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Das Red-Bull-Imperium - Abenteuer und Pfiffe inklusive

Berlin Das Red-Bull-Imperium - Abenteuer und Pfiffe inklusive

Auf Pfiffe muss sich RB Leipzig in gegnerischen Stadion jetzt schon gefasst machen. Argwohn schlägt dem Sponsor des neuen Bundesligisten entgegen. Die Marke nutzt den Sport zur Vermarktung wie praktisch kein anderes Unternehmen. Und das auch mal bis an die Grenzen.

Berlin. Neymar gehört dazu. Lindsey Vonn auch. Oder Miriam Gössner. Die Liste der Red-Bull-Athleten ist lang, sehr lang.

Die Sportler kommen aus dem Fußball, dem Wintersport, dem Motorsport, vom Surfen. Basejumper, die wagemutig durch die Lüfte fliegen, Freeclimber, die in Felswänden hängen. Auf ihren Mützen oder ihren Anzügen, irgendwo tragen sie das Logo mit den zwei roten Bullen, die sich in Angriffsposition vor einem gelben Kreis gegenüberstehen.

Es ist eine Seite des Engagements von Red Bull im Sport. Abenteuer, Adrenalin, Risiko. Manchmal auch bis zur Todesgefahr. Red Bull rief eine spektakuläre Kunstflugrennserie aus, die am ersten Septemberwochenende auf dem Lausitzring Station machen wird. Red Bull ließ Felix Baumgartner aus der Stratosphäre auf die Erde springen, atemraubende Bilder im hauseigenen Sender inklusive. „Kreativ, neue Wege beschreibend, klotzen und nicht kleckern, zunächst Thrill- und Abenteuersportarten, dann massenattraktive Sportarten und Globalisierung“, beschreibt der Professor für Sport, Medien und Kommunikation, Josef Hackforth das Sport-Sponsoring des österreichischen Unternehmens.

Die Marke, die auf Werbung in Medien so gut wie verzichtet, vermarktet sich über den Sport. Deutlich wird das in Formel 1, wo es Red Bull zu einstigen Sebastian-Vettel-Zeiten zum unangefochtenen Branchenführer brachte. Oder im Eishockey - neben Red Bull Salzburg in Österreich feierte auch der EHC München in der DEL den nationalen Titel. Allen voran aber im Fußball. Ab der kommenden Saison mit RB - offiziell RasenBallsport - Leipzig als Bundesligist.

Unter die Fans mischten sich am Sonntag beim Aufstieg der Leipziger auch namhafte Red-Bull-Angestellte wie die deutsche Skirennläuferin Viktoria Rebensburg, der australische Formel-1-Pilot Daniel Ricciardo, Ex-Fahrer Mark Webber und der französische Rallye-Champion Sébastien Ogier. Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz jubelte im Sieger-T-Shirt auf der Tribüne des ehemaligen WM-Stadions ebenfalls mit. Der Plan ist aufgegangen.

Vor neun Jahren bestätigte der bald 72-Jährige (Geburtstag am 20. Mai) Überlegungen, „einen deutschen Club mit entsprechender Infrastruktur, der derzeit in der dritten oder vierten Liga spielt, auf seinem Weg in die Bundesliga zu begleiten“. 2009 stieg Red Bull beim damaligen Oberligisten SSV Markranstädt ein, in ein paar Monaten spielt RB Leipzig in der ersten Liga. Wo man sich sportlich engagiere, sei man integriert und übernehme die Verantwortung für die sportliche Leitung, betonte Mateschitz damals. Und vor allem wolle man „die Identität von Marke und Sport schaffen“.

Deswegen heißt die Fußball-Filiale in den USA Red Bulls New York, deswegen heißt sie in Österreich FC Red Bull Salzburg, in Brasilien gar Red Bull Brasil - in Deutschland musste der Kunstgriff mit den Initialen des Getränkehersteller-Imperiums mit dem idyllischen Firmensitz am Fuschlsee her.

So idyllisch ist die Red-Bull-Welt aber auch nicht. Kritik und Argwohn begleiten das Unternehmen wie der Erfolg. Das „Handelsblatt“ titelte jüngst „Red Bull und RB Leipzig: Prinzig Feudalismus“. Mateschitz habe ein ziemlich klares Verständnis, wie die Welt laufen solle, meinte die „Süddeutsche Zeitung“: „So, wie er sich das vorstellt.“

So wie in der vergangenen Woche. Da wurde den Mitarbeitern des Haussenders ServusTV kurzerhand gekündigt. Die Gründung eines Betriebsrates missfiel Mateschitz. Offiziell hieß es, der Sender sei wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Tags darauf sah das wieder anders aus, die Kündigungen wurden zurückgenommen, die Mitarbeiter verzichteten auf die Gründung eines Betriebsrats.

In derselben Woche rappelte es auch in einem der beiden Formel-1-Teams von Mateschitz. Kurzerhand wurde der Russe Daniil Kwjat nach seinen Rüpelattacken auf der Strecke gegen Ex-Starfahrer Vettel ins B-Team Toro Rosso degradiert. Max Verstappen, ohnehin in den Augen vieler das vielversprechendste Talent in der Formel 1 derzeit, wurde ins A-Team befördert.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Rennstall für - gelinde gesagt - Verwunderung sorgt. Als Red Bull begleitet von seinen Formula Unas 2005 in die Formel 1 einstieg, war ihm rasch der Ruf als Party-Truppe sicher. Fünf Jahre später war der Rennstall Weltmeister. Als es bei Vettel in seiner letzten Saison bei den Roten Bullen aber nicht mehr so lief, fiel die Rückendeckung für den einst über alles gefeierten Vierfach-Weltmeister eher verhalten aus.

Als Renaults Triebwerk nicht mehr den weltmeisterlichen Ansprüchen genügte, klagten die Teamverantwortlichen ohne Unterlass. „Als wir Meisterschaften gewannen, wurde leider der Name Renault nie erwähnt“, kommentierte damals Renaults Konzernchef Carlos Ghosn. Stattdessen sei die Aufmerksamkeit vor allem Red Bull zuteilgeworden. „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass sich die Investition nur sehr schwach ausgezahlt hat.“

In der Bundesliga wird Leipzig in einigen Stadien weit weniger freundlich empfangen werden wie zuhause, wo bereits über eine neue Arena nachgedacht wird. Traditionalisten des Fußballs schnauben beim Thema RB Leipzig in etwa wie die beiden Bullen im Red-Bull-Logo.

dpa

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