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Gisdols Rückkehr nach Hoffenheim: Raus aus der Depression?

Mit dem HSV in der Krise Gisdols Rückkehr nach Hoffenheim: Raus aus der Depression?

Der HSV ist seit Wochen am Boden, auch Trainer Markus Gisdol konnte dem Traditionsclub bisher nicht aufhelfen. Bei seinem Ex-Club Hoffenheim hofft er nun auf die Wende.

Hamburg. Für Sentimentalitäten im Fußballgeschäft ist bei Markus Gisdol kaum Platz. Nicht einmal vor seiner bevorstehenden Rückkehr mit dem Hamburger SV zu 1899 Hoffenheim.

Dafür ist die Brisanz des Spiels am Sonntag (15.30 Uhr) und der Druck auf den neuen Trainer viel zu groß. Mit nur einem Punkt aus fünf Spielen hat Gisdol die Krise beim Bundesliga-Gründungsmitglied und Tabellen-Schlusslicht nicht stoppen können. Ein paar freundliche Worte hat der 47-Jährige dennoch für seinen Ex-Club übrig.

„Ich hatte eine spannende und schöne Zeit in Hoffenheim, und freue mich darauf, alte Wegbegleiter wieder zu treffen“, sagte Gisdol der Deutschen Presse-Agentur und betonte: „Aber dieses sportliche Kapitel ist abgeschlossen, der Fokus liegt ganz klar auf der schwierigen Aufgabe, die uns dort mit dem HSV erwartet.“

2013 war er im Kraichgau zum Erstliga-Coach aufgestiegen - und rettete den Club vor dem Abstieg. Mit dem 2:1-Sieg in einem Herzschlag-Spiel bei Borussia Dortmund erreichte Hoffenheim damals die Relegation und setzte sich gegen den 1. FC Kaiserslautern durch.

Ob die damalige Situation vergleichbar mit der heutigen des HSV ist? „Es war schlimmer. Es war tatsächlich so, dass wir damals sieben Spieltage vor Schluss zehn Punkte aufholen mussten auf den Relegationsplatz“, sagte Gisdol kürzlich im NDR-„Sportclub“. „Das Chaos im Vergleich war eigentlich das Gleiche, das Feuer war nur nicht so hochgebrannt wie jetzt in Hamburg.“

Die mediale Aufmerksamkeit beim HSV ist natürlich eine andere, zumal die mühsame Suche nach einem neuen Sportdirektor seit Wochen die Schlagzeilen prägt. Und es sportlich einfach nicht voran geht. „Wenn ich mich anstecken lasse von der aktuellen Hektik, die manchmal keinen Boden kennt, wäre das nicht gut“, betonte er. In den sechs Spielen bis zur Winterpause ist er zum Punkten verdammt - sonst ist er seinen Job womöglich schnell wieder los.

Gisdol war im Oktober 2015 in Hoffenheim vor die Tür gesetzt worden nach einer 0:1-Niederlage gegen - den HSV. Danach war er fast ein Jahr lang ohne Job und hat nun mächtig mit der Eigendynamik des wankenden Bundesliga-Dinos zu kämpfen. Bei seinem stark gestarteten Ex-Club will er nach der Länderspiel-Pause in die Spur finden. Der Nachfolger von Bruno Labbadia holte zwar ein 0:0 in Mönchengladbach, ansonsten gab es hohe Niederlagen. Zwei Punkte und vier Tore aus den ersten zehn Spielen: so lautet die verheerende Bilanz der Hamburger nach fast einem Drittel der Saison.

„Man merkt, dass eine gewisse Depression im Verein irgendwo vorhanden ist, dass viele Leute müde sind, verständlich müde sind, mental, weil man das mehrere Jahre hintereinander miterlebt hat. Aber mit schlechten Gefühlen kommen wir nicht weit“, sagte Gisdol und forderte konsequente Entscheidungen. Der Schwabe versucht, an vielen Stellschrauben zu drehen: „Mit nur einem Tastendruck geht es nicht“.

Im Training mischen vermehrt junge Talente aus den Nachwuchsmannschaften mit. Gisdol könnte sie demnächst ins kalte Wasser werfen, ähnlich wie er es einst in Hoffenheim getan hat. Beim ungeschlagenen Tabellendritten kann derzeit der 29 Jahre alte Julian Nagelsmann in Ruhe arbeiten. „Julian hat ein gutes Team geformt, das stabil und gereift wirkt“, sagte Gisdol. „Wir als HSV müssen es schaffen, ihnen weh zu tun und an dieser Stabilität zu rütteln.“

So ganz ohne Gefühle reist er natürlich nicht in die Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena. Zu Hoffenheim pflegt er noch „eine Reihe von Kontakten“. Die Fans hätten seine Arbeit immer unterstützt und man habe bewegendende Momente gemeinsam erlebt: „Das vergisst man nicht.“

dpa

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