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Wirtschaft im Rest der Welt Warten im Watt: 650 Passagiere sitzen auf Juist-Fähre fest
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09:57 06.01.2016
„Vier Schiffe haben es mehr oder weniger problemlos geschafft, die Frisia II ist im Schlick aufgelaufen“, sagt der Fahrdienstleiter der Reederei, Ralf Ackermann. Quelle: Carmen Jaspersen/archiv
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Norddeich

Wer derzeit auf die Nordseeinsel Juist oder von dort aufs Festland will, muss viel Geduld oder Glück haben - oder am besten beides. 650 Passagiere auf der Fähre „MS Frisia II“ schafften nur knapp die Hälfte der nur wenige Kilometer langen Strecke zwischen Juist und dem Festlandhafen Norddeich Mole.

Dann fuhr sich die 63,5 Meter lange Fähre im Schlick fest. Von da an hieß es: Warten auf das nächste Hochwasser. Erst am Dienstagabend war das Schiff wieder flott und konnte in den Festlandhafen einlaufen.

Dieses Warten wurde für viele an Bord lang. „Wir werden zwar verpflegt. Aber nach drei Stunden wurde auch das Wasser knapp. Es gab belegte Brötchen und Suppe“, berichtete Kathrin Lührs telefonisch von Bord der „Frisia II“. Die 26-Jährige wollte von ihrem Juist-Urlaub zurück aufs Festland. An Bord seien nur wenige Insulaner, die meisten Passagiere seien Urlauber. Auch viele Schwangere seien auf dem Schiff. „Das Service-Personal tut sein Bestes. Die können ja auch nichts dafür“, sagte Lührs. 

Die „Frisia II“ war am Dienstagfrüh von Juist mit vier weiteren Schiffen der AG Reederei Norden-Frisia in Richtung Norddeich aufgebrochen. „Vier Schiffe haben es mehr oder weniger problemlos geschafft, die Frisia II ist im Schlick aufgelaufen“, sagte der Fahrdienstleiter der Reederei, Ralf Ackermann. Die Lage war aber nicht dramatisch. Das Schiff lag platt auf dem Wattboden. Es bestand keine Gefahr, dass es kippt. Das Fahrgastschiff hat einen Tiefgang von etwas mehr als einem Meter.

Passagierin Lührs kritisierte allerdings den Fährablauf. Zum einen hätten die Passagiere in Juist teils eineinhalb Stunden bei eisiger Kälte am Hafen stehen müssen. Und dann sei die „Frisia II“, das größte der fünf Schiffe mit dem größten Tiefgang, zuletzt von Juist losgefahren, und habe damit das Niedrigwasser erwischt. „Das war nicht so clever.“ Etwa 30 Minuten sei man gefahren, als die Fähre aufs Watt aufgelaufen sei. „Wir sind nicht weit gekommen.“

Die Reederei setzte auf das Hochwasser. „Wir brauchen nur die sprichwörtliche Handbreit Wasser unterm Kiel. Dann könnten wir uns mit Motorenkraft freischwimmen“, sagte Ackermann, bevor das Schiff den Hafen anlief.

Nicht nur der Weg von Juist ans Festland ist derzeit nur mit Glück zu bewältigen. Auch umgekehrt ist es schwierig. Einige Inselbewohner sind am Festland gestrandet. „Wir sind seit Sonntag hier. Die Flüge nach Juist sind komplett gestrichen. Wir warten nun auf Tauwetter“, sagte Gisela Reuter (58), die auf Juist als Verwaltungsangestellte arbeitet. Sie und ihr Lebensgefährte Ulrich Paul (65) hatten dabei noch Glück und bekamen ein Zimmer im Hotel Reichshof in Norden.

Das Hotel ist fast ausgebucht, auch durch viele Juist-Rückkehrer, die noch auf ihr Gepäck warteten, das auf der „Frisia II“ verstaut ist. Die Inselflieger, die bei normalen Wetterbedingungen fast stündlich den Fünf-Minuten-Flug von Norddeich nach Juist absolvieren, warteten auf Wetterbesserung. „Derzeit geht nichts. Die Start- und Landebahn ist völlig vereist“, hieß es bei den Inselfliegern. Wärmer werden sollte es erst am Donnerstag oder Freitag.


AG Reederei Reederei-Frisia

dpa

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