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Wissen Wege zur Achtsamkeit
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20:02 25.07.2018
Zur Person: Helmut Nowak ist Coach und Lehrer für Achtsamkeit und Stressbewältigung und schildert hier regelmäßig, wie man lernt, bewusster zu leben. Quelle: privat
Hannover

Eine kleine Geschichte von einem unbekannten Verfasser bringt auf den Punkt, was Achtsamkeit ausmacht: Der Schüler fragt seinen Meister, der beim Volk und den Königen für seine Weitsichtigkeit und Weisheit bekannt ist: „Meister, was hilft mir dabei, glücklich zu sein? Was hilft mir dabei, meinen Weg zu gehen, voller Kraft und Stärke? Was bringt mir Wohlstand, Liebe, Sicherheit und inneren Frieden?“ Und der Meister sagt: „Achte auf deine Gefühle. Ohne sie zu bewerten. Jeden Tag. Achte auf deine Gedanken. Ohne sie zu bewerten. Jeden Tag. Achte auf deine Handlungen. Ohne sie zu bewerten. Jeden Tag. Achte auf deine Bedürfnisse. Ohne sie zu bewerten. Jeden Tag. Sei bei dir. Und der Rest kommt von allein.“

Das klingt erst mal einfach. Doch wenn man es sich vornimmt, mehrmals am Tag innezuhalten, um sich selbst in diesem Sinne zu beobachten, merkt man schnell, wie sehr automatisiert wir uns doch mehr durch das Leben denken, als es wirklich zu erfahren.

Das Leben gewinnt an Leichtigkeit

Die kleine Geschichte oben endet mit der Verheißung: „Und der Rest kommt von allein“. Was ist wohl mit dem Rest gemeint? Nun, die Kultivierung von Achtsamkeit hilft bei stressbedingten Erkrankungen, bei vielen psychosomatischen und anderen Beschwerden. Die Studienlage dazu ist beeindruckend. Gäbe es ein Medikament mit einem solchen Wirkungsspektrum, dann würde es wohl von dem Pharmaunternehmen, welches dieses Medikament auf den Markt gebracht hätte, als Revolution in der Medizin, gar als Wundermittel angepriesen werden. Ganz allgemein kann wohl darüber hinaus gesagt werden, dass mit erhöhter Achtsamkeit die Lebensqualität steigt. Man wird gelassener, akzeptiert mehr das, was nicht zu verändern ist, kann eher aus dem Sorgen- und Gedankenkarussell aussteigen und entwickelt mehr Mitgefühl sich selbst und anderen gegenüber. Kurz: Das Leben gewinnt an Leichtigkeit.

Die Gretchenfrage lautet nun: Wie gelangt man zu mehr Achtsamkeit? Nun, dazu werden im Wesentlichen zwei Wege empfohlen. Zum einen, indem man möglichst regelmäßig meditiert. Das kann eine Achtsamkeitsmeditation, ein Bodyscan, bei dem man seine Aufmerksamkeit in systematischer Weise durch den Körper lenkt und sich der jeweiligen Körperempfindungen gewahr wird, eine Gehmeditation oder sonstige Form der Meditation sein.

Weckruf vom Smartphone

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass ich mir vornehme, alltägliche Tätigkeiten mit allen Sinnen bewusst zu erleben. Ohne in Gedanken schon bei dem zu sein, was nach Beendigung dieser Tätigkeit dran ist. Es geht darum, dem jeweiligen Tun eine gewisse bemerkenswerte Qualität beizumessen – es ist immerhin eine Zeitspanne, ein Abschnitt unseres Lebens. Ein Sticker am Lenkrad zum Beispiel könnte mich daran erinnern, wenn ich ins Auto einsteige, um dann alles bewertungsfrei wahrzunehmen, was sich meinen Sinnen bietet: die optischen und akustischen Eindrücke, der Fahrtwind, die Berührungen meiner Hände mit dem Lenkrad, überhaupt alle Körperempfindungen. Ähnliches kann beim Essen und Trinken geübt werden, beim Zähneputzen, beim Treppensteigen – also bei allen automatischen Tätigkeiten, bei welchen wir bislang mit den Gedanken vielleicht ganz woanders waren. Bewusstheit üben kann man auch gut bei allen Tätigkeiten, die wir mit unseren Händen durchführen. Dazu brauchen wir lediglich die ungewohnte statt die gewohnte Hand zu nutzen.

Als sehr hilfreich empfinde ich einen Weckruf von meinem Smartphone, der mich daran erinnert, kurz innezuhalten, um mir bewusst zu werden, was ich gerade wahrnehme, spüre, denke, fühle und um welche Werte und Bedürfnisse es mir dabei geht. Das bietet beispielsweise die kostenlose Android-App Mindbell. Sie meldet sich mit einem schönen Gongklang zu einstellbaren Zeiten.

Dies alles ist eigentlich nicht schwer. Wichtig ist, dass wir es uns nicht verübeln, wenn unser Geist abschweift in Gedanken, Bilder in der Vergangenheit oder Zukunft. Es ist normal. Wenn wir es bemerken, können wir uns entscheiden, den Gedanken Raum zu geben oder gemäß unserer Intention wieder zurückzukehren zur Wahrnehmung mit allen Sinnen dessen, was gerade in diesem Moment geschieht. Immer wieder – mit Freundlichkeit zu sich selbst.

Der Autor ist zu erreichen unter: www.achtsamkeit-und-co.de

Von Helmut Nowak

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