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Ehemaliger Chef der Anglo Irish entschuldigt sich für Telefonate

London/Dublin Ehemaliger Chef der Anglo Irish entschuldigt sich für Telefonate

„Nur Verachtung“ hat die Bundeskanzlerin für den irischen Ex-Banker Drumm und seine Kollegen. Sie hatten sich in Telefonaten höhnisch über die Krise der Anglo Irish Bank geäußert.

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Eine Filiale der Anglo Irish Bank in Belfast. Foto: Paul McErlane

London. Nun findet Drumm den Ton der aufgezeichneten Gespräche „unverzeihlich“.

Der ehemalige Chef der irischen Pleitebank Anglo Irish, David Drumm, hat sich für abfällige Telefonate über die Rettung der Bank entschuldigt. Drumm sagte der irischen Wirtschaftszeitung „Sunday Business Post“, der unangemessene Ton der Gespräche sei ein Ausdruck stressiger Zeiten gewesen. Er nannte den Ton der aufgezeichneten Gespräche „unverzeihlich“.

Zu keiner Zeit habe die Bankführung versucht, der Finanzaufsicht die schwierige Lage der Großbank zu verschweigen, versicherte Drumm. Er betonte, dass die Bank in der Zeit, als es um eine Rettung ging, solvent gewesen sei - und dass die Liquiditätsprobleme der Bank der Aufsicht zu der Zeit bekannt gewesen seien. Drumm sagte weiter, sollten Gespräche zwischen Anglo Irish, der Zentralbank und dem Finanzministerium auch veröffentlicht werden, würde dies die Diskussion in ein anderes Licht rücken.

Die in der vergangenen Woche von der Zeitung „Irish Independent“ veröffentlichten Mitschnitte von Gesprächen unter Top-Managern der Bank hatten nicht nur in Irland hohe Wellen geschlagen. Unter anderem hatte ein Banker mit Blick auf zu erwartende Gelder aus Deutschland die erste Strophe des Deutschlandliedes angestimmt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dieses Verhalten scharf kritisiert. Am Wochenende legte Finanzminister Wolfgang Schäuble nach: „Diese Banker gefielen sich offensichtlich in der Rolle von abgehobenen Übermenschen, die nur Verachtung für ihre Mitmenschen haben“, sagte Schäuble der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. „Dabei waren sie es, denen unsere Verachtung zuteil kommen sollte und denen wir das Handwerk legen müssen.“

Der angesehenen Zeitung „Irish Independent“ waren Tondokumente zugespielt worden, die sie Anfang der Woche veröffentlichte. Darin wird deutlich, dass die Führungsspitze der Anglo Irish Bank auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 die Regierung in Dublin über das wahre Ausmaß der Krise bei der Bank belogen hatte. Noch verheerender wirkte der Tonfall der Banker.

In einer Sequenz stimmt Bankmanager John Bowe in schlechtem Deutsch die erste Strophe des Deutschlandliedes an: „Deutschland, Deutschland über alles...“ - ein Hohn über das Geld deutscher Anleger bei der Bank. Der damalige Bankchef Drumm - inzwischen in die USA umgezogen - bog sich dabei vor Lachen. Der Hohn kam unzweifelhaft trotz des vollen Bewusstseins, dass die Bank in der irischen Immobilienblase gerade Milliarden von Anlegern und Steuerzahlern verzockt hatte. „Wir werden das Geld zurückzahlen, wenn wir es haben... also nie“, heißt es an einer Stelle.

Merkel hatte zuvor gesagt, sie habe dafür „wirklich nur Verachtung“ - und große Zustimmung bei Irlands Notenbankchef Patrick Honohan erhalten: „Der Stil, die Einstellung und Kultur, die sich in diesen Telefonaten widerspiegeln, sind zutiefst abstoßend“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstagausgabe). „Die deutsche Bundeskanzlerin hat das sehr klar auf den Punkt gebracht.“

Honohan sagte, die Gespräche vermittelten den Eindruck, die Banker hätten gegenüber der Zentralbank bewusst das Ausmaß ihres Finanzbedarfs heruntergespielt. „Das ist eine neue Dimension“, zitiert die Zeitung den Notenbankchef. Die Zentralbank prüfe rechtliche Schritte.

Schäuble sagte, die Telefonmitschnitte belegten, „wie notwendig und wichtig es war, in den Finanzmärkten klare Regeln einzuziehen“. Auf diesem Weg sei man schon weit vorangekommen. Dazu gehörten die Eigenkapitalregeln, Regeln zur Bankenabwicklung und die Obergrenzen bei Banker-Bonuszahlungen.

 

Irish Independent

dpa

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