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Andreas Schicker - ein ganz normaler besonderer Profi

Wien Andreas Schicker - ein ganz normaler besonderer Profi

Er will unbedingt zurück auf den Rasen, natürlich auf hohem Profiniveau. Und der österreichische Zweitliga-Fußballer Andreas Schicker zeigt, was Wille und Technik nach einer Amputation vermögen.

Wien. Andreas Schicker hatte schon eine gute Karriere als Fußballer. Profi-Debüt mit 17 unter Joachim Löw bei Austria Wien, 17 U21-Länderspiele, fast 300 Spiele in Österreichs 1. und 2. Liga.

Jetzt, mit 29 Jahren, ist es eine besondere Karriere geworden - auch wenn Schicker gerne darauf verzichtet hätte, denn der Profi spielt mit einer Armprothese.

Beim Spiel seines SC Wiener Neustadt gegen Salzburg vor zwei Wochen gab der Linksverteidiger sein Comeback in der 2. Liga, ein Jahr und vier Monate nachdem ein Unfall mit einem Böller ihn seine linke Hand gekostet hatte. „Ein schönes Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen“, sagt Schicker. Ganz nüchtern, so, als ob er zwei Monate wegen eines Muskelfaserrisses gefehlt hätte. Dabei war lange nicht klar, ob er überhaupt je wieder Fußball spielen kann nach dieser Unglücksnacht im November 2014.

Schicker war mit Freunden in seiner Heimatstadt Bruck an der Mur unterwegs, er bekam einen Böller zugesteckt. In der Finsternis merkte er nicht, dass die Zündschnur viel zu kurz war. Der Böller explodierte sofort nach dem Anzünden. „Ich habe gleich gemerkt, dass was Schlimmes passiert ist“, erinnert sich Schicker. Zehn Stunden lang wurde er operiert, die Ärzte konnten nur die rechte Hand retten. „Ich hab Scheiße gebaut und die Rechnung bekommen“, sagt Schicker ohne jede Verbitterung.

Der Unfall ist ein Riesenthema in Österreich. Manche versuchten aus ihm einen Skandalprofi zu machen, einen wie Mario Balotelli, der einmal Raketen in seinem Badezimmer gezündet hatte. Mit der Wahrheit hat das wenig zu tun.

„Es gibt kaum einen bodenständigeren, ehrlicheren und festeren Charakter als den Andy“, sagt Günter Kreissl, Schickers Trainer beim SC Wiener Neustadt. Er kennt Schicker schon, seit der 15 Jahre alt ist. „Wir haben telefoniert, da war er in der Reha“, sagt Kreissl. „Er hatte eine unglaubliche Energie. Er war getrieben von der Idee, zurückzukommen.“

Sein erstes Ziel hat Schicker da schon geschafft: Den Alltag allein meistern. „Am Anfang war ich wie ein Kleinkind“, sagt er. „Nicht mal allein essen konnte ich.“ Mit einer elektrischen Armprothese macht er schnell Fortschritte, auch wenn es eine halbe Minute dauert, die Schuhe zu binden. Autofahren, Kochen, Schrauben eindrehen - das geht.

Nur Fußball, das ging erst einmal nicht. Die Prothese war schlicht zu schwer. Also entwickelte er zusammen mit einem Orthopäden eine Sportprothese. Sie wiegt nur ein Kilo und ist weich, damit Schicker Gegner nicht verletzt. Für den Zupfer am Trikot für das taktische Foul muss er die andere Hand nehmen, aber er kann spielen.

Als Günter Kreissl im Sommer einen zweiten Co-Trainer suchte, dachte er sofort an Schicker. „Er war die Idealbesetzung, und wenn er es als Spieler schafft, sollte es uns recht sein.“ Schicker machte erst die Passübungen mit, dann auch die Trainingsspiele, „wie Beckenbauer in den 70ern, zehn Meter hinter der Abwehr.“ Schicker ging vor, wie er es in der Reha gelernt hatte: „Ich bin geduldiger geworden, setze mir kleine Ziele.“

In der Wintervorbereitung holte er die körperlichen Defizite auf. Das Team hat personelle Probleme, also soll Schicker aushelfen, lautet die offizielle Sprachregelung. „Sobald ein jüngerer sich aufdrängt, spielt natürlich der“, sagt Schicker.

Seit dem Comeback machte er zwei Spiele über 90 Minuten. Was ihn am meisten beruhigt: Er hat gut gespielt. „Ich wollte nie, dass es so ausschaut, als wollten der Verein und ich eine Geschichte machen für die Medien“, sagt Schicker. „Ich wollte einfach nur noch einmal auf dem Niveau spielen.“ Wie ein ganz normaler Profi.

dpa

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