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Wirtschaft im Rest der Welt Vor ICE-Brand: Hat die Bahn mehrfach bewusst Fehler überbrückt?
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Rest der Welt Vor ICE-Brand: Hat die Bahn mehrfach bewusst Fehler überbrückt?
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10:02 06.11.2018
Ein ICE brennt in der Nähe von Montabaur. Quelle: Ute Lange/dpa
Dierdorf

39 Mal hat es seit 2008 in ICEs der Deutschen Bahn gebrannt. Das ergaben Recherchen des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“. Allein 2018 kam es bisher in drei ICEs zu Feuer und Rauch – zwei Mal davon auf der Strecke Köln/Frankfurt am Main – zuletzt am 13. Oktober. Ein Zufall? Bahnexperte Prof. Markus Hecht begründet die hohe Zahl der Brände auf der Schnellfahrstrecke: „Die Leistungsanforderung dort ist sehr hoch, gleichzeitig gibt es zu wenige Fahrzeuge. In der Folge werden Züge mit Schäden auf die Strecke geschickt.“ So auch bei dem ICE, der Mitte Oktober im Westerwald plötzlich Feuer fing und evakuiert werden musste?

Bekannt ist, dass die Deutsche Bahn bei den älteren ICE-1- und ICE-2-Modellen gelegentlich das sogenannte Buchholzrelais überbrückt. Das Bauteil ist dafür zuständig das Transformatoren-Öl zu überwachen und eine Überhitzung zu melden und notfalls den Transformator abzuschalten. Laut Experte Hecht deute auch der Unfall Mitte Oktober „ganz stark auf eine Explosion im Kühlkreislauf des Transformators hin.“ Hecht erklärt weiter: „So etwas tritt auf, wenn das Buchholzrelais nicht funktioniert.“ Wurde also auch hier – beim ICE 3 – überbrückt? Das sei grundsätzlich nicht zulässig, so ein Bahnsprecher. Im Wartungsprozess für die neueren ICE-Klassen ICE 3 und ICE T sei dieses Vorgehen nicht vorgesehen. „Eine Überbrückung ist nach unserem Kenntnisstand bei ICE 3 und ICE T nicht vorgekommen“, so der Bahn-Sprecher weiter.

Feuerwehr musste 45 Minuten warten, bis sie anfangen konnte zu löschen

In „Report Mainz“ widerspricht ein Lokführer der Deutschen Bahn diesen Aussagen. Er wirft der Bahn viel mehr vor, dass sie auch ICE-3-Züge mit einem überbrückten Buchholzrelais fahren lasse. Auch andere Lokführer berichten schriftlich, bereits einen ICE 3 mit einem überbrückten Buchholzrelais geführt zu haben.

Anders als bei den ICE-1- und ICE-2-Modellen befindet sich das Buchholzrelais im ICE 3 unter den Waggons und nicht in einem Triebkopf. Jeder Trafo wird mit 1540 Litern Öl gekühlt. Laut Experten sei das Überbrücken des Relais ein Sicherheitsrisiko.

Und trotzdem wird diese Praxis immer wieder angewandt. Auch die Feuerwehr kritisiert die Bahn. Grundsätzlich seien Feuerwehren nicht ausreichend über die Gefahrenquellen an Bord eines ICEs aufgeklärt, so Werner Böcking, Feuerwehrinspekteur des Kreises Neuwied. Ein besseres Notfallmanagement der Bahn sei dringend nötig. Auch die Zusammenarbeit zwischen Bahnangestellten und den Rettungskräften müsse verbessert werden. So sei der Notfallmanager der Bahn am Brandtag Mitte Oktober erst nach rund 40 Minuten nach Alarmierung am Unglücksort eingetroffen. Maximal seien hier 30 Minuten vorgesehen. Die Rettungskräfte waren bereits nach 11 Minuten an der Brandstelle. Insgesamt habe es dann noch fast 45 Minuten gedauert, bis der Notfallmanager die Oberleitung erdete. Erst dann konnte die Feuerwehr mit dem Löschen beginnen.

Von fw/RND

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