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Wissen Satellitenstart: „MetOp-C“ erforscht Klima und Wetter vom All aus
Nachrichten Wissen Satellitenstart: „MetOp-C“ erforscht Klima und Wetter vom All aus
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18:44 06.11.2018
Ein Techniker kontrolliert im Dezember 2016 in der Montagehalle von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee den im Bau befindlichen Satelliten „MetOp-C“. An diesem Mittwoch wird er ins All geschossen. Quelle: Felix Kästle/dpa
Kourou/Darmstadt/Offenbach

Die Erde erhält einen weiteren Begleiter: Für die frühen Morgenstunden ist am Mittwoch der Start eines europäischen Wettersatelliten angesetzt. „MetOp-C“ ist bereits der dritte seiner Art und der letzte seiner Baureihe. Mit einer Sojus-Rakete wird der rund vier Tonnen schwere Raumflugkörper in 817 Kilometern Höhe in eine Erdumlaufbahn gebracht.

Zusammen mit seinen beiden Vorgängern, die von einer polaren Umlaufbahn aus die Erde beobachten, soll er helfen, das Wetter besser vorauszusagen: „Dadurch wird die Vorhersage noch präziser“, erklärt der Meteorologe Jörg Asmus vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.

Gleich drei Wettersatelliten liefern zeitgleich ihre Daten

Denn je mehr Daten die meteorologischen Satelliten sammeln, desto genauer ist die Basis für die Vorhersage-Rechenmodelle der Wissenschaftler. Gegen 1.47 Uhr Mitteleuropäischer Zeit soll „MetOp-C“ vom europäischen Raumflughafen Kourou in Französisch-Guayana abheben. Der Fehlstart einer Sojus-Rakete Anfang Oktober in Baikonur habe keine Auswirkungen auf den geplanten Start, erklärte die Europäische Wettersatelliten-Organisation (Eumetsat).

Dieter Klaes, Wissenschaftler bei Eumetsat, rechnet damit, dass die Raumflugkörper gut drei Jahre zu dritt im All sein werden. Anders als geplant: „MetOp-A“ sei schon jetzt mehr als doppelt so lange im All wie ursprünglich geplant.

Unerwartet langlebige Technik hilft der Forschung

Bei seinem Start 2006 war er Europas erster betriebsfähiger polarumkreisender Wettersatellit. 2021/22 werde er voraussichtlich außer Betrieb genommen, sagt Klaes. Auch sein Nachfolger „MetOp-B“ weise noch keine Ermüdungserscheinungen auf. „Wir hoffen, dass er genauso lange hält.“ Er wurde vor ziemlich genau sechs Jahren ins All geschossen.

Bereits die beiden schon vorhandenen Satelliten „MetOp-A“ und „-B“ haben dafür gesorgt, dass die Fehler bei der Vorhersage um etwa 27 Prozent gesunken sind, erklärt Klaes. Laut Klaes stammen inzwischen mehr als 90 Prozent der Messdaten für Wettervorhersagen von Satelliten.

Der Wettersatellit „MetOp-C“ wurde bei Airbus in Toulouse auf seinen Start vorbereitet. Im Orbit wird er nicht allein sein: Zwei Vorgänger gleicher Bauart schickten die Europäer bereits ins All. Quelle: Airbus/dpa

14 Erdumrundungen pro Tag

Obwohl „MetOp-C“ bereits der dritte Satellit der gleichen Bauart ist, sei die Technik noch nicht veraltet. „Sie sind immer noch auf der Höhe der Zeit, wir können gut mithalten, mit allem was neu kommt“, betont er. Das Trio fliegt in gleichen Abständen und benötigt 101 Minuten für eine Umlaufbahn. Jeder von ihnen werde die Erde 14 mal pro Tag umrunden und jeden Punkt des Planeten zweimal pro Tag abdecken, erklärt Klaes weiter. „Somit werden wir über einen Zeitraum von drei Jahren sechsmal täglich ein komplettes globales Bild von jedem der Instrumente an Bord erhalten.“

Die Datenreihen dienen jedoch nicht nur dazu, das Wetter genauer vorherzusagen, sondern helfen auch, das Klima zu erforschen. „MetOp-C“ überwacht auch die Atmosphäre und beobachtet Dürreperioden ebenso wie abschmelzendes Eis im Nordpolarmeer.

Schwebende Werkzeugsammlung im Erdorbit

Neun Instrumente hat er dafür an Bord. Damit kann er Temperatur und Feuchtigkeit messen. Auch die Zusammensetzung der Atmosphäre und die Temperatur der Meeresoberfläche kann er bestimmen. Ebenso wie er die Windstärke, -richtung und -geschwindigkeit an der Meeresoberfläche erfassen kann. Das ist noch nicht alles: „MetOp-C“ richtet seinen Blick auf den ganzen Planeten – angefangen beim Wassergehalt des Bodens, den Eigenschaften von Wolken bis hin zu Partikel-Anreicherungen im Weltraum.

Neu sei etwa ein sogenannter Ice-Cloud-Imager, sagt DWD-Meteorologe Asmus. Der könne besser feststellen, ob Wasser oder Eisbröckchen in den Wolken seien. Auch Cirrus-Wolken, die aus feinen Eiskristallen bestehen, könne „MetOp-C“ besser untersuchen. Die Luftqualität, den Ozongehalt und andere Klimadaten zeichnet „MetOp-C“ ebenfalls auf. Zudem sei die Auflösung seiner Bilder höher.

Daten für komplexe Wettermodelle

Die Daten werden, so Asmus, vor allem für die numerische Wettervorhersage genutzt. Dafür entstehen am Computer komplexe Modelle. Damit seien Wettervorhersagen von zwölf Stunden bis zu zehn Tagen möglich. Die Messwerte dienten aber auch dazu, kurzfristig extreme Wetterlagen vorhersagen zu können.

Das MetOp-Programm ist ein Gemeinschaftsvorhaben der satellitenbetreibenden Organisation Eumetsat und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Den Start steuert zunächst das Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Voraussichtlich nach drei Tagen übergibt sie dann die Kontrolle an die benachbarte Eumetsat-Zentrale.

Drei Milliarden Euro fließen in Nachfolgeprogramm

Auch eine zweite Satellitengeneration ist bereits in Planung: Jeweils paarweise sollen die Wettersatelliten des Nachfolgeprogramms ab 2021/22 starten, sagt Asmus.

Voraussichtlich 2028/29 und 2035/36 folgen dem Paar dann ein zweites und drittes ins All. Die Gesamtkosten für jedes der beiden Programme belaufen sich auf ungefähr drei Milliarden Euro.

Von RND/nie/dpa

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