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Kraftwerk-Großaufträge stimmen Siemens optimistischer

München Kraftwerk-Großaufträge stimmen Siemens optimistischer

Jahrelang war Siemens bei seinen Zwischenberichten immer wieder für negative Überraschungen gut, weil Großprojekte in der Energiesparte stolperten. Das hat sich geändert. Der Lohn sind gute Zahlen und ein dickes Auftragspolster.

München. Siemens hat nach einem starken dritten Geschäftsquartal seine Gewinnprognose für das laufende Jahr angehoben. Europas größter Elektrokonzern steigerte Umsatz und Betriebsergebnis deutlich.

Siemens erreichte dank mehrerer Großaufträge für Kraftwerke und Windparks den höchsten Auftragsbestand in der Unternehmensgeschichte.

In einem schwierigen Marktumfeld habe Siemens vor allem im Vergleich mit den Wettbewerbern überzeugt, sagte Vorstandschef Joe Kaeser: „Der jahrelange Wachstumsverfall ist gestoppt.“ Während die Kunden bei großen Rivalen wie General Electric, ABB und Alstom weniger bestellten, legte der Siemens-Umsatz um 5 Prozent und der Auftragseingang sogar um 6 Prozent zu. Größter Treiber war das Energiegeschäft, das die Hälfte zum Konzernumsatz und -ergebnis beisteuert.

Stromerzeuger in den USA, Bolivien und Ägypten kauften bei Siemens Gas- und Dampfturbinen für Kraftwerke. In Schottland und vor der mecklenburgischen Ostseeküste soll Siemens große Windparks errichten.

Kaeser sagte, die Sparten Windkraft und Stromübertragung hätten „eine beachtliche Sanierung zügig hingelegt“. Hatten früher immer wieder Verzögerungen und unerwartete Sonderkosten bei einzelnen Großprojekten das Konzernergebnis verhagelt, verbessere Siemens jetzt „unter anderem durch verlässliche Projektabwicklung die Ertragskraft“. Probleme würden früher erkannt. Die Großaufträge belegten „unsere wiedergewonnene Verlässlichkeit“. Durch die soeben beschlossene Fusion der Siemens-Windkraftsparte mit dem spanischen Windanlagenbauer Gamesa zur weltweiten Nummer eins erwarte er einen weiteren Sprung.

Das Betriebsergebnis von Siemens legte im dritten Quartal um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro zu. Nur wegen höherer Steuern und Zinskosten für Rückstellungen ging der auf die Aktionäre entfallende Gewinn von 1,36 auf 1,33 Milliarden Euro zurück.

Für das im September endende Geschäftsjahr peilt Siemens nun einen leichten Umsatzzuwachs und einen Nettogewinn von 5,5 bis 5,7 Milliarden Euro an. Bisher hatte Kaeser mindestens 5,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt - nach 7,4 Milliarden im Vorjahr.

Die Börse reagierte positiv - die Siemens-Aktien legten nach Kaesers Pressekonferenz um fünf Prozent zu und waren damit der größte Gewinner im DAX. Sowohl die Quartalszahlen als auch das neue Gewinnziel lägen deutlich über den Erwartungen, erklärte ein Händler.

Sorgenkind bleibt die Sparte Industrieautomatisierung und große Antriebe - als einzige verbuchte sie weniger Aufträge, Umsatz und Gewinn. Digitalisierung und Innovationen haben den Markt grundlegend verändert - es gebe Preisdruck und „enorme Überkapazitäten“, sagte Kaeser. Zudem investieren die Öl- und Gasindustrie und die anderen rohstoffnahen Branchen wegen des niedrigen Ölpreises weniger. Eine Besserung sei nicht in Sicht. In der Sparte will Siemens in Deutschland 2000 Stellen abbauen, im Ausland weitere 500.

Finanzchef Ralf Thomas sagte, beim Sparprogramm sei Siemens näher am Ziel als gedacht. Die geplanten Einsparungen von einer Milliarde Euro könnten schon in diesem Jahr erreicht werden.

dpa

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