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Wirtschaft im Rest der Welt Onlineshopping: Riskante Schnäppchen aus Fernost
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17:03 20.03.2019
Endstation Zoll: Auf dem supergünstigen Handy fehlt die CE-Kennzeichnung – das Gerät darf nicht auf den deutschen Markt. Quelle: Foto: Daniel Bockwoldt/Dpa
Berlin

Seiten und Portale für den Direktvertrieb von Waren aus Asien boomen. „Viele Interessierte locken die oft fast unglaubwürdig niedrigen Preise für Handys, Technikzubehör oder sonstigen Schnickschnack“, erklärt Thomas Moßburger vom Technikmagazin „Chip“. Das kann sich zwar lohnen. „Doch sollten Verbraucher auch bei vermeintlichen Schnäppchenpreisen ihr Gehirn angeschaltet lassen“, rät der Experte.

Denn es komme immer wieder vor, dass Produkte nicht die in der EU geltenden Sicherheits- oder Umweltbestimmungen erfüllen, erläutert Ralf Diekmann vom TÜV Rheinland. „Ein Großteil der Beanstandungen ist auf unklare Aufschriften, fehlende Sicherheitshinweise oder schlecht übersetzte und unvollständige Bedienungsanleitungen zurückzuführen.“ Bei Stichproben stellten die Sachverständigen auch schlechte Verarbeitungsqualität, Fehler in mechanischen, elektrischen und elektronischen Bauteilen oder erhöhte Schadstoffwerte fest.

Achten sollten Verbraucher in jedem Fall auf die CE-Kennzeichnung. Sie zeigt an, dass ein Produkt auf den europäischen Markt gebracht werden darf. Fehlt das Zeichen oder ergibt sich ein Verdacht auf Marken- oder Produktfälschung, kann etwa der Zoll das Paket untersuchen und lässt es nach Rücksprache mit den zuständigen Marktaufsichtsbehörden vernichten oder sendet es zurück.

Bei elektronischen Geräten ist meist die Bundesnetzagentur zuständig. Die berichtet, 2018 bei rund 240 000 Produkten eingeschaltet worden zu sein; man habe in 87 Prozent der Fälle eine Nutzung in Deutschland untersagt. Insgesamt habe die Behörde im vergangenen Jahr den Verkauf von mehr als zehn Millionen Geräten hierzulande verboten, betroffen waren vor allem Bluetoothlautsprecher, Smartwatches und Funkkopfhörer.

Damit eine CE-Kennzeichnung gerechtfertigt ist, muss unter anderem eine Bedienungsanleitung auf Deutsch beigepackt sein, und das Gerät muss für hiesige Steckdosen geeignete Anschlüsse haben. Das Problem: Die Hersteller selbst drucken das CE-Zeichen auf ihre Produkte, um damit die Konformität ihres Produktes mit den europäischen Richtlinien zu bestätigen.

Akkus könnten explodieren

Böse Zungen behaupten, dass CE für China Export stehe. CE ist jedoch kein Qualitätssiegel und auch kein Prüfzeichen. Die Marktaufsichtsbehörden kontrollieren stichprobenartig, ob die CE-Kennzeichnung zu Recht auf den Produkten steht und gehen Hinweisen auf eine missbräuchliche Verwendung nach. Doch kann nur ein Bruchteil der problematischen Sendungen identifiziert und gestoppt werden.

Käufer von Fernostprodukten tun also gut daran, beim Betrieb von Geräten mit Vorsicht heranzugehen, betont TÜV-Sprecher Diekmann: „Bei Geräten mit Akkus sollte man den ersten Ladevorgang nach wenigen Minuten unterbrechen und prüfen, ob der Akku übermäßig heiß wird.“ Sollte das der Fall sein, darf man nicht weiter laden und sollte den Verkäufer kontaktieren, denn es drohe Brandgefahr.„Auch sollte man auf scharfe Kanten, schlechte Verarbeitungsqualität sowie untypische Gerüche oder Geräusche achten“, rät Diekmann. Unsichere Produkte gelte es dann den Behörden zu melden, etwa der Gewerbeaufsicht.

Bei den verlockenden Schnäppchen bleibt es aber. Wie sollten Käufer vorgehen? Moßburger rät zur Netzrecherche: Bewertungen im Internet könnten Hinweise darauf liefern, ob die jeweilige Seite bei Warenqualität, Versand und Support gut abschneide. Vorsicht: Bewertungen können aber auch gefälscht sein, etwa zu erkennen an ähnlichen Formulierungen oder durchweg exzellenten Benotungen.

Zollkontrollen

Bei Waren, die direkt aus Asien nach Deutschland verschickt werden, können weitere Kosten auf den Käufer zukommen. Denn nur ein Produkt mit rund 22 Euro Warenwert inklusive Versandkosten bleibt von Zoll und Einfuhrumsatzsteuer befreit. Für welche Produktkategorien ansonsten welche Einfuhrumsatzsteuern oder Zollgebühren fällig werden, erklärt die kostenlose App Zoll und Post.

Eine Lieferung aus Fernost dauert oftmals sehr lange, sollten Verbraucher beachten. Vier bis sechs Wochen seien keine Seltenheit, sagt Thomas Moßburger vom Magazin „Chip“. „Viele China-Gadgets gibt es auch bei den üblichen Onlinehändlern in Deutschland, wo man vielleicht ohnehin schon ein Konto hat und die Servicemodalitäten kennt.“ Wen der Zeitfaktor nicht abschreckt, dem rät Moßburger, zum Testen des jeweiligen Händlers erst einmal ein sehr günstiges Produkt zu bestellen. „Zudem sollte man sich immer fragen, ob der im Shop angegebene Preis realistisch erscheint: 150 Euro für ein Einsteigersmartphone aus China ist ein realistischer Preis – 10 oder 20 Euro allerdings nicht.“

Von RND/dpa