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12:00 07.11.2018
Die irrationale Furcht vor Zuwanderung ist vor allem Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Verunsicherung, sagt unser Kolumnist Prof. Thomas Feltes. Quelle: dpa
Hannover

Der Einheimische kennt zwar den Fremden nicht, er erkennt aber am ersten Blick, dass es sich um einen Fremden handelt“, hat der Wortakrobat Karl Valentin einmal gesagt. Dieses Zitat hat keinesfalls an Aktualität eingebüßt: Die wachsende Furcht vor Zuwanderung ist eng verbunden mit der Angst vor „dem Fremden“. Fremde verunsichern uns, sie machen Angst. In der Entwicklungsgeschichte war diese Angst überlebensnotwendig, heute nutzt sie weniger den Ängstlichen als vielmehr den Populisten. Vor allem aber mindert sie unsere Lebensqualität.

Wo kommen diese Ängste her? Es ist nicht die tatsächliche Kriminalität, die den Menschen Angst macht, sondern vor allem die Diskussion darüber. In einer kriminologischen Studie der Ruhr-Universität zu Ängsten von Großstadtbewohnern in Zusammenhang mit Kriminalität gaben 19 Prozent der Befragten an, dass sie es für wahrscheinlich halten, im kommenden Jahr Opfer eines Raubes zu werden, tatsächlich waren aber im Jahr zuvor nur 0,3 Prozent Opfer geworden. Solche Differenzen lassen sich nur durch falsche Wahrnehmung erklären, und diese wird wesentlich durch Medien und Gespräche im sozialen Umfeld geformt.

Unsicherheit in der Gesellschaft führt zu irrationaler Angst vor Fremden

Die irrationale Furcht vor Zuwanderung ist vor allem Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Verunsicherung, die sich aus vielen Faktoren speist. Die Menschen haben das Gefühl, dass die Welt zunehmend aus den Fugen gerät. Dazu gehört auch der Flüchtlingsstrom und die damit verbundene Wahrnehmung der Auswirkungen der Globalisierung. Jetzt stehen die Flüchtlinge und mit ihnen die Probleme vor unserer Tür. Das stört, verunsichert und macht hilflos. Hinzu kommen weitere Faktoren, die für Verunsicherung sorgen: die politische Situation in Europa und darüber hinaus, die Finanzkrise, die unsichere Altersversorgung (Renten, Gesundheit). Die Menschen haben das Gefühl, dass die Politik außerstande ist, die Probleme angemessen zu bewältigen. Sie fühlen sich alleingelassen.

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Dass diese Unsicherheit vielfach an Flüchtlingen festgemacht wird, liegt auch daran, dass viele Menschen hierzulande durch sie ihre gewohnte Idylle gestört sehen: Flüchtlinge machen uns deutlich, dass wir in einer Wohlstandsblase leben, die jederzeit platzen kann. Sie dienen manchem daher als Sündenböcke, auf die sich vermeintlich die Schuld für unsere Verunsicherung abladen lässt.

Von RND/Prof. Thomas Feltes

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