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Bayerns Helden der Nacht - „Wir sind da!“

München Bayerns Helden der Nacht - „Wir sind da!“

Diese dramatische Fußball-Nacht hatte viele Hauptdarsteller. Hinten war der FC Bayern brüchig, aber die Offensivkraft rettete Guardiolas Team. Das 4:2 belegt: Deutschlands Krösus hat glänzend eingekauft.

München. Dieser Münchner Fußball-Wahnsinn hatte aufseiten des FC Bayern mehrere umjubelte Protagonisten. Zwei Joker, die stachen, zwei verlässliche Torjäger und in Arturo Vidal, Douglas Costa und Juwel Kingsley Coman drei ausgesprochen wertvolle Neueinkäufe.

So konnte der in der Defensive brüchige deutsche Rekordmeister beim 4:2 nach Verlängerung gegen Juventus Turin ein furioses Comeback in der Champions League feiern. Und Trainer Pep Guardiola, der bis zur letzten Minute der regulären Spielzeit als Verlierer dastand, die brodelnde Münchner Arena nach Mitternacht als glücklicher Sieger verlassen. Ein Blick auf die entscheidenden Bayern-Akteure:

THIAGO: Hundert Minuten musste Peps einstiger Wunschspieler („Thiago oder nix“) auf der Ersatzbank schmoren. Dann wechselte Guardiola ihn für den ausgepowerten Franck Ribéry ein. Und in der 108. Minute schlug der Joker zu. Doppelpass mit Thomas Müller, Rechtsschuss, 3:2. Thiago riss sich jubelnd das Trikot vom Leib - das Stadion bebte.

KINGSLEY COMAN: Der King brachte die Wende, und das gegen seinen Ex-Club. „Kingsley hat hervorragende Qualitäten“, gestand Juve-Coach Massimiliano Allegri mit gequälter Miene ein. Der 19-jährige Franzose, noch ausgeliehen von Juventus, ist ein Juwel. Er erweckte mit seinen Dribblings, seinen Finten, seinem unerschütterlichen Mut und seinen Flanken das Münchner Offensivspiel. „Wir brauchten das Eins gegen Eins von Coman gegen Alex Sandro, der ein bisschen müde war. Coman hatte gute Beine“, erläuterte Guardiola den geglückten Schachzug. Comans große Momente: Flanke zum 2:2, Tor zum 4:2.

ARTURO VIDAL: Der aggressive Chef auf dem Rasen. Die Körperlichkeit des Chilenen tat dem Bayern-Spiel extrem gut, gerade angesichts der brüchigen Abwehr. Der 37-Millionen-Euro-Mann wächst in der Rückrunde in jene Führungsrolle hinein, die er vier Jahre in Turin innehatte. Eroberte mit seiner Energie auch den Ball vor Müllers 2:2.

DOUGLAS COSTA: Der unermüdliche Antreiber. Der Brasilianer begann auf dem rechten Flügel für den verletzten Arjen Robben. Nach der Pause wechselte er nach links, ehe Guardiola die beste Lösung einfiel: Er versetzte den Zauberfuß ins Zentrum. „Wir hatten in der zweiten Halbzeit einen Spieler für das Eins gegen Eins in der Mitte, das war der Unterschied, denn Juventus stand mit zehn Spielern im Strafraum“, schilderte Guardiola. Costa schlug mit dem starken linken Fuß jene Flanke auf Robert Lewandowski, die zum 1:2 führte, Bayerns Comeback einleitete und Juventus spät, aber nicht zu spät ins Wanken brachte.

ROBERT LEWANDOWSKI: Er tat das, was der Job eines Torjägers ist. Er köpfte das 1:2, das wie ein Adrenalinstoß wirkte, das Aufbruchssignal war. Das achte Tor des Polen im laufenden Wettbewerb - top.

THOMAS MÜLLER: Eines hat Guardiola in seinem letzten Jahr in München gelernt. Einen Thomas Müller darf ein Trainer niemals auswechseln. Am Weltmeister lief das Spiel lange vorbei, aber bei der mustergültigen Flanke von Coman stand Müller zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er schraubte sich in die Luft und köpfte das Last-Minute-Tor zum 2:2. „Als Offensivspieler suchst du immer nach der einen Aktion. Gott sei Dank kam noch eine - und dann hat's halt gescheppert“, sagte Müller. An Thiagos 3:2 war er auch beteiligt.

PEP GUARDIOLA: Juve-Coach Allegri schien Guardiola taktisch auszutricksen wie der künftige Bayern-Coach Carlo Ancelotti mit Real Madrid beim 4:0 im Halbfinal-Rückspiel 2014. Aber Guardiola bewies dann mit seinen Wechseln (Thiago, Coman) das bessere Händchen. „Wir haben den Kopf am Ende nicht verloren. In der Verlängerung hat nur noch Bayern gespielt“, sagte Guardiola. Der Katalane war stolz - und erleichtert. Der Achtelfinal-K.o. wurde abgewendet, ein großer Abschied aus München ist weiter möglich: „Die Auslosung ist egal“, sagte Guardiola mit Blick auf Freitag. Für ihn zählt: „Wir sind da!“

dpa

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