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Einweg gegen Mehrweg: Ärger um die Wegwerf-Flaschen

Mehrweg ist auf dem Rückzug Einweg gegen Mehrweg: Ärger um die Wegwerf-Flaschen

Nur noch 44 von 100 verkauften Getränkepackungen sind wiederbefüllbare Flaschen. Mehrweg ist auf dem Rückzug - allen Bekenntnissen der Politik zum Trotz. Umweltschützer und der Getränke-Fachhandel sprechen von einem Kampf „David gegen Goliath“.

Leere Mehrwegflaschen stehen auf einem Transportband.

Quelle: Jens Wolf/illustration

Berlin. Wer Leergut zurück bringt, tut das oft mit dem guten Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun. Falsch ist das nicht - aber der Hinweis „Pfandflasche“ allein sagt über die Umweltbilanz einer Wasser- oder Limoflasche noch nicht allzu viel aus.

Seit Jahren sinkt der Anteil der wiederbefüllbaren Mehrweg-Flaschen in Deutschland, zum Ärger von Umweltschützern und Getränke-Fachhändlern. Die „Mehrweg-Allianz“ macht Druck auf die Politik - und appelliert mit einer Info-Kampagne an die Kunden.

Wie hoch ist denn der Mehrweg-Anteil in Deutschland?

2004 lag der Mehrweg-Anteil bei Getränken noch bei 66,3 Prozent, 2015 nach Angaben des Umweltministeriums nur noch bei 44,3 Prozent. Dabei galt bis vor kurzem eine sogenannte Mehrwegquote von 80 Prozent in der Verpackungsverordnung, aber ohne Verpflichtungen und Sanktionen. Laut Umweltbundesamt werden nur knapp 30 Prozent der Erfrischungsgetränke und gut 40 Prozent des Wassers als Mehrweg angeboten. Beim Bier ist der Anteil viel höher, allerdings ist der Dosen-Anteil nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Getränkefachgroßhandels inzwischen wieder auf 5,7 Prozent geklettert.

Warum sinkt der Mehrweg-Anteil?

Mit Einweg-Flaschen lässt sich Geld machen. Die PET-Flaschen lassen sich als sortenreines Plastik gut weiterverkaufen, zur Produktion neuer Flaschen, aber auch oft für die Polyester-Produktion. Discounter wie Lidl und Aldi setzen auf Einweg, weil das logistisch einfacher ist. Umweltschützer und der Getränkefachhandel sprechen daher von einem Kampf „David gegen Goliath“ - ihrer Darstellung nach steht Einweg für das große Kapital, Mehrweg für den Mittelstand.

Was tut die Politik?

Im Januar 2019 tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft, das auch den Mehrweg-Anteil steigern soll. Die Zielquote liegt bei 70 Prozent. Um Kunden zum Mehrweg-Kauf anzuregen, müssen Geschäfte künftig am Regal auszeichnen, wo Mehrweg- und wo Einwegflaschen stehen.

Steht nicht auf den Flaschen, ob sie Einweg oder Mehrweg sind?

Manchmal steht nur „Pfandflasche“ drauf. Zerknitterbare Flaschen sind immer Einweg, informiert das Umweltbundesamt. Auch die Pfandhöhe hilft weiter: Das Einwegpfand beträgt 25 Cent, das Mehrwegpfand acht oder 15 Cent. Vor einem Jahr haben sich viele Getränkeproduzenten verpflichtet, Flaschen deutlicher zu kennzeichnen. Nach Angaben des Handelsverbands HDE sind mindestens 84 Prozent des Marktvolumens in Deutschland abgedeckt. „Mit einer verbesserten Etikettenkennzeichnung trägt die Getränkewirtschaft dazu bei, dass die Konsumenten Mehrweg und Einweg künftig noch besser voneinander unterscheiden und bewusste Kaufentscheidungen treffen können“, teilt der HDE mit.

Und was will die „Mehrweg-Allianz“?

Sie fordert einerseits die Kunden auf, „an der Landekasse für den Klimaschutz“ abzustimmen und Mehrweg-Flaschen zu kaufen. Zudem dringt sie auf eine Abgabe von 20 Cent auf Einweg-Verpackungen, um sie teurer zu machen. Säfte und Nektar sowie Getränkekartons sollen wie andere Einweg-Flaschen Pfand kosten, fordern die Verbände. Außerdem wollen sie Einweg- und Mehrweghinweise auf Flaschen verpflichtend machen. Dabei sind die Deutschen Umwelthilfe, die Stiftung Initiative Mehrweg, der Verband des deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH) und der Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels.

Ist Mehrweg wirklich umweltfreundlicher?

Ja. Laut Naturschutzbund sind Plastik-Mehrwegsysteme am besten, weil die Flaschen leichter sind als Glasflaschen und umweltverträglicher transportiert werden können. Auch Mehrwegflaschen aus Glas haben eine bessere Umweltbilanz als Plastik-Einweg, Glas-Einweg oder gar Alu-Dosen. Generell raten die Umweltschützer, regional abgefüllte Getränke zu kaufen, um lange Transportwege zu vermeiden.

Warum ist dem Getränkefachhandel Mehrweg so wichtig?

Auch aus logistischen Gründen. Flaschen, die in Plastik eingeschweißt sind statt in Kästen, seien schwieriger zu transportieren und zu stapeln, sagt Günther Guder vom GFGH. So werde die Auslieferung komplizierter und teurer, ein Fahrer sei bis zu 50 Prozent weniger effektiv, wenn Einweg und Mehrweg gemischt seien.

dpa

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