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Eutin Spannendes Reiseziel Bibliothek

Seit 1945 verschollene Bücher aus Königsberg stecken in mit SS-Runen beschrifteten Kisten auf dem Dachboden eines Klosters in Plock bei Posen. Nicht immer, aber oft sind Reisen zu Büchern so spannend. Darüber berichtet von heute an eine international besetzte Tagung in Eutin.

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Professor Axel E. Walter leitet seit einem Jahr die Forschungsstelle zur Historischen Reisekultur.

Quelle: Fotos: Peyronnet

Eutin. Prof. Klaus Garber war es, der nach 30 Jahren die ersten wertvollen Bücher aus Königsberg und anderen Städten wiederentdeckte, darunter weit mehr als 10000 Lübecker Drucke, die heute in St.

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Seit 1945 verschollene Bücher aus Königsberg stecken in mit SS-Runen beschrifteten Kisten auf dem Dachboden eines Klosters in Plock bei Posen. Nicht immer, aber oft sind Reisen zu Büchern so spannend. Darüber berichtet von heute an eine international besetzte Tagung in Eutin.

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Petersburg liegen. Die Königsberger Bibliotheken hat Prof. Axel E. Walter für seine Habilitation rekonstruiert. Walter ist seit einem Jahr Leiter der Forschungsstelle zur Reiseliteratur der Eutiner Landesbibliothek und hat die Tagung organisiert. Einer der Referenten ist jener Prof. Klaus Garber, der die Königsberger Bücher wiederfand.

Die meisten Reisenden wandelten nicht wie Garber und Walter auf den Spuren verschollener Bücher. Sie hatten ganz bestimmte Ziele und Anliegen, um die es bei der Tagung gehen soll. Walter zählt die Typen der Bibliotheksreisenden auf, die in verschiedenen Zeitaltern verschiedene Interessen hatten. Da gibt es den Typ des Lesers, den des Sammlers, den Touristen, der mehr am Bibliotheksgebäude als an den Büchern interessiert war. Der Gelehrte suchte gezielt nach Handschriften und Büchern für seine Forschungen. Der institutionelle Besucher wollte seine Kollegen sehen; für Studenten gehörte es dazu, durch Europa zu reisen und Bibliotheken aufzusuchen.

Nur wenige Namen und gar Biografien von Bibliotheksreisenden sind überliefert. Der bekannteste von ihnen ist Zacharias Konrad von Uffenbach (1683-1734) aus Frankfurt, der von 1709 bis 1711 durch Europa reiste, um Bibliotheken zu besuchen, und dabei auch nach Lübeck kam. Dort existierte bereits die heutige Stadtbibliothek, die von Uffenbach in seinem Tagebuch genau beschreibt.

Ist der Frankfurter, dessen Privatbibliothek in seinem Haus acht Zimmer einnahm, nur Eingeweihten bekannt, hat es ein anderer Reisender zu gewissem Ruhm gebracht. „Der berühmteste Bibliotheksreisende war Sean Connery“, sagt Axel Walter. Der von Connery verkörperte William von Baskerville im Film „Der Name der Rose“ ist ein typischer Bibliotheksreisender des Mittelalters. Sein reales Gegenstück, wenn auch nicht Vorbild für die Romanfigur, war Johannes Trithemius (1462-1516). Der, berichtet Walter, wurde aus seinem Kloster herausgeworfen, weil er zu viele Bücher gesammelt hatte. Die Bibliothek des Klosters Sponheim stockte Trithemius während seines Wirkens dort von 48 auf mehr als 2000 Bände auf und schuf damit einen Anziehungspunkt für Gelehrte.

Es sind diese Geschichten, die die Bibliotheksreisen so spannend machen. Dennoch sind sie noch wenig erforscht, etwas, das Prof. Walter ändern möchte und mit dem er gleichzeitig die Bedeutung der Eutiner Landesbibliothek hervorheben will. Deren Forschungsstelle für historische Reisekultur ist nur eine von insgesamt vier in ganz Europa. Damit steht Eutin in einer Reihe mit Nottingham, Clermont-Ferrand und Turin. „Das ist hier ein Schatzkämmerchen“, sagt Walter in seinem Büro im ersten Stock der Landesbibliothek. Eutin verfüge über eine Sammlung zur Reiseliteratur, die einmalig sei in Deutschland. Hinzu komme die Sammlung historischer Landkarten.

Dieses Schatzkästlein für andere zu öffnen und in den Fokus zu rücken, hat sich Walter vorgenommen. Dafür sucht er sich bisher weniger beachtete Themen. „Mir geht es immer um solche, die in der Forschung noch nicht tiefer bearbeitet wurden, um eine Initiative von Eutin ausgehen zu lassen.“ Die Bibliotheksreisen sind so ein Thema. Es ist Walters Antrittstagung, nachdem er vor einem Jahr seinen Posten als Leiter der Forschungsstelle für Historische Reiseliteratur von Dr. Susanne Luber übernommen hat. „Ich habe vor, alle drei Jahre in Eutin eine internationale Reisetagung zu organisieren.“ Die nächste werde sich der Reisedichtung widmen.

Zwei öffentliche Vorträge werden bei der Tagung gehalten: Prof. Klaus Garber spricht über „Buch und Bibliothek – Sammeln und Reisen. Reflexionen zu einer Außenseiter-Quatrologie“ (Donnerstag, 18 Uhr). „Bibliotheksreisen in der Antike“ sind das Thema von Prof. Konrad Vössing von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms- Universität Bonn (Donnerstag, 9.30 Uhr). Beide Vorträge werden im Seminarraum der Landesbibliothek gehalten.

Weitere Informationen und das Tagungsprogramm stehen unter www.lb-eutin.de, Rubrik „Veranstaltungen“.

Von Susanne Peyronnet

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