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Wissen Weihnachtsgeld 2018: Haben Sie Anspruch auf eine Sonderzahlung zum Jahresende?
Nachrichten Wissen Weihnachtsgeld 2018: Haben Sie Anspruch auf eine Sonderzahlung zum Jahresende?
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13:48 03.12.2018
Wann und warum erhält man Weihnachtsgeld? Quelle: dpa
Hannover

Das Weihnachtsgeld – auch Weihnachtsgratifikation oder einfach Sonderzahlung zum Jahresende – zahlen Arbeitgeber an ihre Arbeitnehmer. Ursprünglich diente es zum Kauf von Geschenken, um ein gelungenes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Ein solches zusätzliches Entgelt wird jedoch nicht automatisch in jedem Unternehmen gezahlt, und auch die Höhe des Weihnachtsgeldes sowie der Zeitpunkt sind individuell geregelt. Wann Sie Weihnachtsgeld erhalten, was Sie dabei beachten müssen und wie es sich zusammensetzt, erklären wir Ihnen hier.

Wer bekommt Weihnachtsgeld?

Ob Sie Weihnachtsgeld bekommen, hängt maßgeblich von vertraglichen Vereinbarungen ab. Ein Anspruch auf Weihnachtsgeld beruht meist auf:

• dem Arbeitsvertrag

• dem Tarifvertrag

• den Betriebsvereinbarungen

• gesetzlichen Regelungen für Beamte

Abseits dieser Regelungen gibt es allerdings keinen automatischen Anspruch auf Weihnachtsgeld. Hierfür fehlt es an einer gesetzlichen Grundlage, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin.

Allerdings ist es möglich, dass Arbeitgeber ein Weihnachtsgeld wiederholt freiwillig zur Verfügung stellen und daraus ein Anspruch erwächst – dann ist die Rede von einer betrieblichen Übung.

Weihnachtsgeld wird zur betrieblichen Übung – was heißt das?

Das Weihnachtsgeld ist nicht immer im Arbeitsvertrag vorgesehen, sondern wird von vielen Arbeitgebern freiwillig und „gewohnheitsmäßig“ an die Mitarbeiter ausgezahlt. Tun Arbeitgeber dies über mehrere Jahre hinweg, kann aus der freiwilligen Sonderleistung eine sogenannte betriebliche Übung werden.

Im Detail bedeutet das: Zahlt ein Arbeitgeber für mindestens drei Jahre in Folge allen seinen Beschäftigten ein 13. Gehalt, „habe ich im vierten Jahr ein Recht darauf und kann ihn notfalls verklagen“, so Bredereck. Das gelte aber nur, wenn der Arbeitgeber zuvor keinen Vorbehalt gegen diese rechtliche Folge erklärt hat.

Wann wird das Weihnachtsgeld ausgezahlt?

Üblicherweise erhalten Arbeitnehmer ihr Weihnachtsgeld mit Auszahlung des Novembergehalts, oft ist hierbei auch die Rede von einem sogenannten 13. Gehalt. Dieser Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt, denn die Arbeitnehmer sollen auf diese Weise noch genug Zeit haben, um ihre Weihnachtseinkäufe entsprechend zu planen. Das genaue Datum ist allerdings nicht konkret geregelt.

Muss das Weihnachtsgeld versteuert werden?

Ja, das Weihnachtsgeld muss in vollem Umfang versteuert werden. Grundlage dafür ist die Jahreslohnsteuertabelle.

Wie hoch ist das Weihnachtsgeld?

Es gibt kein Gesetz, das die Höhe des Weihnachtsgeldes regelt. Abhängig ist die Summe in der Regel von der Branche und dem Unternehmen, aber auch von der Betriebszugehörigkeit und betrieblichen Gepflogenheiten.

Jedoch gilt, dass der Gleichbehandlungsgrundsatz berücksichtigt werden muss. Zahlt ein Arbeitgeber willkürlich einem Teil der Angestellten Weihnachtsgeld, kann sich laut Bredereck auch daraus ein Anspruch auf die Auszahlung der Prämie für alle Beschäftigte ergeben.

