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Lufthansa nimmt Milliarde in die Hand

Air-Berliner besorgt Lufthansa nimmt Milliarde in die Hand

In der Air-Berlin-Pleite macht die Lufthansa Nägel mit Köpfen: Die Frankfurter nehmen eine Milliarde Euro zum Flugzeugkauf in die Hand. Bei Air Berlin zittern die Beschäftigten um ihre Jobs.

Zwanzig Air-Berlin-Flieger besitzt Lufthansa schon oder hat verbindliche Optionen darauf.

Quelle: Wolfgang Kumm

Frankfurt/Düsseldorf. Bei der geplanten Übernahme großer Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin gibt die Lufthansa zusätzlichen Schub.

Während am Standort Düsseldorf Hunderte Beschäftigte der Air Berlin auf verlässliche Informationen zur Zukunft ihrer Jobs hofften, bewilligte der Lufthansa-Aufsichtsrat am Dienstag rund eine Milliarde Euro, um 61 Flugzeuge von den Leasinggesellschaften der Air Berlin zu erwerben. Das Geld stamme aus vorhandenen liquiden Mitteln, teilte der Dax-Konzern in Frankfurt mit.

Ob es zu dem Geschäft kommt, ist auch vom Erfolg der laufenden Übernahmeverhandlungen mit der insolventen Air Berlin abhängig. Der dort genannte und von Lufthansa nicht bestätigte Kaufpreis von rund 200 Millionen Euro ist in der vom Aufsichtsrat genehmigten Milliarde dem Vernehmen nach nicht enthalten. 20 weitere Air-Berlin-Flieger besitzt der Kranich-Konzern schon oder hat verbindliche Optionen darauf. Sie werden bereits bei der Tochter Eurowings eingesetzt, bei der auch die weiteren 61 Flugzeuge inklusive 20 Propellermaschinen fliegen sollen. Dafür werden etwa 3000 Piloten und Flugbegleiter gesucht.

Sie könnten auch aus den Reihen der mehr als 650 Air-Berlin-Mitarbeiter kommen, die sich in Düsseldorf und Ratingen bis zum Dienstagnachmittag von ihrer Gesellschaft über die Situation informieren ließen. Insbesondere bei der Betriebsversammlung für die Flugbegleiter in Düsseldorf sei es teils sehr emotional zugegangen, berichtete ein Sprecher. Am Standort Düsseldorf sind laut Verdi etwa 1200 Mitarbeiter für die Langstrecke stationiert, die zum 15. Oktober komplett eingestellt wird.

Die Mitarbeiter „mussten das alles erstmal verarbeiten“, berichtete die für Air Berlin zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretärin Anja Schlosser nach der Versammlung in Ratingen. Die Leute seien sehr ruhig gewesen, in sich gekehrt und am Überlegen, sagte Schlosser.

Es gebe in der gesamten Firma keine einzige Zusage zu einer Übernahme, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christine Behle. „Die Stimmung ist richtig schlecht.“ Verdi wie auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit verlangen gemeinschaftliche Regelungen zum Personalübergang, während Eurowings individuelle Bewerbungen durchsetzen will. Laut Air Berlin können rund 80 Prozent der mehr als 8000 Beschäftigten auf einen neuen Job bei den übernehmenden Firmen hoffen.

Lufthansa hat im Insolvenzverfahren der Air Berlin für die beiden Tochtergesellschaften Niki und LG Walter geboten, in die zusätzliche Flugzeuge eingegliedert werden sollen. Fünf Maschinen sollen auch an die Tochter Austrian gehen.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr sprach von einer große Chance, mit Eurowings in Europa einen entscheidenden Schritt voranzukommen. Aufsichtsrat und Vorstand seien sich einig, die Chance entschlossen zu nutzen. Air Berlin verhandelt zudem mit dem britischen Billigflieger Easyjet, der bis zu 40 Flugzeuge übernehmen will.

Die Turbulenzen um Air Berlin scheinen dem Ferienflieger Condor zu helfen. Die Buchungen bei der Thomas-Cook-Tochter zogen im Sommer um zwölf Prozent an, die Ticketpreise hielten sich auf dem Niveau des Vorjahres, teilte das Unternehmen mit. Die Kunden legten in einem gestörten deutschen Luftfahrt-Markt Wert auf verlässlichen Service.

Air Berlin hat seit der Ankündigung der Insolvenz im August wiederholt Flüge gestrichen. Nachdem Condor im vorigen Geschäftsjahr im operativen Geschäft in die Verlustzone gesackt war und einen Sparkurs eingeleitet hatte, soll die Gesellschaft das zu Ende gehende Jahr wie geplant mit schwarzen Zahlen abschließen.

dpa

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