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Reisereporter Im Schulbus durch Amerika
Reisereporter Im Schulbus durch Amerika
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18:19 07.10.2017
Während der Fahrt bieten sich den Jungen atemberaubende Ausblicke auf die Natur: Dabei ist der Ausguck auf dem Dach besonders beliebt, allerdings auch nicht gerade ungefährlich. Quelle: Fotos: Privat

Zurzeit führt ihre Reise sie durch Kanada. Dann folgen: USA, Mexiko, Guatemala, Nicaragua, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Peru, Chile, Argentinien und schließlich der Endpunkt Feuerland.

Sieben Jungs aus Lübeck wagen nach dem Abi das ganz große Abenteuer: Sie haben einen alten Schulbus umgebaut und wollen damit die gesamte Panamericana fahren. Das sind gut 25000 Kilometer von Alaska nach Feuerland. Seit gut vier Wochen sind sie jetzt unterwegs.

Acht Monate lang will sich die Truppe für diesen Wahnsinnsweg Zeit lassen. Auf ihrem Instagram- Account „sevendownsouth“ lassen sie die Welt an ihrem Abenteuer teilhaben. Die Jungs, das sind: Mino Atzeni (20), Rombout Bock (19), Samuel Donath (18), Anton Hermes (18), John Goldbeck (19), Til Roese (18) und Findan Wehner (18). Sie haben seit ein paar Monaten das Abi in der Tasche und hatten keine Lust, direkt ins Studium einzusteigen. „Wir wollen die Zeit nutzen, um eine Reise zu machen, die man sonst nur schwer in seinem Lebensalltag unterbringen kann. Jetzt müssen wir noch vergleichsweise wenig Verantwortung tragen und sind quasi frei“, schreibt Mino. Eigentlich wollte er skypen, aber die Sieben sind gerade im Yukon-Territorium in Kanada – kaum Netz. Also wird gemailt, wann immer es die Verbindung zulässt.

Die Panamericana faszinierte die Jungs von Beginn an: „Sie ist die längste Straße der Welt und durchquert 17 Staaten – eine Herausforderung, der wir uns stellen wollten.“ Die Frage nach dem richtigen Wagen für die lange Reise war schnell geklärt. Ein alter Schulbus sollte es sein. „Darin können alle wohnen und schlafen, ohne die Gruppe aufteilen zu müssen, das wäre bei einem oder mehreren Autos der Fall gewesen.“

Den alten gelben Bus hatte die Truppe im Internet gefunden, zwei Tage nach ihrer Ankunft in Alaska kaufte sie ihn. Es folgten drei Wochen harte körperliche Arbeit für den Umbau. „Das war nicht nur physisch, sondern auch mental anstrengend“, erinnert sich Mino. Denn während der gesamten Zeit schliefen die Jungs zwischen Maschinen und Baumaterial im Bus.

Das Schwierigste sei das Installieren des Wasser-, Strom- und Gaskreislaufes gewesen, erinnert sich der Abiturient. Handwerker ist nämlich keiner von ihnen. Aber: „Sieben Mal Halbwissen hat gereicht.“ Während der Umbauarbeiten durften sie auf dem Grundstück eines Paares aus Alaska stehen und sogar deren Pick-up für Einkäufe nutzen.

Nach drei Wochen war aus dem alten Schulbus ein mobiles Heim geworden, auf 29 Quadratmetern haben es sich die Jungs gemütlich gemacht: Mit einer Chill-Ecke samt Sesseln und Stühlen, einer kleinen Kochecke und sieben Stockbetten. Ein selbstgemachtes Wohnmobil.

Und mit dem ging’s dann Ende August endlich los: Durch wilde Natur, über endlos scheinende Straßen. Auf den Sitzen im Bus hält es die Jungs nie lange. „Wir lieben es, auf dem Busdach mitzufahren“, sagt Mino. Von dort aus sei der Blick so frei, auf die beeindruckende Landschaft und wilde Tiere.

Ob die Jungs es wirklich schaffen, die komplette Strecke entlang der Panamericana hinter sich zu bringen, das wissen sie noch nicht. Aber fest steht schon jetzt, dass sie wohl deutlich mehr als die 25000 Kilometer fahren werden. Denn sie orientieren sich zwar meistens an der Karte, aber „unsere Route besteht fast ausschließlich aus Umwegen“. Sie würden ihre Route nicht akribisch planen – ja, vielleicht seien sie auch ein wenig faul, gibt Mino zu – und alles auf sich zukommen lassen.

„Wir werden auch häufig von Menschen angesprochen, die uns die Geheimtipps ihrer Region anvertrauen, denen gehen wir meist auch nach.“ Ein absolutes Highlight bisher sei ein Naturspektakel in Kanada gewesen: „Wir durften in nächster Nähe zu einem Wolfsrudel die Polarlichter bestaunen.“

Zum Schlafen stellen sie den Bus „gegen Ende des Tages einfach dort ab, wo der Ausblick am schönsten ist“. Im Wald, am See, in der freien Ebene. Einzige Voraussetzung: Für einen Schlafplatz zu bezahlen, sei keine Option, sagt Mino. Das Problem dabei: „Oft kommen wir erst spät abends an und haben kaum noch Licht, um den perfekten Platz zu finden. So kam es auch, dass wir aus Versehen am Denali-Nationalpark im Eingang geparkt haben.“ Ein Parkranger weckte die Truppe am nächsten Morgen und forderte eine hohe Geldstrafe.

Sieben Jungs auf so engem Raum, das schweiße zusammen, sagt Mino. Aber es sei auch manchmal anstrengend. „Wir streiten uns jeden Tag über die banalsten Dinge.“ Es gehe morgens mit kleinen Problemen wie dem Frühstückseinkauf los und höre abends mit hitzigen Diskussionen über die Weltpolitik auf. „Einigkeit bei sieben sturen Köpfen ist nie einfach herzustellen, aber wir sind zum Glück nicht nachtragend. Unsere Uneinigkeiten währen nie über Nacht, und wenn doch, dann wird der Zorn mit einem Bier heruntergespült.“ Die lange gemeinsame Schulzeit sei ein Vorteil. „Wir haben Glück, dass wir die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen gut kennen. So fällt es leichter, Rücksicht aufeinander zu nehmen und die Meinung des anderen nachzuvollziehen.“

Und was passiert nach dem großen Abenteuer? Dafür gibt’s noch keinen Plan. „Wir nehmen uns das Jahr auch Zeit, um individuell herauszufinden, was uns eigentlich bewegt und antreibt“, sagt Mino.

Von Maike Geißler

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