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Bericht zur WM-Affäre wird am Freitag vorgestellt

Frankfurt/Main Bericht zur WM-Affäre wird am Freitag vorgestellt

Wohin genau flossen die verdächtigen Millionen? Welcher große Name wusste wann Bescheid? Der Untersuchungsbericht zur WM-Affäre wird am Freitag öffentlich vorgestellt.

Frankfurt/Main. Auf diesen Tag wartet der deutsche Fußball schon seit Monaten. Am Freitagmittag wird die Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in einem Hotel am Frankfurter Flughafen ihren Untersuchungsbericht zur WM-Affäre vorstellen.

Dieser Report soll endlich Klarheit darüber bringen, wie weit Franz Beckenbauer und die anderen WM-Organisatoren gingen, um die Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu holen. Oder wann genau welcher Top-Funktionär wovon wusste. Und vor allem: War das Sommermärchen nun gekauft oder nicht?

„Wir wollen das aufklären“, betonte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball in dieser Woche noch einmal. Genau damit sind die Freshfields- Ermittler im vergangenen Herbst vom Deutschen Fußball-Bund beauftragt worden. Teils mehrfach verhörten sie dazu die Mitglieder des früheren WM-Organisationskomitees - von OK-Chef Beckenbauer über dessen engen Vertrauten Fedor Radmann bis hin zum ehemaligen DFB-Boss Wolfgang Niersbach, der im Zuge dieser Affäre bereits zurückgetreten ist.

Lange Zeit drangen immer wieder Details aus den Ermittlungen an die Öffentlichkeit. So etwa die Protokolle der Vernehmungen von Niersbach, in denen er seinen einstigen Freund Beckenbauer offenbar schwer belastete. Schon seit Wochen ist es aber erstaunlich ruhig in dieser Hinsicht. Auch vor der Präsidiumssitzung des DFB an diesem Donnerstagnachmittag schworen sich die Spitzenfunktionäre des deutschen Fußballs noch einmal darauf ein, bis zur Veröffentlichung des Freshfields-Reports kein Wort mehr öffentlich zu sagen.

Seiner Meinung nach werde es am Freitag vor allem „um zwei Themenkomplexe gehen“, sagte der frühere DFB-Präsident und damals ebenfalls zum WM-OK gehörende Theo Zwanziger der „Bild“-Zeitung: „Zum einen, zu welchem Zweck dienten die Zahlungen von Dreyfuß und an Dreyfuß in den Jahren 2002 und 2005 und welchen Weg haben diese Zahlungen genommen? Zum zweiten ist zu klären, warum trotz eindeutiger Hinweise seit Juli 2012 keine Aufklärungsmaßnahmen in die Wege geleitet wurden und welche Folgen hieraus entstanden sind.“

Die ominösen 6,7 Millionen Euro stehen noch immer im Zentrum der Affäre. Als gesichert gilt nur, dass der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus diese Summe im Auftrag der deutschen WM-Macher an die Finanzkommission des Weltverbands überwies - und sein Geld auch 2005 über den Umweg eines FIFA-Kontos wieder zurückbekam. Allerdings vom WM-OK bewusst verschleiert und falsch deklariert.

Wer genau diese 6,7 Millionen erhielt und vor allem zu welchem Zweck, ist aber immer noch nicht geklärt. Sicherten sich die Deutschen damit bloß einen Organisationszuschuss für die WM, wie Beckenbauer, Niersbach und Co. stets behaupten? Oder verwendeten korrupte FIFA-Funktionäre das Geld, um 2002 den Wahlkampf ihres damaligen Präsidenten Joseph Blatter zu finanzieren? Eine Möglichkeit ist nach wie vor auch die Ausgangsthese des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, das den Skandal im Oktober 2015 ans Licht brachte. Danach wurden mit den 6,7 Millionen nachträglich Wahlmänner der FIFA bezahlt, die im Sommer 2000 über die Vergabe der WM entschieden.

Da in dieser Affäre noch immer so vieles ungeklärt ist, forderte der UN-Sonderberater Willi Lemke „eine Aufklärung ohne Rücksicht auf Verluste, die keine Frage offenlässt“. Es wäre „furchtbar peinlich für den DFB, wenn sie eine der renommiertesten und teuersten Kanzleien beauftragen, aber am Ende die entscheidenden Fragen unbeantwortet bleiben. Ich möchte nicht hören, dass die Spur der Fahnder irgendwo auf den Cayman Islands verloren ging“, sagte der frühere Manager von Werder Bremen der „Frankfurter Rundschau“.

Die Freshfields-Ermittler werden ihren Bericht am Freitagvormittag zunächst dem 45-köpfigen DFB-Vorstand präsentieren. Der besteht aus den Mitgliedern des Präsidiums, Vertretern der Regional- und Landesverbände sowie Vertretern des Ligaverbands. Danach wird bei einer Pressekonferenz die Öffentlichkeit informiert.

dpa

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