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Wissen Im Alltag fünf gerade sein lassen
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10:00 20.01.2018
Sich bewusst Zeit nehmen, um abschalten zu können – das darf im stressigen Alltag nicht vergessen werden. Quelle: unsplash/sabrituzcu
Hannover

Zu Hause hat es immer picobello auszusehen, auf den Tisch kommt ausschließlich selbst Gekochtes und natürlich hat man für Familie und Freunde immer ein offenes Ohr. Dass es auch im Job läuft wie geschmiert, versteht sich von selbst. Manch einer hat besonders hohe Ansprüche an sich selbst – nicht nur im Büro, sondern auch im Privaten.

„Schwierig wird es immer dann, wenn es konkurrierende Interessen gibt und ich den eigenen Interessen nicht vollumfänglich nachkommen kann“, erklärt Björn Enno Hermans von der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie. „Wer gerne in einer aufgeräumten Wohnung lebt und die Zeit hat, das auch hinzubekommen, hat kein Problem.“ Aber wenn bei diesem jemand die Spülmaschine piept, das dreckige Geschirr sich stapelt und das Kind bespaßt werden will, dann ist es schwer, alles perfekt auf einmal zu erledigen.

„Der Alltag war nicht mehr planbar“

Diesen Zwiespalt kennt auch Ilse Maria Lechner. Die Österreicherin hatte früher im Job eine leitende Position, dann kam der Nachwuchs. „Ich war überrollt davon, wie sehr sich die Situation ändert, wenn man zwei kleine Kinder hat“, erinnert sie sich. „Der Alltag war nicht mehr planbar.“ Es kam eine Zeit, in der es Probleme beim Umbau ihres Hauses gab, beide Eltern im Krankenhaus waren – das war nicht alles zu schaffen.

Das Problem betrifft aber nicht nur Frauen, glaubt neben Hermans auch Autorin und Sozialpädagogin Cornelia Mack. „Frauen reden nur eventuell mehr darüber.“ Wenn die Ansprüche an sich selbst zu hoch sind, kann das laut Mack weitreichende Folgen haben: Betroffene wollen perfekt dastehen und einen guten Eindruck hinterlassen, erklärt sie. Das erzeuge Druck und auch Wut.

Haben Sie Mut zur Lücke

Betroffene können aber gegensteuern. Der wichtigste Schritt dafür ist, sich den eigenen Perfektionismus erst mal bewusst zu machen. Dann kann man überlegen, wie man Verantwortung abgeben kann. „Dabei kann sich manch einer mit den eigenen Waffen schlagen“, sagt Hermans. Perfektionisten halten sich gerne an Strukturen oder Listen, und das kann man sich zunutze machen: Statt alles sofort erledigen zu wollen, sollte man etwa für die Hausarbeit ein Zeitfenster einplanen. So kann man sicher sein, dass es erledigt wird – ohne Druck.

Ähnlich sieht es Lechner. Eine ihrer zentralen Botschaften: Mut zur Lücke. Sie rät, sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen: eine Tasse Kaffee trinken, eine halbe Stunde spazieren gehen. Denn wer nur versucht, den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden, weiß oft gar nicht mehr, welche Bedürfnisse er tatsächlich hat. Sie rät, sich zu überlegen, was einem wichtig ist, und diesen eigenen Bedürfnissen die gleiche Priorität einzuräumen wie denen von Familienmitgliedern.

Auch Mack hält die innere Haltung für entscheidend: „Man muss sich bewusst machen: Der Wert eines Menschen hängt nicht von seiner Leistung ab.“

Von Elena Zelle/RND

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