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Wirtschaft im Rest der Welt T-Mobile einigt sich auf Fusion mit Sprint
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19:31 29.04.2018
Die Telekom-Tochter T-Mobile und Sprint haben sich auf eine Fusion geeinigt. Quelle: dpa
New York

Der Zusammenschluss der Telekom-Tochter T-Mobile mit dem US-Rivalen Sprint ist beschlossen. Beide Unternehmen hätten am Sonntagabend ein „Business Combination Agreement“ vereinbart, eine verbindliche Vereinbarung, „um die beiden Gesellschaften zu einem größeren Unternehmen zusammen zu führen“, teilte die Telekom am Abend mit.

Die deutsche Mutter soll an dem künftigen Unternehmen demnach 42 Prozent halten, die japanische Sprint-Mutter Softbank 27 Prozent. 31 Prozent gehen an freie Aktionäre.

Eigentlich hatten die Telekom und der japanische Technologiekonzern Softbank das Ringen um eine Fusion ihrer US-Mobilfunktöchter erst vor fünf Monaten offiziell eingestellt. Die Parteien beschnuppern sich schon lange - der dritte Anlauf in vier Jahren brachte nun den Durchbruch. Ob die US-Kartellwächter dem zustimmen, ist noch offen.

Die Nummer drei (T-Mobile) und vier (Sprint) im US-Telefongeschäft haben einen kombinierten Jahresumsatz von mehr als 70 Milliarden Dollar und gemeinsam fast 100 Millionen eigene Kunden. Dazu kommen noch über 27 Millionen Kunden, die in den Netzen der beiden Anbieter telefonieren. Jetzt wollen T-Mobile und Sprint zusammen zum Angriff auf die Branchenführer Verizon und AT&T blasen.

Fusion scheiterte an kartellrechtlichen Bedenken

Bei der Frage, mit welcher Bewertung Sprint in eine Fusion gehen soll, gingen die Berichte auseinander. Laut den von CNBC zitierten Kreisen sollen 6,5 Dollar je Aktie veranschlagt werden. Damit würde sich ein Gesamtwert von rund 26 Milliarden Dollar ergeben - das würde in etwa dem aktuellen Börsenwert entsprechen. Bloomberg berichtete hingegen von nur 6,1 Dollar pro Aktie, womit Sprint auf rund 24 Milliarden Dollar taxiert würde. T-Mobile brachte es zuletzt auf einen Börsenwert von rund 55 Milliarden Dollar.

Bereits 2014 wollten die Unternehmen zusammengehen, damals scheiterte das Vorhaben an kartellrechtlichen Bedenken. Im vergangenen Jahr dann fieberte die Börse erneut lange auf die große Hochzeit, letztlich konnte man sich aber nicht auf Preis und Besitzverhältnisse einigen.

Der Druck auf beiden Seiten ist aber nicht geringer geworden: Sprint leidet nach verlustreichen Jahren unter einer klammen Portokasse, der japanische Haupteigentümer und Tech-Konzern Softbank ist zudem hoch verschuldet. Softbank-Chef Masayoshi Son treibt derzeit ohnehin vor allem sein milliardenschwerer High-Tech-Investitionsfonds um.

Breitbandausbau lastet auf Aktienkurs

Bei der Telekom lasten nach dem Antritt der neuen deutschen Regierung die Sorgen um einen teuren Breitbandausbau auf dem Aktienkurs. Der Bund ist direkt und indirekt mit rund einem Drittel größter Aktionär und will dem schleppenden Glasfaserausbau im Land Beine machen. Telekom-Chef Tim Höttges könnte ein Deal in die Karten spielen - an der Börse rechnen Analysten mit Kosteneinsparungen von Dutzenden Milliarden Dollar, wenn die US-Mobilfunker ihre Netze zusammenlegen.

Die US-Tochter der Bonner war die vergangenen Jahre auf der Überholspur, so dass Sprint sich jetzt mit der Rolle des Junior-Partners begnügen müsste. Für die Telekom wäre ein Happy End in dieser Partnersuche zugleich auch ein Schlussstrich unter ein US-Abenteuer, das zeitweise einem teuren Missverständnis glich.

Kunden liefen in Scharen zur Konkurrenz

Denn lange war die 2001 vom damaligen Telekom-Chef Ron Sommer für horrende 40 Milliarden Euro eingekaufte US-Sparte ein Sorgenkind. Neben lückenhafter Netzabdeckung beutelte den kleinen Mobilfunker etwa, dass man das beliebte iPhone von Apple zunächst nicht im Angebot hatte - die Kunden liefen in Scharen zur Konkurrenz über. 2011 scheiterte ein Verkaufsversuch an den Platzhirsch AT&T.

Für Gegenwind beim Sprint-Deal könnten jedoch noch die Wettbewerbshüter sorgen, die die Fusionspläne schon einmal durchkreuzt hatten. Entscheidende Positionen in der US-Telekom-Aufsicht FCC und dem US-Justizministerium sind unter der Ägide von US-Präsident Donald Trump aber mittlerweile anders besetzt.

Von RND/dpa