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Verbraucher bescheren Deutschland erneut robustes Wirtschaftswachstum

Berlin/Wiesbaden Verbraucher bescheren Deutschland erneut robustes Wirtschaftswachstum

Trotz aller Krisen bleibt die deutsche Wirtschaft auf Wachstumskurs. Wichtigster Konjunkturmotor ist der Konsum. Volkswirte erwarten, dass sich daran 2016 wenig ändern wird - und das, obwohl die Risiken für die Weltwirtschaft so groß sind wie lange nicht.

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Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker, weil Sparen kaum noch belohnt wird.

Quelle: Inga Kjer, Archiv

Berlin. Die Verbraucher haben Deutschland mit ihrer Konsumfreude das stärkste Wirtschaftswachstum seit Jahren beschert.

Unter dem Strich legte die größte Volkswirtschaft Europas im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent zu. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mit. „Wichtigster Motor war der Konsum“, sagte der Präsident der Behörde, Dieter Sarreither.

Staat und private Haushalte waren demnach fast allein für den Konjunkturschub verantwortlich, der früher dominierende Außenhandel dagegen kaum. Zudem kann der deutsche Staatshaushalt im zweiten Jahr in Folge einen Überschuss verbuchen - nach Sarreithers Worten ein „Alleinstellungsmerkmal“ in der Eurozone.

Ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum gab es zuletzt nur 2010 und 2011 - damals musste sich die deutsche Wirtschaft allerdings erst einmal aus der tiefen Rezession des globalen Krisenjahres 2009 emporarbeiten.

Nach Sarreithers Angaben liegt Deutschland wie bereits 2014 über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (1,3 Prozent) - und auch über dem Durchschnitt aller Euroländer. 2014 hatte es für Deutschland ein Plus von 1,6 Prozent gegeben, 2013 musste sich die deutsche Wirtschaft mit mageren 0,3 Prozent Wachstum begnügen.

Der positive Trend dürfte sich 2016 fortsetzen. Zwar wollte Sarreither noch keinen konkreten Ausblick auf das soeben begonnene Jahr wagen. Er zitierte aber Prognosen von Volkswirten, die im Schnitt von etwa 1,8 Prozent Wachstum im laufenden Jahr ausgingen. Diese Prognosen seien mit den Daten der Statistiker „kompatibel“, sagte Sarreither.

Als entscheidende konjunkturelle Stütze mit knapp 54 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erwies sich abermals der Konsum der privaten Haushalte, der allein 2015 um 1,9 (2014: 0,9) Prozent zulegte. Vielen Verbrauchern sitzt das Geld seit Monaten locker, weil Sparen kaum noch mit Zinsen belohnt wird und die rapide sinkenden Energiepreise die Haushalte zusätzlich in wachsendem Maß entlasten. Beispielsweise ist die Fahrt an die Tankstelle für Autofahrer derzeit so günstig wie seit Jahren nicht mehr.

Hinzu kommt der anhaltende Boom am Arbeitsmarkt, der die Beschäftigung seit Jahren immer wieder auf Rekordhöhen treibt. Erstmals gab es 2015 mehr als 43 Millionen Beschäftigte. „Das ist der höchste Stand seit der deutschen Vereinigung“, sagte Sarreither. Mit 2,681 Millionen war die Zahl der Erwerbslosen im Dezember so niedrig wie seit 24 Jahren nicht in diesem Monat.

Die deutsche Wirtschaft konnte auch im vierten Quartal 2015 zulegen. In einer ersten Schätzung geht das Bundesamt ungefähr von einem Viertel Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorquartal aus. Im dritten Quartal hatte die Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal nach bisherigen Zahlen um 0,3 Prozent zugelegt. Im Frühjahr waren es 0,4 Prozent, zu Jahresbeginn 2015 ebenfalls 0,3 Prozent.

Auch der staatliche Konsum trug 2015 kräftig zum Wachstum bei - unter anderem, weil der Staat für die Versorgung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge viel Geld in die Hand nehmen muss. Viele Volkswirte werten die Zuwanderung von Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan als Konjunkturprogramm - auch mit Blick auf 2016. Der Konsum - staatlich wie privat - wird nach Experteneinschätzung im laufenden Jahr die Hauptstütze des deutschen Aufschwungs bleiben. Günstige Ölpreise und schwacher Euro helfen zudem dem Export.

Somit herrscht für 2016 trotz Flüchtlingskrise, Terrorgefahr und China-Schwäche Optimismus vor - und das, obwohl die globale Stabilität nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten so gefährdet ist, wie lange nicht mehr. Das geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF) hervor. Danach gilt bei Managern und Wissenschaftlern das Flüchtlingsthema als größtes Risiko. Genannt werden außerdem wachsende Einkommensunterschiede, Cyberangriffe, Terrorgefahr und das Klima. Noch nie in der Geschichte der Studie habe es eine „so breit gefächerte Risikolandschaft“ gegeben.

Der deutsche Staat - Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen - konnte nach vorläufigen Berechnungen der Statistiker 2015 im zweiten Jahr in Folge einen Überschuss erwirtschaften. „Einzig Estland und Luxemburg können laut Prognose ebenfalls einen zumindest ausgeglichenen Staatshaushalt vorweisen“, sagte Sarreither.

Der Überschuss betrug 16,4 Milliarden Euro oder 0,5 Prozent des BIP. Im Vorjahr waren es 0,3 Prozent. Das ist das größte Plus aus eigener Kraft seit der Wiedervereinigung. Mehr war es nur im Sonderjahr 2000, als die Milliarden aus der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen die Kassen füllten. Deutschland ist damit erneut weit entfernt von der Defizit-Obergrenze von 3,0 Prozent des BIP, welche die europäischen Verträge (Maastricht) maximal erlauben. Zuletzt war diese Marke 2010 mit einem Minus von 4,2 Prozent verfehlt worden.


Statistisches Bundesamt zu Bruttoinlandsprodukt
Deutsches BIP preisbereinigt seit 2007
Eurostat zu BIP im Euroraum
Bundesbank zu Konjunktur, Monatsbericht 11/15
Zeitreihe Leitzinsen der EZB
EZB Kaufprogramme
Jahresgutachten Sachverständigenrat
Statistisches Bundesamt zu Exporten 11/2015
Außenhandelsverband BGA zu Exporten 11/2015
BGA zu Jahresprognose
Arbeitsagentur zu Arbeitsmarkt 2015
GfK zu Konsumklima 12/2015
Bundesbank-Prognose 4.12.2015
Defizitquoten EU-Mitglieder seit 2011

dpa

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