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FC Bayern in ungewohnter Verfolger-Rolle

«Das Ziel ist ein Sieg» FC Bayern in ungewohnter Verfolger-Rolle

Zweiter ist nicht Bayern-like. Kapitän Lahm ruft darum beim Rekordchampion „interessante Wochen bis Weihnachten“ aus, Chef Rummenigge die „Jagd“. Erste Etappe ist ein strapaziöser Kurztrip ins frostige Rostow am Don. Die wichtigere Aufgabe folgt erst noch.

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Carlo Ancelotti bleibt seinem 4-3-3-System weiterhin treu.

Quelle: Peter Kneffel

Rostow am Don. Das wird frostig. Aber auch der eisige Wind, gegen den sich die Stars des FC Bayern beim Abschlusstraining in Rostow am Don noch mit Handschuhen und Mützen zu schützen versuchten, soll sie nicht vom klaren Auftrag abhalten, den Trainer Carlo Ancelotti in Russland formulierte.

„Das Ziel ist ein Sieg“, sagte der Italiener, der am Mittwoch (18.00 MEZ) gegen Gastgeber FK Rostow nach dem bitteren 0:1 in Dortmund und dem Verlust der Tabellenführung in der Bundesliga unbedingt die Chance auf den Gruppensieg in der Champions League wahren will.

„Es ist schon kalt“, berichtete Torjäger Robert Lewandowski über die schwierigen Rahmenbedingungen: „Das ist kein optimales Wetter für uns. Aber im Fußball musst du immer gut vorbereitet sein, ob es nun minus fünf, minus zehn oder plus 30 Grad hat.“ Klar ist: Der auf 41 Stunden komprimierte Russland-Ausflug des deutschen Rekordmeisters ist keine Vergnügungsreise. Das plötzlich verwundbare Team um Kapitän Philipp Lahm muss aber die Rahmenbedingungen annehmen und zudem nachweisen, dass es auch die ungewohnte Jäger-Rolle annehmen kann.

Nach dem Sturz vom Bundesliga-Thron wollen die gereizten Münchner auch ohne Rückhalt Manuel Neuer und weitere Topspieler wie Arjen Robben, Arturo Vidal und Javi Martínez unbedingt die Chance auf Platz eins wahren, den noch Atlético Madrid einnimmt. Viel bedeutsamer aber ist schon jetzt der Angriff auf RB Leipzig in der Bundesliga. „Das wichtige Spiel diese Woche, das sage ich ohne jegliche Übertreibung, findet am Samstag statt“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge mit dem Blick auf die Aufgabe gegen Bayer Leverkusen: „Wir werden jetzt ab sofort Jagd machen, schnell Tabellenführer zu werden.“

Das geht auch noch in der Champions League. Nach dem vorzeitig geschafften Einzug ins Achtelfinale ist ein Erfolg in Rostow nötig, um am 6. Dezember im direkten Duell mit Tabellenführer Atlético um den Gruppensieg kämpfen zu können. „Wenn wir gewinnen, haben wir theoretisch noch die Chance, Gruppenerster zu werden“, beschrieb Rummenigge die Ausgangslage. „Aber wenn man sich die Tabellensituation in den anderen Gruppen anschaut, muss das nicht zwangsläufig ein Vorteil sein, ob man Erster oder Zweiter ist.“

Vor dem fünften Spieltag in Europa liegen die Bayern mit neun Punkten drei Zähler hinter Atlético. Viel mehr aber schmerzt Rang zwei in der Bundesliga hinter Emporkömmling Leipzig. „Vier Jahre waren wir immer ganz vorne“, sagte Rummenigge drei Tage vor der Rückkehr des nicht mitgereisten Uli Hoeneß ins Präsidentenamt. „Es ist ungewohnt, wenn wir nicht mehr vorne stehen“, gestand auch Kapitän Philipp Lahm.

Der beim bitteren 0:1 im Liga-Hit gegen Dortmund überraschend ausgewechselte Lahm hat „interessante Wochen bis Weihnachten“ ausgerufen. Wochen, in denen die Bayern national und international wieder an die Spitze streben und endlich auch ein klar erkennbares Profil unter Carlo Ancelotti sichtbar machen wollen. Der Italiener erwägt dabei keine Abkehr von seinem 4-3-3-System. „Wir werden bei drei Stürmern bleiben“, kündigte er an.

Rummenigge hielt ein Plädoyer pro Ancelotti. „Der Trainer ist ein überragender Trainer, wir sind hochzufrieden. Wenn man jetzt mal ein Spiel verloren hat, ist es kein Grund irgendwie blödes Gequatsche anzufangen. Es gibt manchmal so Phasen, da läuft es nicht so rund, da flutscht es nicht so. Da muss man eben wieder daran arbeiten.“

Die Voraussetzungen im zugigen Rostower Olimp-2-Stadion könnten für Ancelotti allerdings besser sein. Wichtige Akteure fehlen in der Millionenstadt am Don, allen voran der leicht an der Wade verletzte Neuer im Tor. Ihn wird in seinem ersten Pflichtspiel der Saison Sven Ulreich ersetzen. Der 28-Jährige ist erst einmal in der Königsklasse aufgelaufen: beim 2:0-Auswärtssieg gegen Dinamo Zagreb vor fast genau einem Jahr. „Natürlich freut man sich, da trainiert man für und wartet darauf, dass man wieder spielen darf“, sagte Ulreich.

Auf einen Spaziergang wie beim 5:0 im Hinspiel sollten sich die Bayern nicht einstellen. „Es wird ein anderes Spiel, wir werden kämpfen müssen“, mahnte Ancelotti. Die heimstarken Gastgeber kämpfen noch um Platz drei, um in der Europa League weiterspielen zu dürfen.

dpa

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