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Handelsexperten: „Brexit“ schadet deutscher Exportwirtschaft

Berlin Handelsexperten: „Brexit“ schadet deutscher Exportwirtschaft

Ein unabhängigerer Finanzplatz London oder günstigere Importe dank eines starken Pfunds: Es gibt durchaus Vorteile für die britische Wirtschaft, falls das Königreich aus der EU austritt. Dennoch warnt ein Experte: Die Nachteile überwiegen.

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Eine britische Flagge weht in Brüssel. David Cameron will noch in diesem Jahr die Bürger im Vereinigten Königreich über einen „Brexit“ abstimmen lassen.

Quelle: Laurent Dubrule

Berlin. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU hätte nach Einschätzung eines Handelsexperten vor allem Auswirkungen auf die deutsche Exportwirtschaft. Für den Finanzstandort London gäbe es hingegen keine Nachteile.

„Das trifft die deutsche Automobilindustrie an allererster Stelle, dann die weiße Ware, sehr viele Finanzdienstleistungen, die Bankenwelt“, sagte der Geschäftsführer der Britischen Handelskammer in Deutschland, Andreas Meyer-Schwickerath, der Deutschen Presse-Agentur. „Sprich: Die ganze deutsche Wirtschaft, die Export betreibt beziehungsweise mit London Geschäfte betreibt“, sagte er in Berlin.

Zugleich warnte Meyer-Schwickerath vor wirtschaftspolitischen Folgen für die Europäische Union. „Wenn Großbritannien austritt, dann ist ein Domino-Effekt zu erwarten“, sagte er mit Blick auf die politische Entwicklung in Polen und Ungarn, aber auch in Frankreich und Spanien. „Die Nationalismen nehmen zu, und die Deutschen wären gut beraten zu versuchen, hier die Einigkeit stärker hervorzuheben und mit EU-Reformen möglichen Unabhängigkeitsbestrebungen entgegenzuwirken.“

Mögliche Nachteile für den Finanzplatz London sieht der Experte indes eher nicht. „Möglicherweise gewinnt London sogar, dadurch dass es einen unabhängigeren Status erhält“, sagte er. Auch der britische Binnenmarkt könne durchaus von einem „Brexit“ profitieren. „Es kann durchaus sein, dass nach einer anfänglichen Schwächung das Pfund wieder zu einer starken Fluchtwährung würde und dann zumindest die Importe für die Briten billiger würden.“

Insgesamt würden allerdings auch für die britische Wirtschaft die Nachteile überwiegen: „Vorteile sehe ich allenfalls darin, dass die politische Abstimmung nicht mehr über die EU läuft, sondern Großbritannien alleine handeln kann in vielen Dingen“, sagte Meyer-Schwickerath. Als Beispiele nannte er Sozial- und Migrationspolitik sowie die umstrittene Frage der Arbeitsgenehmigungen. „Die Briten sind in vielen Punkten pragmatischer als die Deutschen oder als die europäische Seite und können dadurch unabhängiger agieren und vor allem schneller agieren.“

Der britische Regierungschef David Cameron will noch in diesem Jahr die Bürger im Vereinigten Königreich über einen „Brexit“ abstimmen lassen. Nach aktuellen Umfragen halten sich Befürworter und Gegner eines EU-Austritts die Waage. Im Falle des Falles müssten Deutschland und Großbritannien „schnellstmöglich Barrieren wieder abbauen“. Schließlich entstünden bei einem EU-Austritt der Briten automatisch wieder Zollschranken und andere Handelshindernisse.

Nicht festlegen wollte sich Meyer-Schwickerath auf die Kosten eines „Brexit“. „Es gibt Schätzungen, dass es zwischen 0,5 und 1,5 Prozent des Bruttosozialproduktes sein kann“, sagte er. Die deutsch-britische Handelsbilanz bei Waren und Dienstleistungen betrug 2014 nach Angaben der Bundesbank 177 Milliarden Euro. Dabei lag der Überschuss eindeutig auf deutscher Seite: Die Bundesrepublik exportierte Waren im Wert von 91,9 Milliarden Euro nach Großbritannien und importierte Güter im Wert von 44,1 Milliarden Euro.


Bundesbank zur deutschen Zahlungsbilanz 2014
Britische Handelskammer in Deutschland

dpa

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