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Lewandowski torlos: Minimalisten-Duell im Viertelfinale

Marseille Lewandowski torlos: Minimalisten-Duell im Viertelfinale

Polen gegen Portugal im Viertelfinale der EM heißt auch: Lewandowski gegen Ronaldo, Duell zweier Ausnahme-Angreifer. Doch vor der Partie in Marseille fallen beide Teams eher durch Minimalismus auf. Und der Bayern-Torjäger wartet immer noch auf seinen ersten Treffer.

Marseille. Polen und Portugal pflegen bei der EM Minimalismus: Die Polen haben Robert Lewandowski - aber in ihren bisherigen vier Spielen nur drei Tore geschossen. Die Portugiesen haben sogar Cristiano Ronaldo - aber von ihren vier Spielen nur eines und das erst in der Verlängerung gewonnen.

Trotzdem spielen beide Teams am Donnerstagabend in Marseille im Viertelfinale gegeneinander - und sind damit nur noch zwei Siege vom Endspiel entfernt. „Wir wollen das Finale erreichen, das ist unser oberstes Ziel“, sagte Portugals Verteidiger Raphael Guerreiro forsch.

Der 22-Jährige ist vor diesem Spiel noch angeschlagen, genau wie seine beiden Teamkollegen André Gomes und Joao Moutinho. Ihr Einsatz werde sich erst am Spieltag selbst entscheiden, erklärte Trainer Fernando Santos. Nach dieser Europameisterschaft wird Guerreiro dann zu Borussia Dortmund wechseln und dort nach jetzigem Stand auf die beiden Polen Lukasz Piszczek und Jakub Blaszczykowski treffen.

Robert Lewandowski spielte früher auch für den BVB. Er entwickelte sich dort zu jenem Weltklasse-Stürmer, der er jetzt bei Bayern München ist und der genau deshalb die Frage aufwirft: Was ist los mit ihm bei der EM? Vier Spiele, null Tore, lautet seine bisherige Bilanz bei diesem Turnier. Und so ist man bei den Polen demonstrativ darauf bedacht, bei jeder sich bietenden Gelegenheit dem Mann mit dem „verstopften Torriecher“ („Kicker“) den Rücken zu stärken.

„Er ist einer der weltbesten Stürmer, er ist die beste Nummer neun der Welt“, sagte Nationalcoach Adam Nawalka am Mittwoch in Marseille und betonte: „Ich wiederhole es immer wieder, Robert Lewandowski ist ein sehr wichtiger Spieler für unsere Mannschaft. Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er erfüllt seine Rolle als Kapitän und als Spieler auf dem Feld hervorragend.“

Der Fußtritt des Hoffenheimers Fabian Schär aus dem Achtelfinale gegen die Schweiz habe keine Nachwirkungen. „Er ist in sehr guter körperlicher Verfassung“, sagte Nawalka über seinen Ausnahmestürmer. Lewandowski selbst sagte zuletzt schmallippig: „Ich muss Geduld haben. Vielleicht werde ich dann belohnt.“

Genau davor haben die Portugiesen nämlich Respekt: vor der Unberechenbarkeit des Bayern-Torjägers. Gleich nach dem Achtelfinal-Sieg gegen Kroatien kam Ricardo Carvalho aus der Kabine, der Abwehrspieler ist mittlerweile 38 Jahre alt. Carvalho war bereits beim EM-Finale 2004 dabei. Er hat in den vergangenen 15 Jahren gegen Thierry Henry, Miroslav Klose oder Lionel Messi gespielt und damit gegen jeden herausragenden Stürmer gleich mehrerer Generationen. Carvalho weiß also, wovon er redet, wenn er sagt: „Wir müssen auf die Polen aufpassen. Sie haben viele individuell starke Spieler, und sie haben vor allem: einen der besten Stürmer der Welt.“

Und wenn der gerade nicht trifft oder außer Form ist? Carvalho lachte einmal kurz auf, als wolle er damit sagen: alles schon erlebt. Über die Portugiesen selbst waren gleich in den ersten anderthalb Turnierwochen die gewohnt wuchtigen Cristiano-Ronaldo-Debatten hereingebrochen. Dann hielt der Superstar sein Team mit zwei Toren und einer Vorlage gegen Ungarn im Turnier. Das ewige Talent Ricardo Quaresma hatte gerade erst seinen Stammplatz verloren - dann staubte er gegen Kroatien nach Ronaldos Schuss zum entscheidenden 1:0 ab.

Die Portugiesen wirken umso entspannter, je weiter sie kommen und je lauter die Kritik an ihren Leistungen wird. In der Vorrunde war noch die miserable Chancenverwertung das Problem. Nach dem Sieg gegen Kroatien hieß es dann, Ronaldo & Co. hätten fast schon so defensiv gespielt wie einst die Griechen bei ihrem EM-Triumph 2004.

Minimalismus? Schwaches Spiel? Nani kann damit nichts anfangen. Der 29-Jährige bestreitet mittlerweile sein fünftes großes Turnier und sagt: „Das Wichtigste ist, zu gewinnen. Wenn wir das Finale erreichen sollten, wird auch jeder in irgendeiner Weise zufrieden sein.“

dpa

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