Bank knapp ein Drittel ihrer 723 Filialen im Heimatmarkt schließen. Vorgesehen ist, dass die Schließung der Standorte im zweiten Halbjahr beginnt.

„Wir haben bei den Verhandlungen mit dem Betriebsrat Fortschritte erzielt und im ersten Quartal 2016 Rückstellungen in Höhe von 285 Millionen Euro für den geplanten Abbau von Mitarbeitern gebildet“, schreibt die Bank in ihrem Zwischenbericht. Wie teuer der geplante Stellenabbau letztlich wird, ist noch offen.

dpa

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