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Wirtschaft im Rest der Welt Warum die Krise bei General Motors Trump trifft
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17:22 28.11.2018
Ein Autotransporter mit Neuwagen verlässt das Werk von General Motors in Lordstown. Quelle: Tony Deja/dpa
Washington

Ein wütender Proteststurm von höchster staatlicher Stelle fegt über General Motors hinweg. Vor laufenden Kameras und über den Kurznachrichtendienst Twitter wettert Donald Trump gegen Amerikas größten Autobauer: Den geplanten Massenentlassungen werde er nicht tatenlos zusehen.

Mit großzügigen Hilfen sei der Konzern in der Finanzkrise vor zehn Jahren vor dem Zusammenbruch gerettet worden. GM täusche sich, wenn es sich so einfach aus der Verantwortung stehlen wolle, so der US-Präsident. Sämtliche Subventionen, auch für die Entwicklung von Elektro-Autos, werde er streichen lassen: „Ich bin in diesem Amt, um den amerikanischen Arbeiter zu verteidigen.“

Später legte Trump noch einmal nach. Der Grund für die schlecht laufenden Geschäfte seien Importe, schrieb Trump. Andere Länder hätten die USA über Jahrzehnte ausgenutzt.

Für den Chef des Weißen Hauses ist die Ankündigung ein herber Rückschlag: Knapp 15 000 Stellen will General Motors im kommenden Jahr streichen. In der Mehrzahl betroffen seien Verwaltungsangestellte und Ingenieure. Mit diesem Schritt will das Unternehmen nach eigenen Angaben den Wechsel in Richtung Elektroautos einleiten.

Im Sommer hatte GM allerdings auch vor den Folgen der jüngsten Strafzölle gewarnt: Die Importabgaben auf Stahl und Aluminium, die Trump im Frühjahr in Kraft treten ließ, würden den Konzern mit zusätzlichen Ausgaben in Höhe von rund einer Milliarde Euro belasten. Eine breit angelegte Kostenreduzierung sei daher unvermeidlich, heißt es in der Firmenzentrale in Detroit.

Trump kämpft für seine Kernklientel

Politisch sind die Stellenstreichungen für den Präsidenten überaus brisant. Im Wahlkampf hatte Trump in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dank der Strafzölle Arbeitsplätze in die Vereinigten Staaten zurückzuholen. Nun aber will eines der symbolträchtigsten Unternehmen des Landes ausgerechnet in den Regionen Fabriken schließen, in denen Trump gewählt worden ist. Vor allem die Arbeitsplatzverluste in Michigan dürften für den Republikaner schmerzhaft sein: In dem dortigen Bundesstaat hatte Trump 2016 nur eine hauchdünne Stimmenmehrheit erzielt.

Zu einem Stimmungsaufheller trägt in der angespannten Lage ausgerechnet ein Konzern bei, der ebenfalls zu den Leidtragenden der neuen amerikanischen Handelspolitik zählt: Bei BMW verdichten sich offenbar die Pläne für eine weitere Produktionsanlage in den USA. Das deutsche Unternehmen, das im großen Stil in Spartanburg im Bundesstaat South Carolina produziert, hat sich in jüngster Zeit zum größten Exporteur Amerikas entwickelt und will allem Anschein nach in einem zweiten Werk Motoren und Getriebe herstellen. Da das Münchner Unternehmen sowohl aus Deutschland als auch aus den Vereinigten Staaten heraus exportiert, ist es in besonderem Maße von den jüngsten Handelskonflikten betroffen.

Hilfe könnte ausgerechnet aus Deutschland kommen

Eventuell, aber das ist zurzeit noch nicht abschließend geklärt, ergibt sich für BMW-Chef Harald Krüger in den nächsten Tagen die Gelegenheit, seine Sorgen dem US-Präsidenten persönlich vorzutragen. Auf Initiative des amerikanischen Botschafters in Berlin, Richard Grenell, sollen die Chefs der deutschen Autokonzerne die Folgen der Handelskonflikte mit Trumps führenden Wirtschaftsberatern diskutieren. Das Treffen, über das in Washington in diesen Tagen spekuliert wird, gilt als eine der letzten Gelegenheiten, die drohenden Strafzölle gegen Importautos abzuwenden.

Wie es in amerikanischen Regierungskreisen heißt, hat Handelsminister Wilbur Ross dem Präsidenten bereits einen Untersuchungsbericht über die gegenwärtigen Handelsdefizite vorgelegt, der einen Importaufschlag von 25 Prozent auf Autos und Autoteile empfiehlt.

Lesen Sie auch: General Motors bringt Trumps Wahltaktik ins Wanken

Ob sich Trump nach den jüngsten Turbulenzen mit General Motors zu diesem drastischen Schritt entschließt, ist zurzeit noch offen. Wirtschaftsberater Larry Kudlow versicherte am Dienstagabend (Ortszeit), dass der Präsident zunächst einmal die persönlichen Gespräche mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping und mit Kanzlerin Angela Merkel am Rande des G 20-Gipfels in Buenos Aires abwarten will.

Trumps neue Verhandlungsbereitschaft, eventuell doch auf die Strafmaßnahmen zu verzichten, führten an der Wall Street jedenfalls zu deutlichen Kurssprüngen. Vorsichtigen Optimismus verbreitet auch Kudlow: „Wir haben die Chance, das Blatt zu wenden.“

Von Stefan Koch/RND

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