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Dortmund im Torrausch - Tuchel: „Ansprüche hochdrücken“

6:0 gegen Darmstadt Dortmund im Torrausch - Tuchel: „Ansprüche hochdrücken“

Der BVB hat sich vom 0:1 vor einer Woche in Leipzig gut erholt. Doch die zwei 6:0-Kantersiege gegen die schwachen Teams aus Warschau und Darmstadt taugen nur bedingt als Gradmesser. In Wolfsburg steht eine härtere Prüfung an.

Dortmund. Furioses Comeback in der Champions League, Traumtor-Party in der Bundesliga - der umgebaute Kader von Borussia Dortmund kommt nach holprigem Saisonstart mächtig in Fahrt.

Vier Tage nach dem Kantersieg in Warschau (6:0) spielte der BVB beim 6:0 (1:0) über Darmstadt erneut groß auf - auch ohne seine teuersten Stars. Statt Mario Götze und Pierre-Emerick Aubameyang trugen junge Wilde wie Christian Pulisic und Ousmane Dembélé zum Kantersieg bei. Doch bei aller Freude über den famosen Auftritt verzichtete Trainer Thomas Tuchel auf überschwängliches Lob: „Wir sind gut beraten, unsere Ansprüche hochzudrücken und in Wolfsburg daran anzuknüpfen.“

Der Fußball-Lehrer ist klug genug, die beiden Spanziergänge gegen die schwachen Teams aus Warschau und Darmstadt richtig einzuordnen. Denn erst in den kommenden Duellen mit Wolfsburg am Dienstag in der Bundesliga oder Real Madrid eine Woche später in der europäischen Königsklasse wird sich zeigen, ob die Findungsphase seines neuen Kaders bereits abgeschlossen ist.

Für die Partie in Wolfsburg kann er wieder mit Lukasz Piszczek planen, der nach überstandenen Muskelproblemen am Sonntag wieder in das Training zurückkehrte. Dagegen fehlte André Schürrle (Innenbanddehnung) erneut und dürfte damit für die Partie gegen seinen ehemaligen Club keine Option sein.

Dank der beiden Schützenfeste gelang es der Borussia, den Frust über das 0:1 am vorigen Wochenende beim Aufsteiger aus Leipzig zu vertreiben. „Wir wollten uns nicht wieder einlullen lassen, sondern den Druck das gesamte Spiel hochhalten“, kommentierte Gonzalo Castro den höchsten Bundesligasieg des BVB seit Mai 2009.

Zur Freude aller Beteiligten mehren sich die Indizien, dass der BVB den in den vergangenen Jahren übermächtigen Bayern vielleicht doch Paroli bieten kann. Auch ohne die geschonten Götze und Aubameyang sowie die verletzten Marco Reus und André Schürrle blieb ein Qualitätsverlust gegen Darmstadt aus. Der überragende Castro (4./75.), Adrian Ramos (48.), Christian Pulisic (54.), Sebastian Rode (84.) und Emre Mor (88.) sorgten für den verdienten Sieg.

Wie schon in Warschau deutete sich an, was der designierte Bayern-Präsident Uli Hoeneß unlängst damit gemeint haben könnte, als er vom großen Entwicklungspotenzial der Dortmunder Mannschaft sprach. Gegen Darmstadt kamen sieben Spieler zum Einsatz, die nicht älter als 22 Jahre sind. Talente wie Pulisic, Dembélé und der eingewechselte Mor strotzten vor Spielfreude und begeisterten die Zuschauer mit Tempodribblings. „Es hat schon Spaß gemacht, den kleinen Jungs da vorne zuzusehen“, schwärmte Abwehrspieler Matthias Ginter, der mit 22 Jahren auch nicht gerade zu den Routiniers zählt.

Es passte ins Bild der unbeschwerten Borussia, dass sowohl Castro als auch Rode binnen neun Minuten ein Hackentreffer gelang. Der eine veredelte eine Flanke von der linken, der andere traf nach Zuspiel von der rechten Seite. „Gonzalo hat es vorgemacht. Ich habe es dann spiegelverkehrt nachgemacht“, scherzte Rode.

Vor allem in der Offensive wird es einen harten Konkurrenzkampf um die Stammplätze geben. Dass Rückkehrer Götze im eigenen Stadion erneut nicht zum Einsatz kam, begründete Tuchel mit der hohen Belastung des Weltmeisters in den vergangenen Tagen: „Es war angesagt, Vorsicht walten zu lassen. Eigentlich wollten wir ihn einwechseln, um das Thema Heimspiel und Mario Götze zu einem guten Ende zu bringen und ihm diese Bühne zu gönnen.“ Doch weil sich Außenverteidiger Marcel Schmelzer leicht verletzte, entschied sich Tuchel in der 71. Minute kurzfristig für die Hereinnahme von Rode.

Die Gäste konnten ihren Achtungserfolg aus der vorigen Saison in Dortmund (2:2) nicht wiederholen. Sie verloren nicht nur die Punkte, sondern auch Peter Niemeyer, der in der 57. wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte sah. Abwehrspieler Immanuel Höhn machte aus einem Frust über die höchste Bundesliga-Niederlage der Vereinsgeschichte keinen Hehl: „Dortmund spielt Champions League, da wäre es vermessen, uns auf Augenhöhe mit ihnen zu wähnen. Trotzdem möchte man keine sechs Tore kassieren. Wir werden wieder aufstehen und es am Dienstag besser machen.“

dpa

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