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VW-Spitze ruft zu Geschlossenheit auf

Wolfsburg VW-Spitze ruft zu Geschlossenheit auf

Auch zur dritten Betriebsversammlung seit dem Ausbruch der Abgas-Krise im VW-Stammwerk Wolfsburg kamen über 20 000 Mitarbeiter. Sie hörten viele Mut machende Worte. Doch wie sicher sind die Jobs?

Wolfsburg. Ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Abgas-Krise bei Volkswagen sind die weltweiten Konsequenzen für Konzern und Mitarbeiter weiter nicht absehbar.

Die Botschaft von Vorstandschef Matthias Müller, Betriebsratschef Bernd Osterloh und Aufsichtsrat Stephan Weil bei der dritten Betriebsversammlung seit Bekanntwerden des Skandals an mehr als 20 000 Beschäftigte im VW-Stammwerk war deshalb klar: aufmuntern, Reihen schließen und aufklären.

„Ich will Ihnen heute Mut zusprechen“, sagte Müller. „Volkswagen war in der Vergangenheit immer wieder mit großen Herausforderungen konfrontiert.“ Es sei aber auch immer wieder gelungen, sich in Krisenzeiten neu auszurichten, „zu restrukturieren und - zum Beispiel durch neue Aufgaben - für sichere Beschäftigung zu sorgen“.

Der VW-Chef rief alle Verantwortlichen und Mitarbeiter zur Geschlossenheit auf. Mit Blick auf die Medien kritisierte er, dass dort oft zu zugespitzt oder einseitig über die Krise berichtet werde.

Trotzdem überschatteten Sorgen um die Sicherheit der Jobs die Betriebsversammlung, die in großen Teilen für die Medien zugänglich war. „Sollte die Zukunftsfähigkeit von Volkswagen durch eine Strafzahlung in bislang einmaliger Höhe nachhaltig gefährdet werden, wird dieses auch dramatische soziale Folgen haben – nicht nur an unseren US-amerikanischen Standorten, sondern auch in Europa und anderswo“, sagte Osterloh. VW hoffe sehr, dass die US-Behörden auch diese soziale und beschäftigungspolitische Dimension im Blick haben.

In den USA, wo die Manipulationen um die Abgase aus Dieselfahrzeugen im vergangenen Herbst zuerst ans Licht gekommen waren, drohen dem VW-Konzern Strafen in Milliardenhöhe. Die Vereinigten Staaten selbst, mehrere Bundesstaaten und viele Zivilkläger gehen dort gegen VW vor.

Anders als daheim ist ein Plan für die Nachbesserungen an den etwa 600 000 manipulierten US-Wagen noch nicht unter Dach und Fach. Weltweit sind mehr als elf Millionen Fahrzeuge vom Diesel-Skandal betroffen. In Deutschland laufen seit einigen Wochen erste Rückrufe.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufseher Stephan Weil (SPD) betonte, die Zeit schlechter Nachrichten infolge der Krise sei wohl noch nicht vorbei: „Wir werden in diesem Jahr immer mal wieder mit unangenehmen Nachrichten im Zusammenhang mit "Dieselgate" konfrontiert werden.“ Details zu seiner Warnung nannte Weil aber nicht. Das Land Niedersachsen ist - nach den Familien Porsche und Piëch - zweitgrößter Aktionär bei Europas größtem Autobauer.

Zumindest für einige Mitarbeiter von VW gab es an diesem Tag schlechte Nachrichten von der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die Ermittlungsbehörde hat im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal den Kreis der Beschuldigten stark ausgeweitet.

Die Zahl habe sich in den vergangenen Tagen von sechs auf 17 erhöht, sagte Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten Zeitungen der Funke-Mediengruppe darüber berichtet. Unter den Personen sei aber nach wie vor kein Vorstandsmitglied.

VW will in der zweiten April-Hälfte einen Zwischenbericht zur Schuldfrage vorlegen. Außerdem sind die Strafen - vor allem in den USA - noch nicht absehbar. Auch im wichtigen Markt Frankreich droht dem Konzern weiteres Ungemach: Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete inzwischen ein Ermittlungsverfahren wegen schweren Betrugs ein, schon im Oktober hatte die Justiz dazu Vorermittlungen und Durchsuchungen gestartet. In Frankreich sind 950 000 Autos von der Affäre betroffen.

Zur Lage der Leiharbeiter erklärte Weil, dass die Verantwortung von VW nicht mit dem Ausscheiden aus dem Konzern ende. Zuletzt waren die Verträge von Leiharbeitern in den Werken Hannover und Emden nicht verlängert worden. Die für ihre Betreuung und Vermittlung zuständige Firma Autovision müsse den Betroffenen Beschäftigungsmöglichkeiten an anderen Stellen eröffnen, forderte Weil. Glücklicherweise sei der Arbeitsmarkt in Niedersachsen „derzeit ausgesprochen aufnahmebereit“.

dpa

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