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Blatter: „Ich verzeihe, aber ich vergesse nicht“

Zürich Blatter: „Ich verzeihe, aber ich vergesse nicht“

Bei Joseph Blatters Fußball-Turnier wäre Franz Beckenbauer ein willkommener Gast - in der WM-Affäre herrscht jedoch Funkstille. Für den DFB hat der ehemalige FIFA-Präsident deutliche Worte.

Zürich. Joseph Blatter kritisiert den Deutschen Fußball-Bund in der Aufarbeitung der Affäre um die WM 2006.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der frühere FIFA-Präsident auch über sein Verhältnis zu Franz Beckenbauer und zu dem neuen DFB-Chef sowie den Kampf gegen seine Sechs-Jahres-Sperre im Fußball.

Ihr neues Buch ist Mission & Passion untertitelt. Ist Ihre Mission im Fußball schon erfüllt?

Joseph Blatter: Meine Mission im Fußball direkt ist erledigt, weil ich nicht mehr direkt dabei bin. Aber die Mission im Fußball ist nie erledigt, denn es geht immer weiter. Ich bin jetzt die Nummer neun, ich bin im neunten Jahrzehnt meines Lebens, und spiele wieder auf dem Feld. Es geht nicht mehr über 110 Meter, aber über 20 oder 30 Meter geht es noch sehr gut. Im Moment hat die FIFA verschiedene juristische Untersuchungen im Gange, eine auch gegen mich.

Derzeit sind Sie vom Feld verbannt, demnächst steht für Sie die Entscheidung vom CAS über Ihre Sperre an. Sollte der CAS nicht zu Ihren Gunsten entscheiden, würden Sie auch vor ein ordentliches Gericht ziehen?

Blatter: Ich würde zuerst den Entscheid vor das Bundesgericht bringen. Wir werden es richtig erledigen. Der Weg ist das Bundesgericht. Ich würde es bis zum Schluss machen.

Selbst der ehemalige Chefankläger des internationalen Strafgerichts, der Argentinier Luis Moreno Ocampo, hat jüngst gesagt, dass Sie von der Korruption im südamerikanischen Fußball gewusst haben müssen. Nehmen Sie diesen Vorwurf an?

Blatter:  Das geht doch nicht, er ist weder Ankläger noch Richter und er behauptet da etwas. Das ist eine Frechheit, das geht so nicht. Er muss jetzt eine öffentliche Erklärung machen, dass er das falsch gesagt hat. Er hat einen Brief bekommen von mir, der Anwalt in Kopie.

Sie sagen, dass „das Leiden für Sie vorbei ist“. Inwiefern beschäftigt Sie Ihre Sperre aber doch noch?

Blatter:  Ich verzeihe, aber ich vergesse nicht.

Sie haben angekündigt, dass Sie nach Ihrem Ende als FIFA-Präsident und der laufenden Fußball-Sperre dieses Jahr das Sepp-Blatter-Turnier in ihrer Heimat veranstalten wollen...

Blatter: Na sicher gibt es das! Das findet statt. Das Sepp-Blatter-Turnier bleibt.

... würden Sie auch beispielsweise Franz Beckenbauer dazu einladen?

Blatter: Wenn er kommt, wäre es natürlich toll.

In der Affäre um die WM 2006 haben Sie aber unterschiedliche Aussagen gemacht. Haben Sie darüber miteinander gesprochen?

Blatter:  Wir haben da entschieden, dass wir nicht miteinander kommunizieren, damit man uns nicht ausspielen kann. Also wir haben Silencio.

Also stimmt seine Aussage, dass es ein Vier-Augen-Gespräch gab und Sie gesagt haben, dass Deutschland zur Finanzkommission gehen soll, um den Bonus zu bekommen?

Blatter: Daran erinnere ich mich ganz sicher nicht.

Wie bewerten Sie die Arbeit des Deutschen Fußball-Bunds in der Aufarbeitung der WM-Affäre?

Blatter:  Was ich dem Deutschen Fußball-Bund als Kritik sage - ich will nicht sagen Vorwürfe, ich bin nicht da, um Vorwürfe zu machen - aber wenn man zu einer neutralen Organisation geht, dann sollte man den Bericht zunächst intern besprechen und anschauen und dann erst entscheiden, ob man ihn publik macht. Er wurde zuerst publik gemacht, das finde ich nicht gut. Aber ich finde es gut, dass Herr Grindel jetzt Präsident ist.

Bislang gibt es beim DFB noch keine Ethikkommission, unter Reinhard Grindel will der DFB nun eine einführen. Wie bewerten Sie das?

Blatter:  Sie haben immer noch keine, die UEFA auch noch nicht. Wie kann man denn die FIFA kritisieren und die anderen Verbände haben sie nicht. Das geht einfach nicht. Man sollte zuerst vor der eigenen Türe schauen, was nicht richtig ist, bevor man auf die FIFA losgeht oder auf den FIFA-Präsidenten.

Jüngst hat die FIFA einen lukrativen Deal mit der Wanda Group abgeschlossen. Dabei spielte auch Ihr Neffe Philippe eine wichtige Rolle. Geht es ohne Blatter auch weiterhin nicht bei der FIFA?

Blatter:  Die „FAZ“ hat geschrieben: Jetzt sind wir wieder im Blatter-Reich. (lacht). Diesen Vertrag habe ich selbst angezettelt beim Kongress der FIFA. Der Chef der Wanda Gruppe saß da in der ersten Reihe, das ist ein natürlicher Vorgang. Mein Neffe ist jetzt der Chef der zweitgrößten Organisation der Welt im Rechtehandel, weil er gut ist und nicht weil er mein Neffe ist.

Sie haben bereits gesagt, dass Sie der Einladung von Wladimir Putin zur WM 2018 auch bei einer Sperre folgen wollen. Werden Sie diesen Sommer bei der EM 2016 dabei sein?

Blatter:  Im Moment habe ich noch keine Einladung bekomme. Wenn ich eine bekomme und nicht mehr suspendiert bin, gehe ich natürlich auch zur EM.

ZUR PERSON: Joseph Blatter (80) wurde 1998 FIFA-Präsident und gab im Juni 2015 bekannt, dass er sein Mandat 2016 niederlegen wolle. Zuvor wurde der Schweizer jedoch wegen einer dubiosen Zahlung an UEFA-Präsident Michel Platini aus dem Jahr 2011 für sechs Jahre gesperrt. Aktuell ist die von Thomas Renggli geschriebene Biographie „Sepp Blatter Mission & Passion Fussball“ erschienen.

dpa

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