Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Rest der Welt Elf Jahre nach „Prestige“-Unglück: Gericht spricht Angeklagte frei
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Elf Jahre nach „Prestige“-Unglück: Gericht spricht Angeklagte frei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:54 14.11.2013
Die in zwei Teile gebrochene «Prestige» sinkt vor der Nordwestküste Spaniens bei Caion. Der Untergang des Öltankers hatte die größte Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte zur Folge. Foto: Navy/epa/Archiv
Anzeige

La Coruña (dpa) - Elf Jahre nach dem Untergang des Öltankers „Prestige“ vor der Nordwestküste Spaniens hat ein Gericht die drei Angeklagten im Zusammenhang mit der Katastrophe freigesprochen.

Niemand sei für das Unglück im November 2002 strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, entschied das Landgericht in der Hafenstadt La Coruña am Mittwoch.

Es stehe nicht fest, was das Unglück genau ausgelöst habe, sagte der Vorsitzende Richter Juan Luis Pía. Den Kapitän des Tankers, Apostolos Mangouras, verurteilte das Gericht allerdings zu neun Monaten Haft, weil der Grieche damals den Anordnungen der spanischen Behörden nicht Folge geleistet hatte.

Der 78-Jährige wird die Strafe nicht verbüßen müssen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den Kapitän und den ebenfalls aus Griechenland stammenden Maschinisten, Nikolaos Argiropoulos, sowie den damaligen Chef der spanischen Hafenbehörde, José Luis López Sors, Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren verlangt. Keiner der Angeklagten war bei der Urteilsverkündung anwesend.

Das mit 77 000 Tonnen Schweröl beladene Schiff war am 13. November 2002 leckgeschlagen, sechs Tage später in zwei Teile zerbrochen und im Atlantik versunken. Das Unglück löste die größte Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte aus.

Das Gericht räumte ein, dass der Einhüllentanker sich in einem beklagenswerten Zustand befunden habe. Dies sei dem Kapitän und der Besatzung aber wahrscheinlich nicht bekanntgewesen. Die „Prestige“ habe damals über alle notwendigen Zertifikate verfügt. Das American Bureau of Shipping (ABS) hatte dem Tanker die Seetüchtigkeit bescheinigt. Die Richter hielten der US-Agentur vor, das Schiff nicht ausreichend kontrolliert zu haben. Der spanische Staat war bei der US-Justiz mit dem Vorhaben gescheitert, vom ABS eine Entschädigung einzuklagen.

Da das Gericht die Angeklagten von der Verantwortung für die Umweltkatastrophe freisprach, legte es auch nicht fest, wer für die Schäden aufkommen muss. Die Staatsanwaltschaft hatte die Schadenssumme auf 4,3 Milliarden Euro beziffert. „Dieses Geld wird nun niemand zahlen müssen“, schrieb „El País“ in seiner Online-Ausgabe.

Umweltschützer und die Opposition der Sozialisten beklagten, dass nun für die größte Umweltkatastrophe in Spanien niemand zur Rechenschaft gezogen werde. In Justizkreisen wurde allerdings erwartet, dass gegen das Urteil vor dem obersten Gerichtshof Berufung eingelegt wird.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Neun Jahre lang hat ein Brief in Oberfranken bis zu seinem Empfänger in Bayreuth gebraucht.

13.11.2013

Stilikone Victoria Beckham und der „Tatort“-Macher Gunther Witte werden mit dem Medienpreis Bambi geehrt. Das teilte Hubert Burda Media heute, einen Tag vor der Bambi-Gala in Berlin, mit.

13.11.2013

Vernichtende Zwischenbilanz von Deutschlands Top-Ökonomen für Union und SPD: Die fünf „Wirtschaftsweisen“ befürchten, dass eine große Koalition mit einer „rückwärtsgewandten“ ...

14.11.2013
Anzeige