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Frust ade – So nehmen Sie an, was ist

Auf der Couch Frust ade – So nehmen Sie an, was ist

Der tägliche Stress im Job und im Privatleben führt nicht selten zu Verdruss. Was kann man tun, zu mehr Gelassenheit zu gelangen oder anders formuliert, wie kann man einfacher annehmen, was momentan ist? Achtsamkeitscoach Helmut Nowak hat folgende Ideen...

Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert hier regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben.

Quelle: privat

Hannover. Ich hatte es eilig, wollte schnell noch etwas Proviant für meine Dienstreise einkaufen und stehe nun in einer langen Schlange vor einer Kasse. Die Kasse nebenan wird zusätzlich geöffnet, und ehe ich mich versehe, sind alle Kunden, die hinter mir standen, nun vor mir an der anderen Kasse. „Eigentlich müsste es der Reihe nach gehen“, dachte ich leicht verärgert und wechselte trotzdem in die etwas kürzere Schlange. Dann ein heftiger Wortwechsel zwischen einem Kunden und der Kassiererin wegen eines Umtauschversuchs ohne Kaufbeleg. Der Filialleiter wurde gerufen – es dauerte. Ein Blick auf die Uhr verriet mir unbarmherzig: Es wird eng, den Zug noch zu erreichen. Ärgerlich über mich selbst, dass ich nicht mehr Zeit eingeplant hatte, legte ich die paar Sachen wieder in die Regale und drängte mich Richtung Ausgang. Plötzlich stand ein Security-Mann vor mir und bat mich als vermeintlichen Ladendieb ins Büro. „Unerhört“, schimpfte ich leise, und mir wurde klar, dass mein Zug ohne mich fahren würde.

Die Ärgerspirale unterbrechen

Zum Glück konnte ich meine Ärgerspirale unterbrechen – mir fiel der Spruch ein, der dem amerikanischen Theologen, Philosophen und Politikwissenschaftler Reinhold Niebuhr zugeschrieben wird: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Bleiben Sie gelassen

Was kann uns helfen, zu mehr Gelassenheit zu gelangen oder etwas anders formuliert, wie können wir besser annehmen, wie sich uns das Leben in jedem Moment zeigt. Betrachten wir lediglich diesen einen Zeitpunkt des momentanen Geschehens, den wir üblicherweise als ‚jetzt’ bezeichnen, dann ist vom Verstand her vollkommen klar, dass es absoluter Unsinn ist, sich über ein Geschehen aufzuregen, welches jetzt im Moment gegenwärtig ist. Warum? Nun, weil es schon so ist, wie es ist. Manche Menschen ärgern sich sogar über eine Gegebenheit, die schon längst vorbei ist. Das hat damit zu tun, dass wir eine Vorstellung haben, wie es hätte anders sein sollen. Nicht wirklich wissend, dass es sich doch lediglich nur um Gedanken, um Überzeugungen handelt – mehr nicht. Diese sind individuell verschieden und das Ergebnis unserer Sozialisierung, Erziehung oder Konditionierung. Darüber hinaus wissen wir nicht, wie sich unser Leben entwickelt hätte, wenn es anders gelaufen wäre. Das werden wir nie wissen, weil das Leben ein fortschreitender Prozess ist und nicht noch mal wie in einem Experiment neu gestartet werden kann mit nun veränderten Start- oder Rahmenbedingungen.

Zurück zum Ärger: Fragen wir uns, ob der Verdruss über das, was im Moment gegenwärtig ist oder war, in irgendeiner Weise hilfreich ist. Antwort: Nein, ist er nicht – im Gegenteil, es bedeutet oft Stress und hat mehr oder weniger zur Folge, dass wir in archaische Reaktionsmuster rutschen. Kampf, Flucht oder wenn beides nicht geht, verfallen wir in Starre. Oft ein Grund, warum wir manchmal sprachlos sind. Besonders im Streit mit Menschen, zu denen wir eine liebevolle Beziehung haben.

So kann es anders gehen

Ein wichtiger erster Schritt ist die frühzeitige Wahrnehmung, dass sich in uns gerade eine emotionale Reaktion anbahnt. Durch die Kultivierung von Achtsamkeit können wir die körperlichen Signale, die in Wechselwirkung mit unseren Emotionen stehen, schon in den Anfängen wahrnehmen und dann erst mal ein paar tiefe Atemzüge nehmen. Das dämpft die Entwicklung einer Stressspirale und kann ein Anker werden, um sich zu sagen: „Ja, so ist es“ (und für Fortgeschrittene: „So darf es sein“). Dann kann man durch Fragen an sich selbst zu einer größeren gedanklichen Flexibilität gelangen, wie etwa: „Was könnte schlimmstenfalls passieren?“ Oder: „Was würde ich in einem Jahr darüber denken?“ Das Gedankenkarussell kommt so schneller zum Stillstand, und wir haben dann eher Kontakt zu unserem Weisheitspotenzial, um Lösungen oder Veränderungsprozesse zu erkennen.

Der Autor ist zu erreichen unter: www.achtsamkeit-und-co.de

Von Helmut Nowak/RND

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