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Wirtschaft im Rest der Welt Deutsche Vermögen wachsen nur langsam
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16:39 26.09.2018
Der Bulle vor der Frankfurter Börse symbolisiert Aufschwung: Vor allem für Wertpapiersparer ist 2017 „ein außergewöhnlich gutes Jahr“ gewesen. Quelle: Foto: Jan Huebner/imago
Frankfurt

Die Deutschen sparen wie die Weltmeister – dennoch wächst das Vermögen der privaten Haushalte in vielen anderen Ländern seit Jahren schneller. Beispielsweise in den USA, wo der Staat die Altersvorsorge über Aktien und Fonds steuerlich fördert – während hierzulande die breite Masse auch in Zeiten mickriger Sparzinsen einen weiten Bogen um die seit einiger Zeit boomenden Börsen macht.

Die gewaltige Summe von 168,3 Billionen Euro brutto nennen private Haushalte rund um den Globus nach Berechnungen des Versicherers Allianz ihr Eigen. 43 Prozent davon konzentrierten sich Ende 2017 in Nordamerika. In den USA legten die Vermögen demnach im vergleich zum Vorjahr um 8,5 Prozent zu, in Deutschland um 5,1 Prozent. Die Allianz berücksichtigt in ihrem jährlichen „Global Wealth Report“ für 53 Länder Bargeld, Bankeinlagen und Wertpapiere sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds. Immobilien werden dagegen nicht mitgerechnet.

Aktionäre profitierten von guter Börsenlage

Die Welt ist reicher geworden“, bilanzierte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Vor allem für Wertpapiersparer sei 2017 „ein außergewöhnlich gutes Jahr“ gewesen. Etwa 80 Prozent der Vermögenssteigerung im vergangenen Jahr seien Folge der guten Börsenentwicklung.

In Deutschland jedoch liegt viel Geld auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern, obwohl Banken und Sparkassen keine oder nur noch mickrige Zinsen zahlen. Die DZ Bank geht davon aus, dass die Sparquote der Privathaushalte hierzulande im laufenden Jahr erstmals seit 2008 wieder knapp die 10-Prozent-Marke überschreiten wird. Von 100 Euro Einkommen werden also 10 Euro auf die hohe Kante gelegt.

Der Realzins in Deutschland ist negativ

Das Problem: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Zinstief bis mindestens „über den Sommer 2019“ zementiert. Weil gleichzeitig die Inflationsrate steigt, schrumpfen Rücklagen auf Tages- oder Festgeldkonten sogar: Der Realzins – also der tatsächliche Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate – dürfte nach einer Hochrechnung der DZ Bank im laufenden wie im nächsten Jahr jeweils bei etwa minus ein Prozent liegen.

In der Summe sind die Deutschen zwar so reich wie nie: Das Geldvermögen der privaten Haushalte stieg laut jüngsten Zahlen der Bundesbank im ersten Quartal 2018 auf das Rekordhoch von 5875 Milliarden Euro. Gemessen an den gewaltigen Sparanstrengungen hält Allianz-Ökonom Heise die Vermögensentwicklung der vergangenen Jahre jedoch für „nicht gerade zufriedenstellend“: „In Deutschland arbeitet das Geld weniger für die Sparer als in vielen anderen Ländern.“

Zahl der Aktionäre steigt

Zwar lockte der Boom an den Aktienmärkten 2017 wieder mehr Menschen an die Börsen. Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zufolge besaßen im vergangenen Jahr gut zehn Millionen Menschen hierzulande Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds. Das ist der höchste Stand seit 2007. Etwa jeder Sechste legt demnach direkt oder indirekt Geld an der Börse an. Doch das Aktieninstitut dämpfte die Euphorie: „So erfreulich die Entwicklung 2017 war, Entwarnung für die Aktienkultur bedeutet dies nicht.“

Auch die Allianz erkennt in ihrem jüngsten Report eine „vorsichtige Wende im Anlageverhalten“ der Deutschen für mehr Aktien und weniger Bankeinlagen bei frischen Geldern. Es müsse sich allerdings noch erweisen, ob diese Entwicklung von Dauer sei, sagt Chefvolkswirt Heise: „Wenn es zu einem Rückschlag an den Börsen käme – was ich derzeit nicht erwarte –, ist diese vorsichtige Wertpapierkultur wieder dahin.“

Schweizer und US-Amerikaner sind am reichsten

Am reichsten sind die Schweizer: Sie hatten laut dem „Global Wealth Report“ der Allianz Ende 2017 mit 261 100 Euro die höchsten Brutto-Geldvermögen pro Kopf. Auch abzüglich der Schulden lagen die Schweizer an der Spitze der Rangliste: Pro Kopf blieben jedem Staatsbürger bei dieser Berechnung noch 173 990 Euro netto.

Auf Platz zwei landeten die US-Amerikaner mit einem Brutto-Vermögen von 208 500 Euro pro Kopf. Abzüglich der Schulden waren es bei den US-Bürgern immer noch 168 640 Euro. Gut schnitten auch die Schweden (Platz drei, 98 380 Euro netto) und Niederländer (Platz vier, 95 880 Euro netto) ab.

Deutschland bleibt in der Rangliste der Länder mit den reichsten Privathaushalten im Mittelfeld: Beim Brutto-Geldvermögen pro Kopf belegt Europas größte Volkswirtschaft nur den 20. Platz (73 630 Euro), beim Geldvermögen abzüglich Schulden reichte es noch für Platz 18 (52 390 Euro).

Von dpa/RND