Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Rest der Welt Fachkräftemangel: Deutsche Gründer brauchen mehr Informatiker
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Fachkräftemangel: Deutsche Gründer brauchen mehr Informatiker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:46 24.10.2018
Post-its in den Räumen eines Startup-Unternehmens. Allmählich gehen den Gründern die Fachkräfte aus. Quelle: dpa
Berlin

Optimistisch, engagiert und mit der Bundesregierung unzufrieden – so beschreibt der Deutsche Startup Monitor den durchschnittlichen Gründer 2018. Sorgen bereitet den jungen Unternehmen vor allem der Fachkräftemangel. Auch die Bürokratie könnte ihnen zufolge einfacher ausfallen.

1550 Datensätze sind in die Erhebung der Universität Duisburg-Essen eingeflossen. Repräsentativ ist die Studie im Auftrag des Bundesverbands Deutsche Startups nicht. Doch weil der Verband nur 8000 junge, innovative Unternehmen mit meist mehreren Mitarbeitern als Startups wertet, ist sie einigermaßen aussagekräftig. Zumal die mittlerweile sechste Erhebung auch Einblicke in Entwicklungen ermöglicht.

Die zentrale Botschaft: „Der Mangel an Fachkräften ist bei den Startups angekommen“, sagte der Studienleiter Tobias Kollmann bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch in Berlin. Drei von vier Befragten berichten von Schwierigkeiten bei der Einstellung von Informatikern, auch die Zahl der Gründer mit naturwissenschaftlichen Vorkenntnissen nahm um etwa ein Drittel ab. Für Kollmann ein Grund, an die Regierung zu appellieren: Die Gründer in Deutschland bräuchten eine bessere Ausbildung im MINT-Bereich. Und kurzfristig müsse die Einwanderung von qualifizierten Mitarbeitern erleichtert werden.

Startups wollen einstellen

Den zu knapp 70 Prozent im Digital-Bereich angesiedelten Startups würde das entgegenkommen: Dem Monitorbericht zufolge planen die Unternehmen durchschnittlich 6,5 Neueinstellungen, im Schnitt beschäftigen sie derzeit 12,4 Angestellte, etwa 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Weiterhin gilt, dass überproportional viele befragte Startups in Metropolen sitzen. Die „Gründungshotspots“ Berlin, Hamburg, München, das Ruhrgebiet sowie die Region um Stuttgart und Karlsruhe machen 46 Prozent der Firmensitze aus. Dennoch ist Florian Noell vom Bundesverband der Startups überzeigt, dass sich Startups immer mehr verteilen. „Auch an kleinen Hochschulstandorten kommt mittlerweile eine kritische Masse zustande“.

Thüringen oben, Niedersachsen mau

Die Förderung des jeweiligen Gründungsstandortes bewerten die Startups sehr unterschiedlich: Mit der Schulnote 2,9 kommt das Bundesland Thüringen trotz seiner geringen Zahl an Gründungen am besten weg. Während die meisten Länder zwischen einer drei und einer vier liegen, schneidet Niedersachsen mit 4,2 am schlechtesten ab.

Für Standortentscheidungen zentral ist zunehmend die Verfügbarkeit schnellen Internets. Das Vorhandensein regionaler Cluster, also oft kommunal unterstützter Netzwerke für Gründer, tritt hingegen in den Hintergrund. Zwei Drittel der befragten Unternehmen sind in keinem Cluster aktiv, im Vorjahr war es weniger als die Hälfte. Bewertet wurden die Cluster allerdings überwiegend positiv.

Schlechte Note für die Bundesregierung

So schlecht wie nie zuvor bewerten die Gründer die Arbeit der Bundesregierung: Statt einem befriedigend in den Vorjahren gibt es nun nur noch ein ausreichend auf der Schulnotenskala. Fast drei Viertel der Befragten wünschen sich von der großen Koalition mehr Engagement beim Bürokratie-Abbau, knapp 40 Prozent außerdem einen zügigeren Breitbandausbau.

Außerdem für 42 Prozent zentral: zusätzliche Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung. Zuletzt sei ein Rückgang beim Wagniskapital zu beobachten gewesen, berichtete Tim Dümichen von der an der Studie ebenfalls beteiligten Wirtschaftsberatung KPMG. Wichtigste Finanzierungsquellen bleiben laut dem Startup-Monitor eigene Ersparnisse und staatliche Fördermittel sowie Freunde und Familie.

Viele optimistisch, einige pessimistisch

Deutlich eingetrübt haben sich allerdings die Zukunftsaussichten mancher Befragten: Während 2018 noch 1,8 Prozent eine Verschlechterung der Geschäftslage erwarteten, sind es in diesem Jahr 6,8 Prozent. Dem stehen aber 63,2 Prozent entgegen, die optimistisch in die Zukunft blicken.

Um die machen sich die Gründer der Erhebung zufolge viele Gedanken. Erstmalig fragte der DSM nach der Relevanz von Nachhaltigkeit für die Unternehmensziele. Und auch wenn Ökonomische Ziele für die Allermeisten klar im Vordergrund stehen, ordnet sich etwa ein Drittel der Befragten der Green-Economy zu.

Von RND/Christoph Höland

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Das Revier ist in Wallung“: Im rheinischen Braunkohlegebiet machen Kumpel und Industrie-Mitarbeiter ihrem Ärger Luft. Sie werben für die Zukunft ihrer Jobs. Die Kohlekommission sucht unterdessen weiter nach einem Kompromiss für den Kohleausstieg. Es gibt auch erste Pläne.

24.10.2018

Das Unternehmen Flixbus bringt einen ersten vollelektrischen Fernbus auf deutsche Straßen.

24.10.2018

Die Stadt Mainz will erst nach gründlicher Prüfung des Urteils zu möglichen Dieselfahrverboten entscheiden, ob es gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Berufung geht.

24.10.2018