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„Gänsehaut“ beim Hertha-Novum - Dardai mahnt zu Realismus

Ingolstadt „Gänsehaut“ beim Hertha-Novum - Dardai mahnt zu Realismus

Im 34. Bundesligajahr glückt Hertha der erste Sechs-Punkte-Start. Coach Dardai ahnt, was das in Berlin auslösen könnte. Der Kapitän, ein Joker und ein Japaner stechen beim 2:0 in Ingolstadt heraus.

Ingolstadt. Der Sekt im Hause Dardai blieb im Kühlschrank. Auch wenn Herthas Coach beim Berliner Sechs-Punkte-Novum in der Fußball-Bundesliga kurzzeitig eine Gänsehaut überkam, bremste er als Kenner der extremen Fußballstimmungen in der Hauptstadt jegliche Euphorie.

„Wir sollten nicht alle gleich wieder über die Champions League reden und realistisch bleiben“, mahnte Pal Dardai nach dem 2:0 (1:0) beim FC Ingolstadt, bei dem seine Mannschaft die Abgeklärtheit und Effektivität eines Spitzenteams aufblitzen ließ.

„Ich werde jetzt keinen großen Sekt öffnen“, verkündete der 40 Jahre alte Ungar trotz Platz zwei gleichauf hinter den Bayern nüchtern im Ingolstädter Sportpark. Dardai erinnerte vielmehr daran, wie nach den 50 Punkten der Vorsaison und Platz sieben die Stimmung in der Saisonvorbereitung nach der verpassten Europa-League-Qualifikation prompt wieder ins Negative ungeschlagen war.

„Wichtig ist, dass die Mannschaft gut in die Saison gestartet ist“, betonte auch Kapitän Vedad Ibisevic. Mehr sei nicht passiert. Dem vermurksten Einzug in den Europapokal mag der neue Hertha-Anführer nicht mehr nachtrauern. „Die Europa League ist abgehakt, das ist vorbei“, erklärte Ibisevic. Der Torjäger wagte sogar eine Prognose: „Vielleicht wäre das auch zu viel für die Mannschaft.“

Ohne internationale Belastung könnte der Hertha-Kader für eine weitere positive Bundesligarunde gut sein. Zumindest wenn das Team auch bei den kommenden Reifeprüfungen gegen den FC Schalke 04 und beim FC Bayern jene Effektivität und mannschaftliche Stabilität beibehält, die in Ingolstadt im zweiten Saisonsieg mündete.

Ibisevic nutzte in der 8. Minute gleich die erste Torchance eiskalt. Und der wieder spät gekommene Julian Schieber traf wie schon bei seinem 2:1-Siegtor gegen den SC Freiburg erneut als Joker (86.). „2:0 hört sich easy an, aber so war es nicht“, resümierte Ibisevic.

Drei Profis stachen aus einem harmonierenden und füreinander arbeitenden Team heraus. Torjäger Ibisevic, Joker Schieber und der aufdrehende japanische Nationalspieler Genki Haraguchi, der beide Tore vorbereitete. „So was hat man ohne Ende auf Videos in Japan von ihm gesehen“, sagte Dardai über den 25 Jahre alten Haraguchi, der im dritten Jahr in Deutschland endlich durchstarten könnte.

Auch der lange verletzte Schieber fällt auf. Strahlend spazierte der 27 Jahre alte Angreifer durch die Stadionkatakomben. „Zwei Spiele, zwei Tore - es ist optimal gelaufen für mich“, meinte Schieber. Er sei endlich wieder körperlich in einer Topverfassung. Dennoch mahnte ihn sein Coach zur Geduld. „Julian trainiert überragend. Er hat ein paar Kilo abgenommen. Wichtig ist, die Joker-Rolle zu akzeptieren“, sagte Dardai. Schieber bleibt vorerst Teilzeitarbeiter, Kapitän Ibisevic ist im Berliner Angriff die unangefochtene Nummer 1.

Die Abgezocktheit des Gegners imponierte auch dem Verlierer. „Wie kalt man vor dem Tor sein kann, hat Hertha gezeigt“, sagte Markus Kauczinski nach seinem missglückten Heimdebüt als FCI-Trainer. 12:7 Torschüsse verzeichneten die Hausherren - 0:2 das Resultat. „Die Berliner hatten die Geilheit vor dem Tor“, meinte Spielmacher Pascal Groß anerkennend.

Selbst der nüchterne Dardai geriet am Samstag für einen Augenblick in Schampus-Laune. „Das 2:0 war ein wunderschönes Tor, das war international herausgespielt“, äußerte er über die Co-Produktion von Flankengeber Haraguchi und Vollender Schieber. „Da kriegt man Gänsehaut.“ Wie mancher Hertha-Fan beim Blick auf die Tabelle.

dpa

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