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Klopp entzaubert „seine“ Borussia: „Anfield wird brennen“

Dortmund Klopp entzaubert „seine“ Borussia: „Anfield wird brennen“

320 Tage nach seinem emotionalen Abschied feierte Jürgen Klopp eine gelungene Rückkehr nach Dortmund. Mit dem 1:1 seines neuen Clubs FC Liverpool konnte der ehemalige BVB-Coach gut leben. Doch ausgerechnet ein einstmals von ihm ausgemusterter Profi brachte ihn um den Sieg.

Dortmund. Das erste Rendezvous mit seiner alten Liebe versetzte Jürgen Klopp in Hochstimmung. Mit einem seligen Lächeln schloss er fast jeden seiner ehemaligen Dortmunder Spieler in die Arme.

Diese Geste der Zuneigung fiel dem Fußball-Lehrer im Anschluss an das beachtliche 1:1 (1:0) des FC Liverpool im Viertelfinale der Europa League leicht. Schließlich geht sein neues Team mit glänzenden Aussichten in das Rückspiel. „Da ist ordentlich Pfeffer drin - jetzt brennt die Anfield“, kommentierte der einstige BVB-Meistermacher voller Vorfreude das neuerliche Wiedersehen am kommenden Donnerstag.

Über die bereits zu Wochenbeginn von Hans-Joachim Watzke geäußerten Warnungen vor einem allzu intensiven Umarmungsmodus setzte sich Klopp kurzerhand hinweg. Inspiriert durch den warmen Applaus der Zuschauer beim Betreten des Rasens und den herzlichen Empfang durch den Dortmunder Geschäftsführer am Mittelkreis ließ er seinen Gefühlen freien Lauf: „Als Aki Watzke vor dem Spiel mit seiner Umarmung die Büchse der Pandora geöffnet hat, war klar, dass ich nachher die Spieler auch umarmen kann. Alles war cool.“ Aus seiner Gefühlslage machte Klopp keinen Hehl: „Wenn ich sagen würde, das ganze Außenrum hätte mich nicht irgendwie aus meiner Mitte gerissen, wäre das gelogen.“

Mit einem klugen Matchplan und überraschenden personellen Entscheidungen brachte er die in diesem Jahr noch ungeschlagene Borussia gehörig ins Wanken. Anders als erwartet, beorderte Klopp nicht den englischen Nationalspieler Daniel Sturridge, sondern Divock Origi in die Startelf. Der Belgier dankte es ihm mit dem Treffer zum 1:0 in der 36. Minute. Doch der Ausgleich von Mats Hummels (48.) und die Glanztaten der Dortmunder Teilzeitkraft Roman Weidenfeller im BVB-Tor brachten Klopp um einen möglichen Coup.

Dass ausgerechnet der von Klopp in der vorigen Saison zwischenzeitlich zur Nummer 2 degradierte Weidenfeller zum besten Borussen avancierte, sorgte für weiteren Gesprächsstoff. Allein in der 51. Minute bewahrte der von BVB-Trainer Thomas Tuchel zumeist nur in Europa-League-Spielen eingesetzte 35 Jahre alte Routinier sein Team mit gleich drei Glanzparaden vor einem neuerlichen Rückstand. Einen kleinen süffisanten Seitenhieb Richtung Klopp konnte sich der Keeper nicht verkneifen: „Ich hab' mich ums Spiel gekümmert. Ich hatte keine Zeit, irgendwelche Gästetrainer zu begrüßen.“

Anders als in den bisherigen K.o.-Spielen gegen die nicht minder schweren Gegner FC Porto und Tottenham Hotspur gelang es dem Bundesliga-Zweiten nicht, dem Tabellenneunten der Premier League sein Spiel aufzuzwingen. Deshalb steht der BVB in einer Woche vor einer schweren Aufgabe. Schließlich konnte noch nie ein deutsches Team an der legendären Anfield Road gewinnen.

Zudem glückte es den Dortmundern bisher erst einmal in sieben Fällen, nach einem Heimremis noch die nächste Runde zu erreichen. Im Oktober 1993 gewannen sie in der ersten Runde des UEFA-Cups nach einem 0:0 daheim mit 1:0 bei Spartak Wladikawkas. Solche Bilanzen können Weidenfeller jedoch nicht schrecken: „Wir werden in Liverpool nicht nur ein Tor schießen, sondern auch zwei.“

Tuchel gab sich ähnlich zuversichtlich: „Ich sehe uns alles andere als chancenlos.“ Dennoch wirkte er ungewohnt nachdenklich: „Es hat nervös und ein bisschen verkrampft gewirkt. Ich hätte mir gewünscht, dass es meine Mannschaft schafft, mit einem Lächeln auf den Lippen zu spielen.“ Selbstkritisch räumte er ein: „Vielleicht haben wir ein bisschen zuviel Infos reingegeben.“ Auf die Frage, ob die Begleitumstände durch die Klopp-Rückkehr zu dieser Verkrampfung beigetragen haben könnten, antworte Tuchel: „Kann sein.“

dpa

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