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Wirtschaft im Rest der Welt Trotz Terror und Piloten-Suizid: Luftfahrt wird sicherer
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17:57 04.01.2016
Beim Germanwings-Absturz in den französischen Alpen im vergangenen März waren alle 150 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Der Kopilot hatte den Airbus A320 absichtlich in die Berge gesteuert. Quelle: Sebastien Nogier/archiv
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Hannover

Für die zivile Weltluftfahrt war das zurückliegende Jahr trotz verheerender Flugzeugunglücke eines der sichersten der vergangenen Jahrzehnte.

Zu diesem Fazit kommt sowohl das Hamburger Flugunfallbüro JACDEC (Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre) wie auch das in den Niederlanden ansässige Aviation Safety Network (ASN).

Während die JACDEC in ihrer Unfallstatistik fürs Vorjahr 521 Opfer zählte, kommt ASN aufgrund einer anderen Zählweise auf 560 Luftfahrt-Tote. Den vorsätzlich in die Alpen gesteuerten Germanwings-Airbus stellen beide Büros als ungewöhnlich heraus - dieser Fall stellte das Vertrauen in einen ganzen Berufsstand auf den Prüfstand wie kein anderes Unglück.

„Doch so erschütternd dieses Unglück ist, die Statistik zeigt: Während die Zahl der Passagiere immer weiter ansteigt, sinkt die geringe Zahl der Verunglückten kontinuierlich weiter“, meint Matthias von Randow vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Er betont: „Fliegen wird immer sicherer.“ Die internationale Zivilluftfahrtorganisation IATA bestätigt den Trend und weist vor allem auf die hohen Passagierzahlen des Vorjahres hin.

Die Zahlen sind in der Tat beeindruckend: 3,5 Milliarden Passagiere bescherten 2015 den Airlines rund um den Globus einen Umsatz von 710 Milliarden Dollar. Und die Weltluftfahrt boomt weiter. Begünstigt durch niedrige Treibstoffpreise fahren viele Airlines wieder satte Profite ein und lassen auch Flughafenbetreiber aufatmen. Immer mehr an Bedeutung gewinnen Verkehrsdrehscheiben - nicht nur in den arabischen Emiraten: mit dem US-Airport Atlanta gibt es den ersten Mega-Airport, der die Marke von einer Milliarde Passagieren knackte.

Dazu kommen immer leistungsstärkere Maschinen, die auch extrem lange Flugstrecken ermöglichen: Emirates etwa plant mit einer zweistrahligen Boeing 777-200LR eine 13 800 Kilometer-Flug-Verbindung zwischen Dubai und Panama, die für die Passagiere einen 17,5-stündigen Nonstop-Flug bedeutet.

Bis 2034 geht die IATA von einem jährlichen Wachstum der Weltluftfahrt von im Schnitt 3,8 Prozent aus. Sieben Milliarden Menschen dürften dann als Flugpassagiere unterwegs sein, so die Prognose - doppelt soviele wie 2015. Zum Vergleich: Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung errechnete gerade, dass zum Jahreswechsel 7,4 Milliarden Menschen auf der Welt lebten.

Neue Maschinen verdrängen zudem altgediente Oldtimer der Lüfte - etwa Boeings ältere Jumbos. Air France mustert sein einstiges Flaggschiff auf der Langstrecke nach 45 Jahren gerade aus. Die Modernisierung der weltweiten Luftflotten schreitet voran, auch wenn Beobachter befürchten, dass die niedrigen Kerosinpreise manche Airline verleiten könnten, vorerst mit spritfressenderen, älteren Jets weiterzufliegen.

Dabei meint JACDEC-Mitbegründer Jan-Arwed Richter in einer Analyse für das Luftfahrtmagazin „Aero International“: „Moderne Jets assistieren nicht nur dem Piloten, sie greifen auch mehr und mehr in die Flugkontrolle ein, treffen Entscheidungen ohne Rückfrage und bestimmen, was ein Pilot erfährt und was nicht.“ Das Fliegen sei dadurch - deutlich erkennbar - sicherer geworden.

Eine Herausforderung, die neben dem Einsatz neuer Materialien und neuer Fertigungsprozesse im Flugzeugbau auf die Weltluftfahrt zukommen wird, ist in dem Zusammenhang allerdings die Verwendung der großen Datenmengen, die ein modernes Verkehrsflugzeug heute generiert. Sie könnten zwar letztlich auch herkömmliche Black Boxes überflüssig machen und jederzeit exakte Daten zu Flugabläufen und Positionen liefern, aber auch Missbrauch Tür und Tor öffnen.

Die nach dem weiterhin mysteriösen Verschwinden von Malaysia Airlines Flug 370 aufgekommene Forderung nach einer satellitengestützten permanenten Überwachung des Zivilluftverkehrs steht ebenfalls an. Das Flugzeug blieb bisher verschwunden - die Suche soll nun voraussichtlich im Juni eingestellt werden.

Das zunehmende Vordringen von Drohnen aller Art in den unteren Luftraum wird 2016 in den Sicherheitsdebatten der Branche ebenfalls den Ruf nach neuen Regeln befeuern. Die US-Luftfahrtbehörde FAA etwa hat kurz vor Weihnachten 2015 die Registrierpflicht für zivile Drohnen angeordnet.


Luftfahrt-Unfalluntersuchungsbüro JACDEC

dpa

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