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Rechtsabbiegende Laster für Radler besonders oft tödlich

77 Opfer im vergangenen Jahr Rechtsabbiegende Laster für Radler besonders oft tödlich

Wenn Radler unter einen Lastwagen geraten, endet das oft tödlich. Eine neue Studie zeigt, wann es zu Unfällen kommt und welche Lösungsmöglichkeiten es gibt.

Ein Radfahrer-Dummy liegt bei dem Crash-Test in Münster unter einem Lastwagen.

Quelle: Guido Kirchner

Münster. Das Fahrrad liegt völlig verdreht unter dem Laster, der Radfahrer ist mit dem Kopf auf dem Asphalt aufgeschlagen, die Beine vom schweren Fahrzeug überrollt. Wie gefährlich ein Lastwagen für Radfahrer werden kann, zeigt ein Crash-Test am Stadtrand von Münster.

Der Unfall dauert nur Sekundenbruchteile, dann liegt der Radfahrer vermutlich schwer verletzt oder sogar tot unter dem Lastwagen. Der Lkw hat hingegen kaum einen Schaden - vorne ist ein Stück Blech etwas lose, ansonsten ist kaum etwas zu sehen. Zum Glück ist dies nur ein Test.

Es ist die Horrorvorstellung vieler Radfahrer: 2016 haben sich 3251 Radler bei der Kollision mit einem Lastwagen verletzt - 77 von ihnen haben den Unfall nicht überlebt. „Häufig kommt es zu dem Unfall in der immer gleichen Situation“, sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UdV). In etwa jedem zweiten Fall gerate der Radfahrer unter den Lkw, wenn dieser rechts abbiegt.

In einer Studie hat die UdV von 2014 bis heute Unfälle mit Lastwagen untersucht. Die Forscher fanden vor allem drei typische Unfallszenarios: Ein Laster fährt auf ein Stauende auf - ein Auto fährt am Stauende auf einen Lastwagen auf - und ein Lkw-Fahrer übersieht einen Radfahrer. Die Zahl der durch Lkw-Unfälle getöteten Radfahrer ist seit Jahren auf einem ähnlichen Niveau, zuletzt leicht steigend. 2015 sind 72 Radler gestorben, 2014 waren es 75.

„Die Unfälle sind vergleichsweise selten, aber sehr schwer: Man möchte sie eigentlich nicht sehen“, sagt Benjamin Schreck, Experte für das Thema bei der Bundesanstalt für Straßenwesen. Um die Unfälle zwischen Radfahrern und Lastern zu verhindern, gibt es laut dem Experten nicht die eine Lösung. Die Unfälle passierten nicht nur an bestimmten Stellen im Straßennetz. Gefährlich seien zwar immer Kreuzungen, in denen parkende Fahrzeuge, Litfaßsäulen, oder Wartehäuschen die Sicht zwischen Lkw- und Fahrradfahrern behindern. Sie passierten aber auch an anderen Stellen.

Schreck rät Radfahrern, im Zweifel immer davon auszugehen, dass der Lastwagenfahrer einen nicht sieht. Trotz der vielen Spiegel am Lastwagen gebe es nach wie vor tote Winkel, zudem könne der Fahrer auch nicht in alle Spiegel gleichzeitig schauen. Gut sei zum Beispiel, wenn Kreuzungen so markiert sind, dass der Radfahrer an der Ampel nicht neben, sondern leicht vor dem Lkw hält.

Um die Unfälle beim Rechtsabbiegen zu verhindern, sind nach Schreck automatische Abbiege-Assistenzsysteme in den Lastwagen hilfreich. Dabei warnt ein Computersystem den Fahrer, wenn er einen Fahrradfahrer etwa beim Abbiegen übersieht.

Das ist eine Forderung, die auch der Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) unterstützt. „Abbiege-Assistenzsysteme sind für uns der vielversprechendste Weg“, sagt deren Verkehrsexperte Roland Huhn. Er fordert, dass die Assistenzsysteme künftig europaweit verpflichtend sind. Funktionstüchtige Lösungen seien allerdings noch relativ neu. „Der Einbau der Assistenzsysteme geht jetzt in Deutschland erst los“, sagt Schreck.

Huhn fordert die Lkw-Fahrer auf, die am Fahrzeug vorhandenen Spiegel individuell jeweils auf den Fahrer einzustellen. „Das ist oft gar nicht so einfach und kostet Zeit“, erklärt er. Und Zeit sei in in vielen Speditionen ein sehr knappes Gut. Doch die Sicherheit müsse in jedem Fall vorgehen. Denn eine Situation wie beim Crash-Test in Münster ist schnell passiert.

dpa

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