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Lufthansa fliegt Rekordgewinn ein

Frankfurt/Main Lufthansa fliegt Rekordgewinn ein

Germanwings-Absturz und vier große Streikwellen - aus ihrem Horror-Jahr geht Lufthansa dennoch mit einem Rekordgewinn hervor. Dem Vorstand ist aber nicht zum Feiern zumute.

Frankfurt/Main. Die Lufthansa hat im Jahr des Germanwings-Absturzes einen Rekordgewinn erzielt. Neben dem billigen Kerosin hat ein Sondereffekt von über 500 Millionen Euro zu dem Konzernergebnis von 1,7 Milliarden Euro entscheidend beigetragen.

Konzernchef Carsten Spohr betonte jedoch angesichts der Germanwings-Opfer: „Ein Jahr, in dem 150 Menschen tot sind, kann für mich kein Rekordjahr sein.“

Die guten Zahlen belegten auch die Substanz des größten Luftverkehrskonzerns Europas, meinte Spohr bei der Bilanzvorlage in Frankfurt. „Nicht viele Airlines hätten nach so einem Jahr solche Zahlen zeigen können.“ Im „schwierigsten Jahr der 60-jährigen Lufthansa-Geschichte“ hat der Dax-Konzern trotz des Absturzes und vier Streikwellen des fliegenden Personals den Umsatz um knapp sieben Prozent auf 32,1 Milliarden Euro gesteigert.

Der vom depressiven Co-Piloten herbeigeführte Absturz der Germanwings im März 2015 beschäftigt Lufthansa weiter. „Wir können das nicht ungeschehen machen, so gerne wir das wollten“, sagte Spohr. Man sei aber als Branche verpflichtet, aus jedem Unfall zu lernen.

Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) kletterte um 55 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, obwohl der siebentägige Flugbegleiterstreik im November das Unternehmen nach mehreren Ausständen der Piloten noch einmal 100 Millionen Euro kostete. Insgesamt bezifferte Finanzchefin Simone Menne die streikbedingten Verluste auf 230 Millionen Euro. Trotz der Ausfälle verzeichnete Lufthansa mit knapp 108 Millionen Gästen auch einen neuen Passagierrekord.

Unter dem Strich stieg 2015 der Gewinn auch dank des lukrativen Verkaufs der Beteiligung an der US-Fluglinie JetBlue von 55 Millionen Euro im Vorjahr auf den Rekordwert von 1,698 Milliarden Euro. Damit wurde das bisherige Rekordjahr 2007 mit 1,66 Milliarden Euro knapp übertroffen. Die Aktionäre sollen nach der Nulldiät von 2014 nun wieder eine Dividende von 0,50 Euro erhalten.

Die Gewinnpläne der Lufthansa wachsen aber auch nach dem Ergebnissprung nicht in den Himmel. Trotz deutlich sinkender Treibstoffkosten dürfte der Gewinn im laufenden Geschäft 2016 nur leicht zulegen, kündigte Spohr an. Für die Passagiere dürften die Ticketpreise weiter fallen, da Europas größter Luftverkehrskonzern wegen des Konkurrenzdrucks einen Teil des Kerosin-Preisvorteils an die Kunden weitergeben muss. Die Lufthansa-Aktie reagierte auf die verhaltene Prognose mit einem deutlichen Kursverlust.

Konzernweit gingen die Treibstoffkosten 2015 um rund eine Milliarde auf 5,8 Milliarden Euro zurück, wie Finanzchefin Simone Menne berichtete. Im laufenden Jahr sollen sie um eine weitere Milliarde auf 4,8 Milliarden Euro sinken.

Bei der Eurowings-Gruppe rechnet der Konzern 2016 mit einem leichten Verlust - auch wegen der umfangreichen Investitionen in den Geschäftsausbau. Die auf Direktflüge spezialisierte Zweitmarke wird stark ausgebaut, während die Netzwerk-Gesellschaften Lufthansa, Austrian und Swiss eher schrumpfen. Man habe im vergangenen Jahr 15 Flugzeuge weniger eingesetzt als 2014. Das dürfe nicht andauern, sagte Spohr. „Eine Airline, die nicht wächst, kann zwar gute Ergebnisse vorlegen, aber ihre Führungsrolle auf Dauer nicht beibehalten.“

Die bereits jetzt um 30 Prozent kostengünstigere Fluglinie Eurowings soll dabei jedes Jahr noch einmal ihre Stückkosten um jeweils 10 Prozent senken. 2016 soll die Eurowings-Flotte um 10 auf 98 Flugzeuge wachsen. Auf der zunächst holprig gestarteten Langstrecke erreiche man inzwischen eine sehr hohe Auslastung. Der Konzern wolle nun prüfen, die Billigmarke ab 2017/2018 auch am Drehkreuz München starten zu lassen.

dpa

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