Teilzeitbeschäftigte dürfen bei der Auszahlung von Weihnachtsgeld nicht diskriminiert werden, erklärt der Anwalt. Entsprechend haben auch sie einen Anspruch auf die Prämie, wenn die Vollzeitbeschäftigten diese erhalten.

Weihnachtsgeld trotz Mutterschutz?

Frauen im Mutterschutz haben besondere Rechte, so dürfen sie sechs Wochen vor und bis acht Wochen nach der Entbindung nicht beschäftigt werden. Ein Anspruch auf Weihnachtsgeld ist unter Umständen trotzdem gegeben, etwa deshalb, weil durch den Mutterschutz keine finanziellen Nachteile entstehen sollen. Gemäß § 11 Mutterschutzgesetz sind Arbeitgeber verpflichtet, den Durchschnittsverdienst der letzten 13 Monate zu gewähren.

Ist währenddessen Weihnachtsgeld angefallen, steht der Arbeitnehmerin dementsprechend auch eine Zahlung während des Mutterschutzes vor. Eine Kürzung des Weihnachtsgeldes ist laut „wallstreet.online“ nur zulässig, wenn dies explizit im Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung oder dem Tarifvertrag steht.

Bekomme ich Weihnachtsgeld trotz Kündigung?

Im Falle einer Kündigung oder eines Aufhebungsvertrages, stellt sich die Frage, ob die Zahlung von Weihnachtsgeld dennoch verlangt werden kann oder bereits ausbezahltes Weihnachtsgeld vielleicht sogar wieder zurückgezahlt werden muss. Die Rechtsprechung diesbezüglich ist sehr umfangreich, so die Kanzlei Hasselbach. Entscheidend sei aber vor allem die genaue Formulierung im Arbeitsvertrag, in der Betriebsvereinbarung oder im Tarifvertrag. Unter Umständen geht eine Kürzung des Weihnachtsgeldes mit Austritt aus dem Unternehmen einher, je nach Ausgangslage kann aber auch eine volle Auszahlung stattfinden.

Gibt es Weihnachtsgeld im Minijob?

Auch als Minijobber ist es theoretisch möglich, ein zusätzliches Weihnachtsgeld zu erhalten. Auch hier kann gegebenenfalls ein regelmäßiger Anspruch entstehen, wenn dies vertraglich geregelt ist oder auf Basis einer betrieblichen Übung entsteht. Problematisch wird Weihnachtsgeld im Minijob dann, wenn es das Entgelt durch die Einmalzahlung erhöht und die zulässige Minijob-Grenze von monatlichen 450 Euro überschreitet. In dem Fall handelt es sich nicht mehr um einen Minijobber, sondern einen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer.

Kann Weihnachtsgeld gepfändet werden?

Tatsächlich kann ein Gläubiger das Weihnachtsgeld pfänden, jedoch nicht vollständig. § 850a Nr. 4 der Zivilprozessordnung besagt, dass „Weihnachtsvergütungen bis zum Betrag der Hälfte des monatlichen Arbeitseinkommens, höchstens aber bis zum Betrag von 500 Euro“ gepfändet werden dürfen. Demnach bleibt also auch bei einer anstehenden Pfändung in jedem Fall noch etwas vom Weihnachtsbonus übrig.

Wie viele Arbeitnehmer in Deutschland bekommen Weihnachtsgeld?

Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) aller Beschäftigten in Deutschland bekommen Weihnachtsgeld. Das zeigt eine Online-Befragung des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung mit mehr als 90.000 Teilnehmern.

Dabei haben Tarifbeschäftigte die besseren Karten. 77 Prozent von ihnen haben auch zu diesem Jahresende einen rechtlichen Anspruch auf eine Jahressonderzahlung, wie das Tarifarchiv mitteilte. In Betrieben ohne Tarifvertrag erhalten hingegen nur 42 Prozent ein Weihnachtsgeld, lautet ein weiteres Ergebnis.

Vor wenigen Tagen hatte das Statistische Bundesamt auf einer anderen Datengrundlage berichtet, dass 87 Prozent der Tarifbeschäftigten ein Weihnachtsgeld erhalten.

Von RND/do/dpa

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