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Ölkonzerne unter Druck: BP-Gewinn sackt ab, Shell überrascht

Niedrige Preise für Rohöl Ölkonzerne unter Druck: BP-Gewinn sackt ab, Shell überrascht

Der niedrige Ölpreis zwingt die Ölmultis, sich anzupassen. Das gelingt Shell überraschend gut. BP erleidet hingegen einen Gewinneinbruch, schneidet aber besser ab als befürchtet.

London. Die niedrigen Preise für Rohöl machen den großen Ölkonzernen zu schaffen. Der britische Ölmulti BP musste im dritten Quartal eine Halbierung seines Gewinns hinnehmen, wie er am Dienstag in London mitteilte.

BP erwirtschaftete einen bereinigten Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten von 933 Millionen US-Dollar (rund 850 Mio Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 1,8 Milliarden Dollar Gewinn erzielt. Analysten hatten jedoch mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. BP will seinen Aktionären weiter 10 Cent Dividende je Aktie zahlen. An der Börse fiel die Aktie dennoch zunächst um rund drei Prozent.

Der Konkurrent Royal Dutch Shell überraschte hingegen mit einem Gewinnsprung. Dank einer höheren Produktion wegen der Übernahme des Wettbewerbers BG sowie Sparmaßnahmen verdiente der britisch-niederländische Konzern unterm Strich im dritten Quartal 1,45 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatten hohe Abschreibungen für einen Verlust von mehr als 6 Milliarden Dollar gesorgt.

Der für die Analysten wichtige bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten - ohne Lagerbestandsveränderungen und Bewertungseffekte - stieg um 18 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar, wie Shell am Dienstag berichtete. Das war eine Milliarde mehr als von Experten erwartet. Die Aktie legte zweitweise um vier Prozent zu. Den Anteilseignern will Shell weiter 0,47 Dollar Dividende je Aktie zahlen.

Konkurrent BP machte für den Gewinneinbruch den niedrigen Ölpreis und kleinere Gewinnspannen verantwortlich. Positiv wirkten sich demnach eine verbesserte Kostenposition und steuerliche Effekte aus. „Wir machen weiterhin gute Fortschritte, uns dem herausfordernden Preis- und Marktumfeld anzupassen“, schrieb BP-Finanzchef Brian Gilvary in einer Mitteilung.

Shell-Chef Ben van Beurden warnte vor anhaltender Unsicherheit durch den niedrigen Ölpreis. „Die Aussichten bleiben ungewiss“, schrieb er in einer Mitteilung. Shell kämpft seit längerem mit Kostensenkungen, Zurückhaltung bei Investitionen und dem Verkauf von Unternehmensteilen gegen den Ölpreisverfall. Der Konzern hat im Februar die milliardenschwere Übernahme der BG Group abgeschlossen. Sie ist für Shell unter anderem wegen ihrer Gasfelder in Brasilien interessant. Der Konzern hatte angekündigt, im Zuge der Übernahme 12 500 Stellen abzubauen.

Der jüngste Anstieg der Ölpreise steht laut Analyst Neil Wilson von ETX auf unsicheren Beinen. Trotz der leichten Preiserholung bleibt die Skepsis bei Experten groß, dass das Ölkartell Opec und andere Ölproduzenten die zuletzt vereinbarte Förderkürzung umsetzen können. Sollte keine Einigung erzielt werden, dürfte ein weiterer Ölpreisrutsch folgen, erwartet Wilson. Dieser dürfte neue Sparrunden bei den Ölkonzernen auslösen und die Dividenden unter Druck setzen. Schon seit dem Beginn des Ölpreisverfalls Mitte 2014 kappen die Ölkonzerne Investitionen, senken Kosten und verkaufen Unternehmensteile.

dpa

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