Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Rest der Welt Metzler-Bankier: Zinstief treibt Anleger in unnötige Risiken
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Metzler-Bankier: Zinstief treibt Anleger in unnötige Risiken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:36 01.02.2016
„Anleger investieren in Dinge, in die sie nie investiert hätten - aus Mangel an Alternativen“, sagt Emmerich Müller, Frankfurter Privatbankier vom Bankhaus Metzler. Quelle: B. Metzler Seel. Sohn & Co./dpa
Anzeige
Frankfurt

Das Zinstief in Europa treibt Anleger nach Beobachtung des Frankfurter Privatbankiers Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler in unnötige Risiken.

„Anleger investieren in Dinge, in die sie nie investiert hätten - aus Mangel an Alternativen“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Partner des 1674 gegründeten Traditionshauses. „Das Zinsniveau drängt Investoren in immer riskantere Anlageklassen.“

Diese Entwicklung berge erhebliche Gefahren: „Wenn in vielen Ländern Europas Altersvorsorgesysteme auf Dauer nicht mehr funktionieren, ist das ein gesellschaftliches Problem“, warnte Müller. „Wenn viele Menschen das Gefühl bekommen, diese Europäisierung geht zu ihren Lasten, birgt das erheblichen gesellschaftlichen Sprengstoff.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Märkte bis mindestens März 2017 mit billigem Geld fluten, die Zinsen sind zudem bei einem Leitzins von 0,05 Prozent quasi abgeschafft. EZB-Präsident Mario Draghi hatte dennoch die Hoffnung geschürt, dass die Notenbank weitere Schritte im Kampf gegen die Mini-Inflation macht - eventuell schon bei ihrer nächsten Sitzung am 10. März.

„Ich sehe nicht die Notwendigkeit, dass die EZB noch mal nachlegt. Ich glaube auch nicht, dass diese EZB-Politik uns noch lange weiterhilft“, sagte Müller. „Wir haben es mit einem Kartell der Schuldner zu tun, das ist unser Hauptproblem. Indem sie versuchen, die Zinslast tragbar zu machen, machen sich die Zentralbanken zu Gefangenen der Politik.“

Müller hat wenig Hoffnung, dass die EZB in naher Zukunft ihren expansiven Kurs zurückfahren wird. „Wir haben es aktuell in der Tendenz mit einem Auseinanderdriften Europas zu tun. Umso mehr ist die EZB in einer Situation, in der sie keine Trendwende einleiten wird.“

Das Zinstief macht auch den Banken zu schaffen. „Die Profitabilität von Banken in Deutschland ist im internationalen Vergleich viel zu gering“, konstatierte Müller, der derzeit auch Vorstandsvorsitzender des Bankenverbandes Hessen ist. „Im Moment versuchen alle Banken vernünftigerweise ihre Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und die Abhängigkeit von der Zinsmarge zu verringern. Manche werden das vielleicht nicht schaffen.“

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Ausstieg aus der deutschen Braun- und Steinkohleverstromung wäre nach Auffassung der Gewerkschaft Verdi verteilt über Jahrzehnte ohne betriebsbedingte Kündigungen machbar.

01.02.2016

Trotz wachsender Weltmarkt-Risiken und steigender Flüchtlingszahlen rechnen Volkswirte vorerst nicht mit stärker steigenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland.

01.02.2016

Kampf dem Kleinstgeld: Einzelhändler in der niederrheinischen Stadt Kleve wollen ab Montag Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus ihren Kassen verbannen.

30.01.2016
Anzeige