Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Rest der Welt Neuer Ölgigant: Russlands Rosneft kauft TNK-BP
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Neuer Ölgigant: Russlands Rosneft kauft TNK-BP
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:52 23.10.2012
Grünes Licht von BP für die Übernahme von TNK-BP durch den russischen Staatskonzern Rosneft. Quelle: Stringer
Anzeige
Moskau

Russland schafft mit der Übernahme des russisch-britischen Unternehmens TNK-BP den größten börsennotierten Ölkonzern der Welt. Das Geschäft habe ein Gesamtvolumen von 61 Milliarden US-Dollar (46,76 Mrd Euro).

Das sagte der Chef des russischen Staatskonzerns Rosneft, Igor Setschin, bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin. Rosneft kauft vom britischen Konzern BP sowie vom russischen Oligarchenkonsortium AAR jeweils 50 Prozent an TNK-BP.

Russische Kommentatoren sprachen am Montag von einem „epochalen Vertrag“, mit dem Rosneft den US-Konkurrenten ExxonMobil als größten Ölkonzern ablöse. Auf 4,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag schätzen Experten die Fördermenge des neuen Megakonzerns. Es handelt sich um den größten Deal der Ölbranche seit dem Zusammenschluss von Exxon und Mobil 1999. Ex-Vizeregierungschef Setschin ist ein enger Vertrauter Putins.

Das Milliardengeschäft gilt als neuer Erfolg Putins bei dessen Ziel, die Rohstoffschätze des Riesenreichs wieder unter staatliche Kontrolle zu bekommen. „Dieses große Geschäft ist nicht nur für den russischen Energiesektor wichtig, sondern auch für die Wirtschaft des Landes“, sagte Putin bei einem Treffen mit Setschin in der Residenz Nowo-Ogarjowo.

Rosneft werde BP 17,1 Milliarden US-Dollar zahlen, teilten die Briten mit. Zudem bekomme BP einen Anteil von 12,84 Prozent an Rosneft zu einem Preis für die Aktie von acht US-Dollar. Damit werden die Briten größter Rosneft-Aktionär nach dem Staat, der momentan direkt und indirekt knapp 85 Prozent hält.

Das Oligarchenkonsortium AAR bekommt laut Setschin 28 Milliarden US-Dollar. Analysten zeigten sich erstaunt. Es sei fraglich, woher Rosneft das Kapital nehme. 2005 hatte das Unternehmen von der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos des heute inhaftierten Kremlkritikers Michail Chodorkowski profitiert.

BP plant nach eigenen Angaben, 4,6 Milliarden US-Dollar aus dem Verkauf zu nutzen, um davon einen weiteren Anteil von 5,66 Prozent an Rosneft vom russischen Staat zu kaufen. Am Ende wolle BP insgesamt 19,75 Prozent halten. Derzeit sind es 1,25 Prozent. Der Verkauf werde vermutlich in der ersten Hälfte 2013 abgeschlossen. BP erwarte außerdem, zwei Sitze im neunköpfigen Vorstand zu bekommen.

„Dies ist ein wichtiger Tag für BP“, sagte BP-Aufsichtsratschef Carl-Henric Svanberg laut Mitteilung. „Russland ist für die Sicherheit der weltweiten Energieversorgung sehr wichtig und wird in den kommenden Jahren immer wichtiger werden.“ Schon mehrmals hatten BP und Rosneft eine „strategische Partnerschaft“ angekündigt, die unter anderem lukrative Projekte in der russischen Arktis einschließen soll.

Die Zusammenarbeit mit den Oligarchen von AAR war auch oft von Schwierigkeiten überschattet. So flüchtete der damalige TNK-BP-Vorstandsvorsitzende und heutige BP-Chef Bob Dudley 2008 bei Nacht und Nebel aus Russland, weil er sich bedroht fühlte.

BP leidet bis heute weiter unter der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko vor mehr als zwei Jahren. Im zweiten Quartal verzeichneten die Briten einen Verlust von 1,39 Milliarden US-Dollar (1,13 Mrd Euro). „Rosneft wird einer der Größten in der globalen Ölindustrie“, sagte Svanberg. BP könne deshalb solide Gewinne erwarten. Der Konzern bekomme einen „nachhaltigen Anteil an Russlands Energie-Zukunft“.

Zunächst hatte auch AAR Interesse an einer Komplettübernahme von TNK-BP gezeigt. Allerdings hätten die Milliardäre Probleme mit der Finanzierung gehabt, hieß es in Moskau.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Stetige Veränderung ist in der Wirtschaft zur Regel geworden - und belastet zunehmend sowohl die Unternehmen selbst wie auch ihre Mitarbeiter.

23.10.2012

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Kurs des Euro ist am Montag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3063 (Freitag: 1,3035) Dollar fest.

22.10.2012

Deutschland ist einer Studie zufolge als Industriestandort im internationalen Vergleich weiter auf dem Weg nach oben.

23.10.2012
Anzeige