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Wirtschaft im Rest der Welt Nach Tests: Barley will mehr Sicherheit für Kinderspielzeug
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14:52 06.12.2018
Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) wundert sich über gesundheitsgefährdenden Spielschleim Quelle: dpa
Berlin

Katarina Barley ist überrascht: „Und das gibt es so zu kaufen?“ Ungläubig schaut die Verbraucherschutzministerin auf eine kleine Plastikdose, die gestaltet ist wie eine Büchse für Softdrinks. Sie enthält bunten „Kinderschleim“ zum Spielen – nicht zum Essen. Aber selbst dann, wenn Kinder den Schleim nur durch die Finger glibbern lassen, ist er hochgefährlich: Wie der Chef der Stiftung Warentest, Hubertus Primus, der Ministerin erklärt, gibt der Stoff so viel Bor ab, dass das Produkt gar nicht hätte verkauft werden dürfen. Aber nicht nur dieser Schleim ist ein Gesundheitsrisiko. Die Warentester haben ermittelt, dass gerade Produkte für Kinder überproportional oft schwere Sicherheitsmängel haben. Barley sprach am Donnerstag von einem erschreckenden Ergebnis und kündigte an, sich für eine Verschärfung der Vorschriften einzusetzen.

Um einen Überblick zu bekommen, hat die Stiftung Warentest alle eigenen Tests von Kinderprodukten aus den Jahren 2017 und 2018 ausgewertet: Von 278 Produkten aus 15 Untersuchungen haben danach 79 schwerwiegende Sicherheitsprobleme. Das ist ein Anteil von 28 Prozent. Über alle Tests der Stiftung gerechnet liegt der Durchschnitt der mangelhaften Produkte dagegen nur bei rund sieben Prozent. Kinderprodukte schnitten also in puncto Sicherheit deutlich schlechter ab als alle anderen Konsumgüter, beklagte Stiftungsvorstand Primus: „Sie bergen Unfallgefahren, sind schadstoffbelastet oder versagen bei der Datensicherheit.“

Erstickungsgefahr für Babys

Beispiel Kinderhochstühle: Die Warentester ermittelten bei einer Untersuchung, dass jeder zweite Stuhl zu viel Schadstoffe enthielt oder unsicher war. Es besteht beispielsweise die Gefahr, dass Kinder durch den Sitz nach unten rutschen und dabei mit dem Kopf hängen bleiben. Bei einem aktuellen Test von Kindermatratzen fiel die Hälfte der Produkte durch, weil sie zu weich waren. Dann besteht die Gefahr, dass Babys ersticken. Zwar gibt es eine entsprechende Sicherheitsnorm der EU, sie wurde laut Primus aber von vielen Herstellern bei der Entwicklung nicht beachtet.

Eine besondere Gefahr geht von technischen Spielzeugen aus. Smarte Teddys oder Roboter, die sich mit dem Smartphone verbinden können, entpuppten sich bei Tests als mangelhaft, weil die Verbindung zum Handy ungesichert war. „Mit ihnen kann sich jeder Smartphone-Besitzer verbinden und das Kind abhören, ausfragen oder bedrohen“, kritisierte Primus. Erhebliche Mängel stellten die Tester auch bei Baby-Webcams fest. Sie warnen nicht bei einem Verbindungsabbruch und zeigen im Zweifel weiter ein schlafendes Kind, während der Nachwuchs brüllend im Bett steht.

Schärfere Strafen für Verstöße

Für ein Fünftel der schlechten Bewertungen sind laut Warentester gefährliche Schadstoffe verantwortlich. So wurden immer wieder krebserzeugende Stoffe in Babyspielzeug, Buggys, Kinderlaufrädern, Buntstiften, Kinderwagen oder Autokindersitzen gefunden. Als negatives Beispiel nannte er den Kindergriff an einem über 1000 Euro teuren Kinderwagen, der ein vermutlich krebserzeugendes Flammschutzmittel enthielt. Der Gehalt habe den Grenzwert für Spielzeuge um ein Vielfaches überschritten, berichtete Primus. Zwar sei ein Kinderwagen kein Spielzeug, räumte er ein. Primus forderte aber, dass künftig auch alle Materialen an Kinderwagen, die Kinder berühren oder an denen sie lutschen können, die gleichen Anforderungen wie Spielzeug erfüllen sollten.

Dem schloss sich Barley an. Die europäische Spielzeugrichtlinie gewähre zwar einen guten Schutz für Spielzeug, das reiche aber nicht. „Alle Produkte, mit denen Kinder in Kontakt kommen, müssen besser geschützt werden“, forderte sie. Die SPD-Politikerin sprach sich zudem für höhere Bußgelder bei Verstößen gegen die Sicherheitsvorschriften aus. Allerdings räumte die Ministerin ein, dass zur Kontrolle nur Stichproben möglich seien: „Eine systematische Überwachung ist angesichts der Produktfülle gar nicht zu machen.“

Von Timot Szent-Ivanyi/RND

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